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„Safer Internet Day“ Unionsfraktionsvize fordert TV-Sendung über Datensicherheit

Einmal im Jahr mahnt der „Safer Internet Day“ zur Datensicherheit. Der Union ist das zu wenig. Sie fordert eine Bildungs-Sendung zu diesem Thema.
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Als mögliche Schutzmaßnahmen gegen Cyber-Kriminelle gelten starke Passwörter und eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Quelle: dpa
Hacker vor Computerbildschirm (Symbolbild)

Als mögliche Schutzmaßnahmen gegen Cyber-Kriminelle gelten starke Passwörter und eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung.

(Foto: dpa)

BerlinDie Vizechefin der Unions-Bundestagsfraktion, Nadine Schön (CDU), hat sich für eine Bildungssendung zum Thema Datensicherheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgesprochen. „Wie wäre es zum Beispiel mit einer Neuauflage des 7. Sinn zur Hauptsendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Was damals das Verhalten im Straßenverkehr war, ist heute das sichere Bewegen im Netz“, sagte Schön dem Handelsblatt mit Blick auf den „Safer Internet Day“ am Dienstag.

In der Sende-Reihe „Der 7. Sinn“ hatte die ARD mit der deutschen Verkehrswacht von 1966 bis 2005 alltägliche Verkehrssituationen gezeigt und Unfälle nachgestellt. So wollte sie die Zuschauer für mögliche Gefahren sensibilisieren.
Schön betonte, Internetsicherheit müsse für jeden, den Staat, Unternehmen und Bürger einen höheren Stellenwert bekommen als bisher. „Wir brauchen hier eine viel größere Sensibilität. Schließlich geht es um unsere Daten“, sagte sie.

Den sogenannten „Identitätsdiebstahl“ findet Schön besonders problematisch. Das sei „kein Kavaliersdelikt, sondern ein massiver Eingriff in unsere Privatsphäre“, betonte die CDU-Politikerin. Bislang könne das Ausspähen von Daten mit einer Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren geahndet werden. Die Politik müsse jetzt prüfen, ob das Strafmaß bei schweren Cyberdelikten anzuheben sei.

Das sieht auch der CDU-Digitalpolitiker Thomas Jarzombek so. Der Diebstahl und Missbrauch persönlicher Daten sei für Betroffene „oftmals noch schlimmer als ein Wohnungseinbruch“, sagte Jarzombek dem Handelsblatt. „Wenn die persönliche Reputation dadurch beschädigt wird, entsteht für Betroffene sehr großer und irreparabler Schaden. Dies muss endlich entsprechend beim Strafmaß gewertet werden.“

Dafür hatte sich zuletzt auch der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), ausgesprochen. „Das Hacken und Abschöpfen von Daten ist ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen“, sagte Brinkhaus der „Rheinischen Post“. Dieses „gravierende Unrecht“ müsse „durch ein höheres Strafmaß deutlich werden“.

Brinkhaus sprach mit Blick auf Cyberdelikte von Strafbarkeitslücken. Dies werde sich seine Fraktion „genau ansehen“. Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Netz wie Freiwild behandelt werden könnten, sei das eine Gefahr für die Gesellschaft und die Demokratie. „Datendiebstähle könnten letztlich dazu führen, dass sich Menschen nicht mehr öffentlich engagieren, weil die Gefahr besteht, an den digitalen Pranger gestellt zu werden“, warnte Brinkhaus.

Der CDU-Politiker spielt auf den Fall eines 20-jährigen Schülers aus Hessen an. Der Mann hatte teils sehr persönliche Daten von rund 1000 Politikern und Prominenten gesammelt und öffentlich auf Twitter verlinkt. Der Fall zeigt, dass sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln großer Schaden anrichten lässt.

Jeder zweite Internetnutzer Opfer von Cyberkriminalität

Für Aufsehen sorgte zuletzt die Entdeckung des riesigen „Collection #1“-Datensatzes mit gestohlenen Log-in-Informationen. Er enthält insgesamt 773 Millionen E-Mail-Adressen und 21 Millionen Passwörter im Klartext. Die Sammlung war auf der Cloud-Plattform Mega aufgetaucht, wo sie mittlerweile gelöscht wurde.

Die Munich Re sprach daraufhin von einer aufwendigen Schadenbegrenzung für betroffene Unternehmen. „Mit Hilfe der Datensätze könnte man versuchen, sich in Mailaccounts, Bankkonten, Firmennetzwerke oder oder soziale Netzwerke einzuloggen“, sagte Martin Kreuzer, Cyberexperte beim weltgrößten Rückversicherer. Identitätsdiebstahl sei für Privatpersonen, aber auch für Unternehmen in hohem Maß gefährlich. Hacker könnten sich sich unter dem Namen eines Mitarbeiters einloggen, die Passwörter ändern und den Zugang für den eigentlich Berechtigten sperren.

„Der Zugang zur gesamten Sammlung mit über 773 Millionen Datensätzen kostete 45 Dollar“, sagte Kreuzer. „Da viele Menschen ihre privaten Passwörter auch beruflich nutzen, kommt man da schnell in eine unglaubliche Dimension, was alles möglich wäre. Für betroffene Unternehmen wird das sehr aufwendig, die Systeme wieder zu sichern“, sagte Kreuzer.

Die schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Marit Hansen warnte, dass es auch andere Online-Angriffe gebe, „die die Privatsphäre verletzen oder Leib und Leben schädigen können“ – etwa wenn Webcams oder Babyphones angezapft und die Bilder aus der Wohnung ins Internet gestreamt würden.

„Oder wenn Herzschrittmacher oder Insulinpumpen quasi im Vorbeigehen fremdgesteuert werden können – das kann sogar lebensgefährlich sein“, so Hansen. Auch könnten kritische Infrastrukturen von Hackerangriffen betroffen sein und damit die Energieversorgung oder das Finanzwesen für Tage nicht mehr funktionieren.

Dass beim Thema Datensicherheit noch vieles im Argen zu liegen scheint, zeigt auch eine jüngst vom Branchenverband Bitkom veröffentlichte repräsentative Umfrage unter mehr als 1000 Internetnutzern in Deutschland. Jeder zweite Internetnutzer ist demnach im vergangenen Jahr Opfer von Cyberkriminalität geworden. Am häufigsten klagen Onlinenutzer über die illegale Verwendung ihrer persönlichen Daten oder die Weitergabe ihrer Daten an Dritte: 23 Prozent war davon betroffen.

CDU-Politikerin Schön rief die Bürger auf, sorgsamer zu sein und ihre Daten ausreichend zu sichern. „Dazu gehören starke Passwörter ebenso wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung“, sagte sie. Informationen dazu gebe es reichlich. „Dennoch sollten wir die Angebote an Workshops, Vorträgen, Infoveranstaltungen ausbauen.“

Schön sieht auch die Unternehmen in der Pflicht, die mit den Daten ihrer Kunden und mit digitalen Geschäftsmodellen ihr Geld verdienten. Immer wieder würden massive Datenleaks bekannt. „Das darf nicht sein“, betonte die CDU-Politikerin. „Hersteller und Plattformbetreiber müssen hohe Sicherheitsstandards und regelmäßige Updates gewährleisten.“

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