Schießerei Wie der Terror über München kam

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Komplette Räumung

Polizei bestätigt Tote

In München hatte es zum Jahreswechsel bereits einmal Terroralarm gegeben. An Silvester bekam die Polizei um 19:40 Uhr Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag und räumte den Hauptbahnhof und den Bahnhof in München-Pasing. Viele Münchener waren zum Jahreswechsel in Angst um Freunde und Verwandte in der Innenstadt. Die Hinweise bestätigten sich nicht. Zudem war Bayern kürzlich von dem offenbar islamistisch motivierten Amoklauf in einem Regionalzug in Würzburg betroffen.

Das Olympia-Einkaufszentrum wurde im Verlauf des Abends von der Polizei komplett geräumt. Mit erhobenen Händen kamen verängstigte Kunden aus den Geschäften und wurden dann von den Beamten in Sicherheit gebracht.

Die Polizei informierte, wie schon in der Silvesternacht, intensiv über den Nachrichtendienst Twitter. Auf deutsch, französisch, englisch, spanisch nd türkisch rief die Polizei München die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben und keine Filme vom Tatort und den Einsatzkräften zu veröffentlichen. Das soziale Netzwerk Facebook richtete einen Safetycheck ein, mit dem Nutzer ihre Freunde informieren konnten, dass sie in Sicherheit sind.

Das Olympia-Einkaufszentrum ist eine der größten und die älteste Shopping-Mall in München. Es wurde 1972 zu den Olympischen Spielen eröffnet. Es beherbergt nach eigenen Angaben 135 Geschäfte, vom Apple Store bis zum H&M sowie mehrere Cafés und Restaurants.

Es war weit nach 02.00 Uhr, als Polizeipräsident Hubertus Andrä vor die Presse trat. An gleicher Stelle hatte er fast zur gleichen Uhrzeit in der Silvesternacht gesprochen. Damals hatte es eine Terrorwarnung in München gegeben, doch zum Glück war damals nichts passiert.
Das war diesmal anders. Im grauen Anzug und mit ernster Miene trat Andrä vor die Kamerateams und Reporter. Es sei der schwerste Tag in seiner Amtszeit als Münchener Polizeipräsident, sagte Andrä, und einer der schwersten in seinen mehr als 40 Jahren als Polizist. Die wichtigste Nachricht: Tatverdächtiger ist ein 18-jähriger Deutsch-Iraner aus München. Der Mann hatte sich nach dem Amoklauf selbst getötet. In der Anfangsphase der Tat hatte eine Zivilstreife Kontakt mit ihm und schoss auch auf ihn. Doch der Mann konnte neun Menschen töten - und danach sich selbst.

Stadt im Ausnahmezustand
Nach Schießerei in München
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München unter Schock: Neun Menschen werden am Olympia-Einkaufszentrum erschossen, 16 weitere verletzt. Am Freitagabend spricht die Polizei zunächst von einer Terrorlage. 2300 Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Busse und Bahnen stellen den Betrieb ein. München ist im Ausnahmezustand.

Schießerei in München
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Über Stunden ist unklar: Wieviele Täter gibt es und wo sind sie? Die Entwarnung kommt in der Nacht: Die Polizei geht davon aus, dass der mutmaßliche Schütze, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, allein gehandelt hat. Er hat sich selbst getötet.

Schießerei in München
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Am frühen Samstagmorgen tritt Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä vor die Presse. Die Ermittler sind überzeugt: Der 18-Jährige feuert die ersten Schüsse am frühen Abend in einem Schnellrestaurant ab, anschließend schiesst er an dem Einkaufszentrum aus seiner Pistole und ergreift die Flucht. Nach der Bluttat stellt ihn früh eine Zivilstreife, die auch auf ihn schießt. Unklar bleibt bislang, ob der 18-Jährige dabei auch getroffen wurde. Seine Leiche wird etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt in einer Nebenstraße gefunden. Dort wird auch eine Pistole sichergestellt.

Schießerei in München
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Die Schießerei in München mit mindestens zehn Toten hat die Bundesregierung in den Krisenmodus versetzt. Das Bundessicherheitskabinett werde am Samstag in Berlin zusammenkommen, teilte Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Freitagabend mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde "fortlaufend" unterrichtet. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) mahnte zur Besonnenheit und warnte vor Spekulationen.

Schießerei in München
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Von weiteren Tätern geht die Polizei inzwischen nicht mehr aus. Am Freitagabend wurde zeitweise nach drei möglichen Tätern mit Gewehren gefahndet. Weiter ungeklärt sind am Samstagmorgen die Hintergründe der Bluttat und das Motiv. War es ein Terrorakt oder ein Amoklauf? Polizeipräsident Andrä sagt: „Wir gehen momentan von einer Schießerei aus.“ Bis in die frühen Morgenstunden gibt es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

Schießerei in München
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Nach den Schüssen am Olympiazentrum war in manchen Teilen der Stadt Panik ausgebrochen in Teilen der Stadt. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagt Andrä. Darum warnte die Polizei am Freitagabend vor einer „akuten Terrorlage“, die Landeshauptstadt rief den „Sonderfall“ wegen einer „Amoklage“ aus. Und: Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

Viele widersprüchliche Nachrichten hatte es in der Nacht gegeben. Zwei Männer hatten sich in einem Auto mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort entfernt. Erst später konnte die Polizei klären, dass es sich nicht um Mittäter handelte. Zudem gab es zahlreiche Notrufe bei der Polizei, die von Schüssen oder sogar Geiselnahmen anderswo in der Stadt berichteten. "Gott sei Dank hat sich keiner dieser Hinweise bestätigt", sagte Andrä. Doch so konnte die Polizei erst relativ spät davon ausgehen, dass keine weiteren Täter in der Stadt unterwegs waren. 2.300 Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz. Für sie ging die Arbeit auch nach Auffinden des mutmaßlichen Täters weiter. Spuren mussten gesichert werden. Gefahr für die Stadt sieht Andrä nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen müssten keine Veranstaltungen abgesagt werden, wenn, dann aus Pietätsgründen.

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