Satiriker spielen AfD-Machtkampf nach „Das ist eine Art Röhm-Putsch“

Ex-„Titanic“-Chef Sonneborn sitzt für „Die Partei“ im Europaparlament – und soll jetzt abgesetzt werden. Als Vorbild für die Revolte soll die zerstrittene AfD herhalten. Warum, erklärt der Anführer des Aufstands.
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Martin Sonneborn: Der Chef der Partei „Die Partei“ soll entmachtet werden. (Foto: Anti-Sonneborn-Initiative Chance 5.000; Screenshot)
Martin Sonneborn.

Martin Sonneborn: Der Chef der Partei „Die Partei“ soll entmachtet werden. (Foto: Anti-Sonneborn-Initiative Chance 5.000; Screenshot)

BerlinDer Führungsstreit in der Alternative für Deutschland (AfD) hat Nachahmer gefunden. Die Satire-Partei „Die Partei“ will ihren Vorsitzenden, den früheren „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn, loswerden. Auf ihre Weise. Nicht ganz ernst gemeint, aber durchaus öffentlichkeitswirksam.  Auf ihrer Webseite freut sich die „Titanic“, dass nach der „Frankfurter Rundschau“ nun auch das Medien-Portal „Meedia“, das „Neue Deutschland“ und die „Hessenschau“ über die „skandalösen Vorgänge“ in der „Partei“ berichten.

Worum geht es? Ex-Titanic-Chefredakteur Leo Fischer will Sonneborn, der für die „Partei“ im Europaparlament sitzt, entmachten. Der Grund: Sonneborn will die „unermesslichen Schatzkammern“ der „Partei“ nicht für die „Partei“-Mitglieder öffnen. Das Problem sei, erklärt Fischer in einer Rede zur Gründung seiner Gegenpartei „Chance 5000“, dass der bisherige Bundesvorsitzende Sonneborn wegen Europa „leider vor kurzem verrückt geworden“ sei und das Geld nicht rausrücke.

Hunderte Landesverbände warteten auf Geld, Tausende Mitglieder lebten in Armut, klagt Fischer. „Statt für die eigenen Landsleute zu schaffen, trifft sich der Vorsitzende mit Pleite-Koreanern, verbrüdert sich mit Systemmedien und Gutpolitikern.“ Das eigene Land, bürgerliche Werte und Kopfrechnen zählten nicht mehr.

Deshalb, so Fischer, brauche die „Partei“ einen Neuanfang. Und einen Bundesvorsitzenden, der die Bedürfnisse der Mitglieder verstehe. CHANCE 5000 sei daher als ein „politisches Aktionsbündnis“ gegründet worden. Die Mitglieder der Initiative hätten ihn, Fischer, gebeten, am 3. Oktober Bundesvorsitzender zu werden, um einen Wandel zu ermöglichen. „Als einfache Angestellte und Mutter zweier heterosexueller Kinder habe ich diese Chance sofort ergriffen“, gibt der heutige „Titanic“-Kolumnist freimütig zu. Und er fordert die „Partei“-Mitglieder auf, ebenfalls „Ihre Chance 5000“ zu ergreifen. „Und sichern Sie sich jetzt ihre ganz persönlichen 5000 Euro.“

Im Interview mit der „Hessenschau“ räumt Fischer offen ein, dass die AfD als Vorbild für die Aktion diene. Beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland in Essen Anfang Juli hatten sich Frauke Petry und der national-konservative Flügel gegen AfD-Gründer Bernd Lucke und den konservativ-liberalen Flügel durchgesetzt. Lucke verließ daraufhin die AfD und gründete die neue Partei Alfa (Allianz für Fortschritt und Aufbruch)

„Die „Partei““, so Fischer, „orientiert sich traditionell an den populistischen Bewegungen, zum Teil überholen wir sie sogar.“ Das sei vielleicht unter Sonneborns „Schmusekurs mit den Systemmedien“ vergessen worden. Außerdem sei die AfD jetzt ohne ihren einstigen Gründer Bernd Lucke „viel radikaler und gefährlicher als vorher“. Das wünsche er sich auch von der „Partei“.

