Schadensersatz Stromkonzerne wollen gegen AKW-Abschaltung klagen

Mit Schadenersatzforderungen und Widersprüchen wollen die Energieriesen gegen die Abschaltung von sieben Atomkraftwerken vorgehen. Der Widerstand der Wirtschaft gegen Merkels Atomwende wächst.
Update: 26.03.2011 - 12:58 Uhr 20 Kommentare
Auch das Atomkraftwerk Biblis soll abgeschaltet werden. Quelle: ap

Auch das Atomkraftwerk Biblis soll abgeschaltet werden.

(Foto: ap)

Hamburg, Frankfurt/MainDie Stromkonzerne bereiten Widersprüche und Schadenersatzforderungen wegen der Zwangsabschaltung der sieben alten Atomkraftwerke vor. „Wir müssen das prüfen“, sagte eine RWE-Sprecherin am Samstag auf Nachfrage und bestätigte damit einen Bericht des „Spiegels“. Juristen aus dem RWE-Umfeld sagten dem Nachrichtenmagazin zufolge, allein aus aktienrechtlichen Gründen gebe es kaum andere Möglichkeiten, als das von der Bundesregierung beschlossene Moratorium juristisch zu prüfen und anzufechten.

Demnach muss ein Einspruch gegen den Beschluss spätestens in der zweiten April-Woche bei den Aufsichtsbehörden eingegangen sein. Der Vorstand des Energieversorgers E.ON wolle darüber in den nächsten zehn bis 14 Tagen entscheiden, heißt es in dem Bericht.

Merkel-Kritiker wollen dem Nachrichtenmagazin zufolge ein eigenes Beratungsgremium zur Kernenergie aufstellen. Die Kanzlerin hatte eine Ethik-Kommission berufen. Dort will BASF-Chef Jürgen Hambrecht für die Kernenergie werben. „Wir können doch nicht einfach aussteigen und uns den Strom aus dem Ausland holen, der dort mit Kernkraft erzeugt wird und uns dabei wohlfühlen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ . 

Die deutschen Maschinenbauer haben vor den Folgen eines schnellen Atomausstiegs gewarnt. Alternative Energien könnten Strom aus Kernenergie nicht ersetzen, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thomas Lindner, der Zeitung „Euro am Sonntag“. Es nütze nichts, „wenn am Ende 80 Prozent der Atommeiler vom Netz gehen, wir keinen Wind haben und der Himmel vielleicht auch noch bedeckt ist“. Dann könnten das deutsche und sogar das europäische Stromnetz zusammenbrechen. 

Außerdem wären energieintensive Unternehmen wie zum Beispiel kupfer-, stahl- oder aluminiumverarbeitende Betriebe bei einem weitreichenden Atomausstieg in ihrer Existenz bedroht, sagte Lindner. 

Die Autokonzerne Volkswagen und Daimler sehen hingegen nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ einem solchen Szenario gelassen entgegen. Auch die Pläne der Konzerne für einen höheren Anteil von Elektroautos müssten nicht geändert werden. „Bis die Elektromobilität in vollem Umfang auf unseren Straßen vertreten ist, werden wir auch alternative Energien haben, die aus erneuerbaren Quellen stammen“, hieß es demnach bei VW. Daimler verwies darauf, dass sich der Strombedarf selbst beim Einsatz von einer Million Elektroautos nur um 0,3 Prozent erhöhen würde. 

Auch die Strompreiserhöhungen infolge eines schnellen Ausstiegs aus der Atomkraft wären zumindest für die Autoindustrie zu verkraften, hat das Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ errechnet. Die Herstellung eines 20.000-Euro-Fahrzeugs würde sich demnach um 190 Euro verteuern, wenn der Strompreis um zehn Prozent steigt. Dies bedeute aber nicht automatisch, dass Autos langfristig teurer werden oder die Gewinne der Hersteller schrumpfen. „Höhere Strompreise würden die Hersteller zwingen, die Effizienz zu steigern“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Autor der Studie, dem Magazin.

  • dapd
  • dpa
Startseite

20 Kommentare zu "Schadensersatz: Stromkonzerne wollen gegen AKW-Abschaltung klagen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Fukushima:Dieses hat deutlich aufgezeigt das alte Kernkraftwerke frühzeitig durch neue ersetzt werden müssen.Da hilft dumme grüne Propaganda mache wenig,da eben die mit Ihrem Ausstiegswahn die Erneuerung verhindern.Also schaltet Euren alten Dreck ab und baut neue.

