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Rohstoffknappheit Holz teuer wie selten – So will die Politik gegensteuern

Holzknappheit treibt die Preise auf Rekordniveau. Bund und Länder wollen deswegen erlauben, mehr frisches Holz zu schlagen. Dabei hatten sie genau das gerade erst eingeschränkt.
18.06.2021 Update: 18.06.2021 - 18:50 Uhr Kommentieren
Durch den Einschlag von mehr Frischholz wollen Bund und Länder die Situation am Holzmarkt entspannen. Quelle: dpa
Waldarbeiter bei der Arbeit

Durch den Einschlag von mehr Frischholz wollen Bund und Länder die Situation am Holzmarkt entspannen.

(Foto: dpa)

Berlin Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich mit seinen Länderkollegen auf Maßnahmen gegen die Lieferengpässe sowie die stark gestiegenen Preise bei Bauholz verständigt. „Wir wollen erreichen, dass mehr Frischholz eingeschlagen werden kann“, sagte der CDU-Politiker am Freitag nach Unterredungen mit den Wirtschaftsministern der Länder in Düsseldorf.

Laut Altmaier sollen „bestehende Begrenzungen“ aufgehoben werden – „ohne dass dadurch für die Waldbesitzer etwa im Steuerrecht Nachteile entstehen“. Dafür plädieren auch die Länder. Der Holzeinschlag solle „schneller wieder möglich werden“, sagte der NRW-Wirtschaftsminister und Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Andreas Pinkwart (FDP).

„Wir wollen vor allen Dingen erreichen, dass durch Kapazitätserweiterung möglichst schnell die Lücke geschlossen werden kann zwischen Angebot und Nachfrage, damit sich die Preise auch beruhigen können“, erläuterte der FDP-Politiker. Für die Waldbesitzer, die sich selbst in einer schwierigen Situation befänden, sollten hierbei die steuerlichen Vorteile beibehalten werden.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt das Vorhaben der Politik. „Mit Blick auf die äußerst angespannte Lage in vielen unserer Betriebe war diese Flexibilisierung beim Holzeinschlag angesagt“, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke dem Handelsblatt. Doch das allein reiche nicht aus. Zusätzlich müssten insbesondere die mittelständischen Sägewerkstrukturen zügig wiederhochgefahren und ausgebaut werden, sagte Schwannecke.

Rainer Kabelitz-Ciré bewertet die Maßnahme ebenfalls positiv. Er ist Geschäftsführer des Interessenverbands „Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes“. „Zum Erreichen der klimapolitischen Ziele ist Deutschland in entscheidender Weise auf die Verfügbarkeit von Schnittholz angewiesen, und dies zu adäquaten Preisen“, sagte er.

IG Bau sieht Engpässe auch bei Personal und Technik

Der Vizechef der „Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt“ (IG Bau), Harald Schaum, sieht das Problem an ganz anderer Stelle. Es sei genug geschädigter Bestand vorhanden, allerdings fehlten die Kapazitäten beim Personal und der Technik, um die vorhandenen Mengen aus den Wäldern zu schaffen, sagte Schaum.

Das Fällen von mehr Bäumen hat aus Sicht des IG-Bau-Vize zudem nur einen sehr begrenzten Effekt, da „dieses sich nur auf die Fichte bezieht“.

Erst im Frühjahr war eine Einschlagsbeschränkung für Fichtenholz in Kraft getreten. Mit der von Altmaier und seiner Kabinettskollegin, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), auf den Weg gebrachten Verordnung wurde für das Forstwirtschaftsjahr 2021 der Einschlag an frischem Fichtenholz auf 85 Prozent der Menge der zurückliegenden Jahre gedeckelt.

Damit sollen Waldbesitzer dazu gebracht werden, erst das Holz zu verwerten, das durch Borkenkäferbefall, Trockenheit und Stürme angefallen war. Wer von den Beschränkungen betroffen ist, kann von steuerlichen Ausgleichsmaßnahmen profitieren, die parallel in Kraft getreten sind. Viele – vor allem kleinere – Betriebe müssen in dieser Zeit dann nur noch maximal zehn Prozent ihrer Einnahmen aus dem Holzeinschlag versteuern.

