Rückkehr Mehr als 100 Dschihadisten-Kinder in Deutschland erwartet

Die Gebietsverluste der Terrormiliz Islamischer Staat haben offenbar die Rückkehr von Kindern von aus Deutschland ausgereisten Anhängern zur Folge. Für die Bunderegierung könnte dies zur Herausforderung werden.
Update: 08.01.2018 - 14:42 Uhr 3 Kommentare
Das Symbolbild zeigt ein IS-Mitglied, das Kindern den Umgang mit einer Waffe beibringt. Den Informationen der Bunderegierung nach wird der Großteil der Dschihadisten-Kindern von deutschen Anhängern im Baby- und Kleinkindalter sein. Quelle: dpa
IS trainiert Kinder an Waffen

Das Symbolbild zeigt ein IS-Mitglied, das Kindern den Umgang mit einer Waffe beibringt. Den Informationen der Bunderegierung nach wird der Großteil der Dschihadisten-Kindern von deutschen Anhängern im Baby- und Kleinkindalter sein.

(Foto: dpa)

BerlinDie deutschen Sicherheitsbehörden rechnen mit der Rückkehr von mehr als 100 Kindern, deren islamistische Eltern in die Dschihad-Gebiete im Irak und Syrien ausgereist waren. Die Bundesregierung verfüge über Informationen, „die eine niedrige dreistellige Anzahl von Minderjährigen erwarten lassen, wobei der Großteil im Baby- beziehungsweise Kleinkindalter sein dürfte“, schrieb das Innenministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic. Die Abgeordnete forderte die Behörden auf, verstärkt den Kontakt mit den Familien der Ausgereisten zu suchen, um mehr Informationen zu bekommen. „Deradikalisierung und Prävention sind derzeit Leerstellen der Sicherheitspolitik des Bundes“, sagte Mihalic am Montag zu Reuters. „Das muss sich gerade mit Blick auf die Rückkehrer aus den IS-Gebieten samt ihren Kindern dringend ändern.“

Das Bundesinnenministerium kann nach eigenen Angaben unter anderem deshalb keine konkreten Zahlen zu den Kindern in den Dschihad-Gebieten nennen, weil viele von ihnen erst in Syrien oder dem Irak zur Welt gekommen seien. Außerdem würden die Daten von Kindern unter 14 Jahren, die mit ihren Eltern ausgereist seien, aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfasst, hieß es in der Antwort auf die Anfrage.

Pauschale Angaben zum Umgang mit Rückkehrer-Kindern ließen sich nicht machen, sagte Ministeriumssprecher Johannes Dimroth. Es gebe eine ganze Reihe von Deradikalisierungsprogrammen in der Zuständigkeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie des Familienministeriums. Die zuständigen Stellen würden das Phänomen kennen und auch versuchen, den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Mihalic kritisierte, zu den zurückkehrenden Kindern und ihrem Hintergrund sei viel zu wenig bekannt. „Hier rächt es sich, dass die Bundessicherheitsbehörden nicht von sich aus den permanenten Kontakt zu den Eltern der IS-Fahrer gesucht haben, auch um bessere Informationen zu erhalten“, sagte die Politikerin, die vor dem Wechsel in den Bundestag viele Jahre als Polizistin tätig war. „Auch wenn schon viel Zeit vergangen ist, sollte der Bund dringend in einen intensiven Austausch mit den Familien eintreten, um sich ein sicherheitspolitisches Gesamtbild zu verschaffen.“

Der Verfassungsschutz hatte bereits im Oktober gewarnt, dass minderjährige Rückkehrer in Deutschland zu einer neuen Generation von IS-Kämpfern heranwachsen könnten. „Wir sehen die Gefahr, dass Kinder von Dschihadisten islamistisch sozialisiert und entsprechend indoktriniert aus den Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren“, sagte Geheimdienst-Chef Hans-Georg Maaßen. „Damit könnte auch hier eine neue Dschihadisten-Generation herangezogen werden.“ Er erinnerte daran, dass drei der fünf Anschläge 2016 in Deutschland von Minderjährigen verübt wurden. Darüber hinaus scheiterte ein Zwölfjähriger mit Versuchen, einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben.

Nach Angaben der Bundesregierung waren bis November 2017 mehr als 960 Islamisten aus Deutschland nach Syrien oder in den Irak ausgereist, um dort für die Extremistenmiliz IS oder andere Gruppen zu kämpfen. Etwa ein Drittel von ihnen sei inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. Eine verstärkte Rückreisewelle sei jedoch trotz der militärischen Rückschläge des IS nicht festzustellen. Zu etwa 150 Ausgereisten gebe es Hinweise, wonach sie in den Kampfgebieten getötet worden seien.

  • rtr
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3 Kommentare zu "Rückkehr: Mehr als 100 Dschihadisten-Kinder in Deutschland erwartet"

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  • Die kommen dann in den Dschihadisten-Kindergarten - Kita Kopfab.

  • Ich gehe doch davon aus, daß die Gutmenschen diese besonders wertvollen Kinderlein aufnehmen und versorgen.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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