  • @Peter Scholz
    Bühnenstück ist richtig! Es ist beschämend!
    Ich unterhielt mich gestern mit einer Arbeitskollegin: Frage von mir an sie: Glaubst du, Merkel meint es ehrlich mit dem Moratorium? Ist sie vom Japan-Gau aufgeschreckt worden? Oder ist das nur ein Wahlkampftrick? Ihre Antwort: Ich glaube, sie meint es ehrlich, kein Wahlkampftrick.

    Tja Herr Scholz, und da wundern mindestens wir beide uns, daß Merkel ihre Macht behält. Die Naivität in unserem Lande ist grenzenlos. Wenns nicht mein Leben kosten würde, wär ich für ne Kernschmelze direkt hier bei uns. Alles andere hilft nicht.

    @Oelblase
    Du hast recht, es geht (in Japan) wirklich ums Ganze. Die Vergiftung ist sprichwörtlich grenzenlos. Je länger die daran rumpfuschen, umso mehr gelangt in die Umwelt. So ist jedenfalls mein Eindruck. Auch wenn mir diese armen Schweine, die da aufräumen müssen, wahrhaftig leid tun. Sie werden geopfert. Meiner Meinung nach sollten da die Führungsköpfe geopfert werden, das machte mehr Sinn.

  • Wahrscheinlich könnten die Betreiber der AKW nach §19 Atomgesetz gegen die Stilllegung der Meiler klagen und – sie bekämen sogar Recht. Aber sie werden es nicht wagen. Sie werden den Bogen nicht überspannen und den Steuerzahlern die Rechnung vorlegen. Sie werden eher versuchen aus der momentanen gesellschaftlichen Atomdebatte herauszukommen und nicht noch der Anti-Atombewegung zusätzliches Futter für weitere Proteste geben. Denn die Atompolitik der Betreiber ist auch Realpolitik.

    Zur Realpolitik gehört aber auch, dass wir aus der Erzeugung von Atomstrom nicht aussteigen können ohne dass es einer merkt. Weder am Preis noch am Verbrauch. Diesen Schwenk müssen wir akzeptieren.
    Eventuell erleben wir gerade eine Zäsur ähnlich wie im Mittelalter als uns die Pest oder Cholera heimsuchte. Mit der sind wir auch fertig geworden, warum nicht mit der Heimsuchung der Atomenergie. Gelingt uns der Ausstieg nicht über die Einsicht, dann degradieren wir uns zu ewigen Reparateuren, aber nicht zu Planern des Geschehens. Vielleicht bedarf es nur eines Flügelschlags wie in der Schwarmtheorie und der Schwarm nimmt eine andere Richtung.

  • Da aber Deutschlands Bevölkerung in den letzten Jahren durch politische Meinungsmache bedeutend an Intelligenz verloren hat, wird der Großteil der Bevölkerung das garnicht kapieren und weiterhin um höhere Strompreise betteln.
    ----------------

    Genau das ist der Knackpunkt.
    Deswegen kann die Politik ihr kriminelles Treiben auch machen, denn der völlig verdummte deutsche Michl begreift es nicht.
    Ist bei diesem Euro-Rettungsschirm ja genau so.
    Es wundert mich, dass da keiner auf die Straße geht.
    Aber wenn höhere Strompreie kommen, dann wird das Geschrei groß sein, genau bei denen, die heute schweigen und es auch noch gut finden
    Die 20er Jahre lassen mehr und mehr grüßen. Völlig zerstrittene Parteien, eine stetige Verarmung der Bevölkerung und kriminelles Handeln der Eliten.
    Damals war es Hindenburg, der ienem Hitler an die Macht verhalf, heute ist eine DDR-Gelernte Merkel
    Wo soll das enden?

  • Derzeit wird von der Atomlobby so getan, als ob ohne Atomtrom der Weltuntergang bevorstünde. Dabei ist es sehr wahrscheinlich genau umgekehrt - mit reichlich Atomstrom steht dem Untergang der Spezies Mensch nichts mehr im Wege.


    Man sollte sich mal ins Gedächtnis rufen, dass bisher kein einziges Mal eine nukleare Explosion der Kernschmelze stattgefunden hat - bisher waren es alles Wasserstoffexplosionen.

    Wenn die Kernschmelze eines großen Reaktorblocks mal explodieren sollte, dann könnte unser ganzer Planet unbewohnbar werden.

    Denn Plutonium ist selbst in kleinen Mengen - Milligramm -
    absolut tödlich. Und einem solchen Reaktorkern sind mehrere hundert Tonnen Plutonim enthalten.

    Wenn das mal in die Luftzirkulation kommt.....dann gehen die Lichter endgültig aus.