Preisgleitklauseln sollen Handwerk entlasten

Aufgrund der aktuellen Marktsituation mit großen Holzexporten in die USA und einem heimischen Bauboom wird jetzt jedoch deutlich mehr Holz benötigt als vorhergesehen. Dies führt zu stark steigenden Holzpreisen gerade auch für Zimmereien, Häuslebauer und Endkunden von Holzprodukten bis hin zu Möbeln.

Auch bei den Preisen wollen Bund und Länder für Entlastung sorgen. „Öffentliche Auftraggeber sollten in dieser Sondersituation, in der sich die Branchen befinden, darüber nachdenken, vorübergehend auch Preisgleitklauseln zuzulassen“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart. Handwerksbetriebe könnten sich dann das Recht einräumen, bei einer Erhöhung der Kosten den Preis anzupassen.

Altmaier hält es für angemessen, dass insbesondere die öffentlichen Auftraggeber auf das Handwerk Rücksicht nehmen. Deshalb sollten bei Verträgen die bestehenden Maßnahmen ausgeschöpft werden, um Erleichterungen für die betroffenen Unternehmen zu finden. „Das Bauhandwerk hat sich als äußerst krisenfest und resilient erwiesen“, betonte der Minister. „Und wir möchten nicht, dass es hier zu einem Fadenriss kommt.“

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Für ZDH-Geschäftsführer Schwannecke ist es ein gutes Zeichen, dass die stärkere Nutzung von Preisgleitklauseln nun ausdrücklich auch seitens der Bundesländer unterstützt wird. Allerdings bräuchten Handwerksbetriebe auch bei laufenden Verträgen, „die zu ganz anderen Kostenbedingungen kalkuliert wurden, ebenfalls ein gewisses Entgegenkommen der öffentlichen Auftraggeber, um die rasanten Beschaffungspreiserhöhungen betrieblich auffangen zu können“.

„Die Berücksichtigung von Stoffpreisgleitklauseln bei neuen Aufträgen im öffentlichen Bau ist ein wichtiger Schritt“, sagte auch Kabelitz-Ciré. Die aktuelle Marktdynamik mache es den Unternehmen extrem schwer, Projekte zu kalkulieren. „Hilfreich wäre auch der Verzicht auf Sanktionen bei Verzögerungen im Bauablauf aufgrund von Lieferengpässen“, so der Geschäftsführer des Holzbau-Verbands.

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hatte den Betrieben bereits die Verwendung von Preisgleitklauseln für die Absicherung gegen starke Preiserhöhungen beim Material empfohlen. Diese Klausel sollte demnach immer individuell im Vertrags- oder Angebotstext vereinbart werden und nicht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Versorgungsengpässe auch für Sägewerke

Pinkwart wies auch auf die Situation bei den Sägewerken hin. Der dortige Engpass solle mit „genügend Schnittholz in jeder Qualität“ überwunden werden. Deshalb sehen Bund und Länder auch Handlungsbedarf bei der Verordnung zum Holzeinschlag.

Kleinere private Waldbesitzer dürfen aufgrund der Vorgaben nur noch wenige Bäume ernten, etwa fünf Kubikmeter je Hektar, was ungefähr zwei großen Fichten entspricht. Dadurch werden Versorgungsengpässe auch für Sägewerke verursacht, die dadurch ihre Kunden in der Bauwirtschaft nicht mehr beliefern können, wodurch Gebäude bis hin zu Mietwohnungen nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können.

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Die ohnehin auf Volllast laufenden Sägewerke waren bisher der Flaschenhals in der Holzversorgung, aufgrund des stockenden Nachschubs an Frischholz ist jedoch absehbar, dass die Sägekapazitäten nicht mehr ausgeschöpft werden können.

Mehr: Der Rohstoffmangel bedroht den Bau-Boom

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