Ruf nach nationaler Krisenvorsorge Angst vor Putins „Gaswaffe“

Die Ukraine-Krise weckt Befürchtungen, Gasimporte aus Russland könnten zum Erliegen kommen – vor allem seit Sanktionen gegen Russland verhängt wurden. Wirtschaft und Politik sind alarmiert und fordern Gegenmaßnahmen.
Update: 07.03.2014 - 14:42 Uhr 13 Kommentare
Russlands Präsident Wladimir Putin (r.) mit Gazprom-Chef Alexej Miller: Droht wegen des Ukraine-Konflikts eine neue Gaskrise? Quelle: dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin (r.) mit Gazprom-Chef Alexej Miller: Droht wegen des Ukraine-Konflikts eine neue Gaskrise?

(Foto: dpa)

BerlinDie in der Krim-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen schüren die Angst vor einer neuen Gaskrise. Noch geht es um verhältnismäßig weiche Strafmaßnahmen. Die Europäische Union beispielsweise setzte in einem ersten Schritt die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und über ein neues Rahmenabkommen für die Beziehungen zwischen Brüssel und Moskau aus.

Doch der Ukraine-Sondergipfel macht zugleich unmissverständlich klar: Verweigere sich Moskau Verhandlungen zur Lösung des Krise und der Beteiligung an einer Kontaktgruppe mit Kiew, werde die EU Einreiseverbote, Kontensperrungen und notfalls auch wirtschaftliche Sanktionen verhängen. Da sich eine schnelle diplomatische Lösung in Osteuropa nicht abzeichnet, bekräftigte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius heute noch einmal die Entschlossenheit des Westens.

Eine härtere Gangart gegen Russland könnte allerdings wie ein Bumerang wirken. „Mit wirtschaftlichen Sanktionen schneidet man sich nur ins eigene Fleisch“, sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der „Passauer Neuen Presse“. Deutschland könne sich „eine solche Sanktionspolitik gar nicht leisten, weil wir im Zuge der Energiewende zunehmend auf russische Gaslieferungen angewiesen sind“.

Das sieht der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie (AFME), Rainer Winzenried, nicht anders. Er fürchtet angesichts der Sanktionspolitik gegen Moskau Unterbrechungen der Gaslieferungen aus Russland und fordert daher von der Politik, die Abhängigkeit von Gasimporten durch den Aufbau einer Gasreserve zu senken. „Daher ist ein Gesetz zur aktiven Vorsorge gegen Störungen der Erdgasversorgung, abgestimmt mit der bereits vorhandenen und getesteten Krisenvorsorge bei anderen Energieträgern, in Zukunft unverzichtbar“, sagte Winzenried Handelsblatt Online. Der AFME vertritt die Interessen konzernunabhängiger Energiehändler und -importeure aus den Bereichen Öl, Strom und Gas.

In der Politik stößt die Forderung auf Zustimmung. Der beste Weg zur Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffträgern sei der Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Auch eine größere nationale Erdgasreserve trüge zweifellos zur Sicherheit unserer Gasversorgung bei“, sagte der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, Handelsblatt Online.

Ähnlich äußerte sich der frühere niedersächsische Umweltminister und jetzige Vize-Vorsitzende der FDP-Fraktion im Hannover Landtag, Stefan Birkner. „Das aktuelle Szenario zeigt die Notwendigkeit einer nationalen Gasreserve erneut auf“, sagte Birkner Handelsblatt Online. „Gemeinsam mit den Energieversorgern muss daher ein Konzept entwickelt werden, das es ermöglicht, mögliche Lieferausfälle zumindest vorübergehen zu kompensieren.“

Die Bundesregierung hatte hingegen bereits am Montag erklärt, sie sehe keinen Anlass, sich um die Versorgung mit Erdgas zu sorgen. Die Gasspeicher seien gut gefüllt, Deutschland habe die viertgrößten Kapazitäten weltweit und sei auf mögliche Lieferengpässe gut vorbereitet. Für Liefereinschränkungen gebe es aber keinerlei Anhaltspunkte. Das gelte auch für Rohölimporte.