  • "Bitte loggen Sie sich nochmal ein" - und dann ist das Geschribene weg. Danke!

  • Ich schätze, hier wird uns ein Bühnenstück aufgeführt und es gilt als sicher, daß die AKW,s wieder ans Netz gehen.
    Deshalb ein Memorandum.
    Um wirklich glaubhaft zu sein, hätte die Regierung das Gesetz zur Laufzeitverlängerung rückgängig machen müssen und zusätzlich alle AKWs auf den Prüfstand bringen müssen.

    Desweiteren ist eine Endlagerlösung in weiter Ferne. Nach meiner Auffassung ist sogar eine oberirdische Anlage denkbar, zumal sie dauerhaft kontrollierbar ist.

    So aber werden nach den Wahlen die AKWs wieder ans Netz gehen, um finanziellen Schaden zu begrenzen.
    Übrigens: Die Atomwolke aus Japan hat inzwischen meßbar die Schweiz erreicht. Nun kommt es nur noch auf die Menge an und, daß es bei uns zu Niederschlägen kommt. Auch das werden wir nach den Wahlen erfahren.
    Wenn das in Japan nicht gestopt wird, könnten wir ein Ernährungsproblem bekommen.
    Ich schätze, daß Merkel die Macht wichtiger ist als ihre Kenntnisse von der Physik. Diese Macht muß sie unbedingt verlieren.

  • Sind die Politfuzzies eigentlich dämlich oder ist das pure Absicht den Atomriesen die Möglichkeit für eine Klage und eine folgende Entschädigung zu bieten. Folgendes wäre doch einfach logischer. Die Atomstrombetreiber haften mit allem bis zum letzten Hemd im Fall eines Unfalls. Das sollte auch, mindestens zum Teil, die Aktionäre also die Inhaber betreffen. Bei Verschiedenen weit harmloseren Betrieben haften die Inhaber auch. Bei so einer Regelung werden es sich die Inhaber reichlich überlegen so eine Anlage weiter zu betreiben. Wieso fragt sich eigentlich niemand, wieso die Betreiber der AKW`s so aus der Haftung im Fall eines Schadens freigestellt sind. NA? kein Klingeln, keine Zweifel? Nun es zählt nur der Provit für die Kaste, die Menschen die zu Schaden kommen sind eigentlich scheißegal. Und wenn ein Landstrich verstrahlt wurde nehmen diese Typen Ihre Kohle und gehen in ein anderes Land. Wie bescheuert sind eigentlich die Menschen die so etwas mitmachen. Ja die Mehrheit wählt so eine Ganovenbande sogar regelmäßig. HOFFNUNGSLOS

  • Bundeskanzlerin Merkel hat am 17. März in der Bundestagsdebatte über das Unglück den deutschen Ausstieg aus der Stromerzeugung mittels Kernkraft mit diesen Worten begründet: „Wenn, wie in Japan, das scheinbar Unmögliche möglich, das absolut Unwahrscheinliche Realität wurde, dann verändert das die Lage.“ Aber das ist reine Irreführung, denn ein solches Unglück wie jetzt in Fukushima war an dieser Stelle keineswegs „scheinbar unmöglich“, und schon gar nicht war es „absolut unwahrscheinlich“. Es war sogar sehr wohl möglich und sogar sehr wahrscheinlich. Es ist nur nichts dagegen unternommen worden oder nicht genug. Das Risiko wurde nicht ernst genug genommen. Sorglosigkeit bestimmte den Umgang mit ihm. Eben das verändert in der Tat die Lage, aber nicht die (Sicherheits-)Lage in Deutschland, sondern die in Japan. Auch insofern stimmt nicht, was Frau Merkel gesagt hat, um den deutschen Ausstieg zu begründen. Wohl soll der nach ihren Worten „mit Augenmaß“ geschehen. Doch wäre es für Deutschland besser, Augenmaß walten zu lassen, um die sichere und preiswerte Versorgung mit Kernkraftstrom zu bewahren. Stattdessen verliert sich Deutschland in dieser unsäglichen Debatte und in dieser von Emotionen bestimmten Energiepolitik der Versorgungsgefährdung.

  • hier steht was dort beim BWR Siedewasserreaktor los ist, bei alten gebrauchten Fuel Staeben.....was dort der Fall ist:
    http://www-pub.iaea.org/MTCD/publications/PDF/te_1410_web.pdf

    Peace to Japan's soul, kann man da nur sagen !!!
    da lagern 10 x mehr Uran-Oxid oder Pt- U- Mischoxid staebe als in Chernobyl !!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%