Sonneborn selbst sieht die Meuterei in seiner Partei gelassen. „Das ist gut, das ist doch Demokratie“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Er finde es schön, wenn es junge Männer gebe, die nach oben wollen. „Das ist eine Art Röhm-Putsch, mal sehen wie das ausgeht.“

Neue Partei, alte Gesichter
Bernd Lucke - Vorsitzender
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Einmal Chef, immer Chef: Nur wenige Wochen nach seiner Niederlage im Machtkampf um die AfD-Führung hat Bernd Lucke schon eine neue Partei gegründet: Die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) soll eine liberal-konservative, eurokritische Haltung vertreten – ohne die nationalkonservativen Positionen, die in der „Alternative für Deutschland“ Überhand gewonnen haben. Auf der ersten Mitgliederversammlung mit rund 70 Teilnehmern gab es einige bekannte Gesichter zu sehen.

Bernd Kölmel – stellvertretender Vorsitzender
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So war Bernd Kölmel einer der Mitbegründer des Weckrufs 2015, unter dem sich in der AfD der liberal-konservative Flügel der Partei versammelt hatte. Nach dem Parteitag in Essen, auf dem sich die Nationalkonservative mit der Wahl Frauke Petrys an die Spitze durchsetzten, verließ er die AfD. Bis dahin war er Sprecher des Landesverbandes Baden-Wüttemberg und wurde dank Listenplatz 3 für die AfD ins Europaparlament gewählt. Seine Stimme in Brüssel wird er nun für Alfa einsetzen. Auf der Mitgliedersversammlung wählten ihn die Teilnehmer zu einem der drei stellvertretenden Vorsitzenden.

Gunther Nickel – stellvertretender Vorsitzender
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Der zweite stellvertretende Vorsitzende von Alfa ist Gunther Nickel (links): Er war von Dezember 2013 bis November 2014 AfD-Landessprecher von Hessen und einer der Gründer des Arbeitskreises „Arbeitnehmer in der AfD“. Dieser hatte sich als Reaktion auf die harsche Kritik von einigen Gewerkschaften an der AfD gegründet.

Reiner Rohlje – stellvertretender Vorsitzender
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Der dritte stellvertretende Alfa-Vorsitzende ist Reiner Rohlje: Der Weckruf-Mitbegründer war in der AfD stellvertretender Vorsitzender für den Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er legte das Amt jedoch wegen interner Streitigkeiten mit dem nationalkonservativen Landessprecher Marcus Pretzell nieder. Nachdem Pretzell auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ die AfD als Pegida-Partei bezeichnet hatte und Lucke abgewählt worden war, trat Rohlje aus der Partei aus.

Ulrike Trebesius – Generalsekretärin
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Die Ex-AfDlerin Ulrike Trebesius wurde zur Generalsekräterin gewählt. Die 44-Jährige war Sprecherin des AfD-Landesverbandes Schleswig-Holstein und kam bei der Europawahl auf Listenplatz 6 der AfD ins EU-Parlament. Als der Zoff in der AfD immer heftiger wurde, schloss sie sich dem Weckruf 2015 an und wurde dessen Vorsitzende. Nach dem Parteitag in Essen trat sie aus der AfD aus.

André Yorulmaz – stellvertretender Generalsekretär
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In der AfD wollte Lucke ihn zum Generalsekretär machen: Der homosexuelle Deutsch-Türke André Yorulmaz sollte das Image der als homophob und ausländerfeindlich verschrieenen Partei aufpolieren. Der 32-Jährige lebt mit seinem Freund zusammen, bekennt sich aber zu einem „konservativen Familienbild“ und lehnt das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. In der „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ wurde er nun zum stellvertretenden Generalsekretär gewählt.

Weitere Vorstandsmitglieder
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Auch der restliche Vorstand besteht aus Weckruf-Mitgliedern: Jochen Seeghitz ist Schatzmeister, Arnd Frohne sein Stellvertreter. Jürgen Joost wurde zum Leiter des Vorstandssekreteriats gewählt, Margot Rheinheimer-Bradtke zur Justiziarin und Franz Novosel zum Mitgliederbeauftragten. Weitere Vorstandspositionen sollen später nachgewählt werden.

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