Hofreiter hält es dennoch für wichtig, auch eine weitere Diversifizierung der Importe anzustreben. „Wenn von vielen kleineren Zulieferern einer ausfällt, beeinträchtigt das nicht die Versorgungssicherheit“, sagte der Grünen-Politiker. Auch Flüssig-Erdgas (LNG) sollte aus Sicht Hofreiters künftig einen Anteil übernehmen, um eine stabile Gasversorgung Deutschlands zu gewährleisten. „Dazu haben wir die schwarz-gelbe Bundesregierung mehrfach aufgefordert. Ergebnislos“, sagte er.

Die Angst vor einer neuen Gaskrise kommt nicht von ungefähr. Im Januar 2009 hatte Russland seine Gaslieferungen über die Ukraine komplett eingestellt und viele Abnehmer von den Importen abgeschnitten. Bereits davor, in den Jahren 2006 und 2008, hatte Russland seine, wie es der Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg, „Gaswaffe“ gegen die Ukraine eingesetzt und Lieferungen gekürzt.

Hälfte der Gasimporte fließt durch die Ukraine
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13 Kommentare zu "Ruf nach nationaler Krisenvorsorge: Angst vor Putins „Gaswaffe“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Flutwelle, die in Mainz ankommt soll noch mindestens 12 Meter hoch sein.

  • Und wenn ich lesen konnte, dass der Herr Klitschko im Sold der Dame aus Berlin steht, glaube ich es ganz einfach, so logisch erscheint mir mittlerweile die Ukrainer Krise..!

  • Viele Kommentatoren haben ein richtiges Gefühl für Wahrhaftigkeit und realistische Vermutungen, wie auch vom KOPP-Verlag am heutigen 07.03.2014 angemerkt:
    "Bösartigkeit haben die Weichen in Richtung Krieg gestellt von Dr. Paul Craig Roberts / In einigen Bereichen der amerikanischen Öffentlichkeit schließt man sich zunehmend der Besorgnis an, wie sie von Stephen Lendman, Michel Chossudovsky, Rick Rozoff und mir selbst sowie einigen wenigen anderen geäußert wurde, und erkennt die massiven Gefahren, die von der Krise ausgehen, die Washington in der Ukraine losgetreten hat.
    Die Marionettenpolitiker, die Washington in der Ukraine an die Macht bringen will, haben die Kontrolle über die gutorganisierten und bewaffneten Rechtsradikalen verloren, die Juden und Russen angreifen und ukrainische Politiker einschüchtern."
    Das nur als Vorspann zu eionem lämgeren Artikel, der Besorgnis erregend ist..!

  • @HB

    Sie sollten Ihre Überschriften manchmal etwas bedachter wählen. "Gaswaffe" assoziiert ziemlich schnell den Einsatz von "ABC-Waffen", was offenbar nicht gemeint ist....

  • Punkt 1 es war schon immer so Menschen verschiedener
    Volksgruppen leben relativ friedlich in einem Staat zusammen dann will einer "Präsident"werden ein Anderer möchte seine Volksgruppe bevorzugt wissen die Menschen werden aufgehetzt schlagen sich die Köpfe ein.
    Punkt 2.Der Westen mischt hier in unverantwortlicher Weise mit weil die USA ihre Welt Beherrschung voran bringen will.Punkt 3.die Europäer wollen nicht oder können nicht begreifen das wir so zur Kolonie Amerikas
    werden.Man macht sich trotz allem Demokratie Geschwätz
    zu Handlangern von Faschisten und lenkt mit Putin Hetze ab.Unsere Oberen haben leider kein Kreuz vor lauter buckeln vor den USA.Irgendwie wünschte ich mir Schröder
    der hätte sich nicht zum Büttel machen lassen

  • 1. Europa Staaten, Russland und USA, nachdem die Ukraine Ihre Nuklearwaffen abgegeben hat, einen Vertrag unterschrieben -die Grenzen der Ukraine sind fest und unberurt und keinen darf sie aendern, sonst ...
    2. In die ostliche Steadte und an der Krim sind russen als turisten(kosaken) und militar aus Russland gekommen, die sagen "wir schutzen die russen"- die arbeiten im Krim. Die Russen pachten den Sevastopol, wo ist ihre militar Base(Schifsflote)(ziemlich lange, zulange)
    3. Die Ukrainer, Krimtataren, und auch viele russische Ukrainer? die nicht zu Militar gehoeren, sind gegen russische okupation. Die Russen haben prorussische Partei(von Hr.Aksjonov-der in 90jahren Mitglied aus der Mafia-Reket)bewafnet. Die Partei hat im Krim Parlament 4%. Die Partei mit Waffen jetzt kontrolliert die Strassen, wo Leute haben Angst demonstriren und die mutigen leiden.(Jurnalisten sind im Gefahr bei frei Bewegung -Handelsblatt soll da einen Jurnalist schicken)
    4. Nachrichten aus Ukraine sind auf dem Insel blockiert von russischem bruder, auser prorusiche.
    ! Wenn man, gegen Boese nicht tut oder es still beobachtet, er ist doch selbst ein Verbrecher. Es errinert mich auch wie man still war als Hitler zur macht kam. Apetit wird nur wachsen, hauptsache in Deutschland alles stabil, man kann sogar waffen fuer beide partei liffern, damit wachstum und konjuktur wird ankegurbelt und dann kann man gute nacht sagen! sorry fuer deutsch

  • Zitat : Doch der Ukraine-Sondergipfel macht zugleich unmissverständlich klar: Verweigere sich Moskau Verhandlungen zur Lösung des Krise und der Beteiligung an einer Kontaktgruppe mit Kiew, werde die EU Einreiseverbote, Kontensperrungen und notfalls auch wirtschaftliche Sanktionen verhängen.

    - man muss sich dieses Zitat mal ganz langsam vor Augen führen und den gesunden Menschenverstand einschalten : was ist passiert...?

    Wegen paar bekloppten und faschistischen Oligarchen, die in einer bankrotten Ukraine versuchen zu putschen, will die EUtopia die Beziehungen zu Russland, die in mühsamer Kleinstarbeit in letzten 40 Jahren entstanden sind, aufs Spiel setzen ?
    Unsere Energieversorgung aufs Spiel setzen wegen Klitschkos, dämlichen Jungpiratinnen, Pussy-Riot , korrupten Oligarchen Chodorkovsky....?
    Mehr als 300.000 Arbeitsplätze aufs Spiel setzen, die uns der Handel mit Russland einbringt ?

    Wir sollten uns so langsam ernsthaft die Frage stellen, ob wir dicht einen "Maidan" vor dem Kanzleramt aufziehen sollen.....?!!"!!!

  • Deutschland ist nicht erpressbar.Punkt.
    Deutschland sollte solche egoistischen Nichtsnutze wie einen Klitschko niemals unterstützen. Punkt.
    Dann wird das auch was.

  • Nicht nur Frankreich, sondern die Staaten um Deutschland haben eine preiswertere Energieversorgung, auch dank AKW.
    Die gleiche Politkaste, die uns eine derartige Abhängigkeit eingebrockt hat, sollte mal langsam anfangen wieder umzudenken. Weg von der Insel der Glückseligkeit mit Windmühlen, Solardächern und Öko-Idylle und Gas aus Russland. Wenn der Russe bockt, schmeisst als Übergangslösung von mir aus die Kohlekraftwerke wieder an und man sollte sich das mit der Atomkraft nochmal genau überlegen. Ich warte noch immer auf die tektonische Plattenverschiebung in Deutschland, mitsamt 30 Meter hohen Tsunamis.

  • Tolle Idee, Waterla, wir könnten uns gleich zusammen mit der Krim um einen Platz in der russischen Föderation bewerben. Dazu müssten wir aber erst mal zahlreiche internationale rechtliche Verträge mit EU, NATO und USA brechen.

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