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Amateurvideo von Schießerei in Halle

Ein Amateurvideo soll einen der Verdächtigen zeigen, die in Halle an der Saale auf Passanten geschossen haben sollen.

(Foto: Reuters)

Schießerei Rechter Terror in Halle: 27-jähriger Deutscher erschießt zwei Menschen und greift Synagoge an

In Halle an der Saale sind mindestens zwei Personen erschossen worden – vor einer Synagoge und einem Döner-Bistro. Ein Verdächtiger wurde festgenommen.
Update: 10.10.2019 - 02:48 Uhr Kommentieren

Halle Bei Schüssen in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt sind zwei Menschen getötet worden. Die Leiche einer Frau wurde auf einer Straße in der Nähe der Synagoge in der Innenstadt gefunden. Ein Mann wurde an oder in einem Döner-Imbiss getötet. Der Imbiss befindet sich rund 600 Meter entfernt von der Synagoge. Zwei weitere Personen wurden schwer verletzt sind im Universitätsklinikum operiert worden. Für sie besteht derzeit keine akute Lebensgefahr, teilte ein Sprecher mit.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen deutet alles auf einen Einzeltäter hin. Der Täter ist Sicherheitskreisen zufolge ein 27-Jähriger, der mutmaßlich in Sachsen-Anhalt wohnt. Es sei davon auszugehen, dass Stephan B. deutscher Staatsangehöriger sei und die Tat einen rechtsextremistischen Hintergrund habe, hieß es am Mittwoch. Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person.

Der Täter soll in den sozialen Netzwerken ein Bekennervideo hochgeladen haben. Auf den Bildern ist zu sehen, wie in der Innenstadt von Halle geschossen wird. Unter anderem zeigt das Video, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt. Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera.

Zu Beginn des Videos ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter in Kampfanzug mit Waffen in einem Auto sitzt. Der Mann gibt in schlechtem Englisch extrem antisemitische Äußerungen von sich. Bis zum Abend gab es keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Zu sehen ist ein junger Mann mit kahlem Schädel in Kampfmontur.

Die Polizei hat ihre Warnung vor einer akuten Gefährdungslage für die Bevölkerung aufgehoben. „Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben“, twitterte die Polizei am Mittwochabend. Die Gefährdungslage werde nicht mehr als akut eingestuft.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hatte der schwer bewaffneter Täter die Synagoge direkt angegriffen. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. „Aber unsere Türen haben gehalten.“

Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen. Die Menschen in der Synagoge seien geschockt gewesen. Vor der Tür habe ein Todesopfer des Angreifers gelegen. „Wir haben die Türen von innen verbarrikadiert und auf die Polizei gewartet.“

Derzeit begehen Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag. Auch deshalb befanden sich mit 70 bis 80 Personen relativ viele in dem jüdischen Gotteshaus. Dieses werde zur Stunde geräumt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CDU) zeigte seine Anteilnahme: „Ich bin über diese Tat zutiefst bestürzt und verurteile sie auf das Schärfste. Das ist ein abscheulicher Angriff auf unser friedliches Zusammenleben.“ Seehofer wird die Stadt am Donnerstagnachmittag besuchen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) soll er über den aktuellen Ermittlungsstand informieren.

Mit „Trauer und Wut“ äußerte sich die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zu dem Attentat in Halle: „Wenn ein schwer bewaffneter Terrorist auf offener Straße mordet, und wenn ein Zentrum jüdischen Lebens in einer deutschen Stadt am höchsten jüdischen Feiertag mit Schusswaffen und Sprengsätzen angegriffen wird, dann ist das ein Angriff auf das Zusammenleben in unserem Land“, sagte Knobloch laut einer am Mittwochabend verbreiteten Mitteilung. „Die Tat macht deutlich, wie schnell aus den Worten von politischen Extremisten Taten werden können“, hieß es weiter.

Schüsse auch 15 Kilometer vor Halle

Augenzeugen in Halle berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben. Die Gegend im Paulusviertel in Halle wurde großräumig abgesperrt. Der Bahnhof von Halle wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Bundesregierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen „an die Freunde und die Familien der Todesopfer.“

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer von Halle entfernt, gab es Schüsse, bestätigte eine Polizeisprecherin in Halle. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort wollte sie zunächst nichts sagen. Die Hintergründe waren zunächst völlig unklar. Die Polizei warnte vor Spekulationen.

Am späten Mittwochabend erweiterte die Polizei in Landsberg den Sperrkreis. Dem Ortsteil Wiedersdorf darf sich laut Polizei vorerst niemand weiter als bis auf etwa 300 Meter nähern. Ein Grund für die Maßnahme wurde Reportern vor Ort nicht genannt.

In Halle sind am Mittwoch zwei Menschen erschossen worden. Quelle: epd
Polizei und Rettungsdienst in Halle

In Halle sind am Mittwoch zwei Menschen erschossen worden.

(Foto: epd)

Im benachbarten Leipzig und zahlreichen anderen Städten wie Dresden verschärfte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge. Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt. Auch der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt sich in der sächsischen Stadt auf.

Unterdessen hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff seinen Besuch bei der EU in Brüssel abgebrochen. Der CDU-Politiker komme eher nach Sachsen-Anhalt zurück, sagte ein Regierungssprecher.

Der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle fordert, den Angriff auf die Synagoge auf die Tagesordnung der nächsten Innenministerkonferenz Anfang Dezember zu setzen. Die Ressortchefs von Bund und Ländern sollten „darüber befinden, wie jüdische Einrichtungen in Deutschland besser geschützt werden können“, sagte Kuhle dem Handelsblatt. „Die Länder sollten hier einen gemeinsamen Standard für polizeiliche Präsenz vereinbaren und durchsetzen.“

Der rechtsextreme und antisemitische Anschlag in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur sei nur das jüngste Ereignis einer „Eskalation rechtsextremer Gewalt“, sagte Kuhle weiter. Als Konsequenz verlangte der Bundestagsabgeordnete, jetzt den Ausbau spezialisierter Abteilungen gegen Rechtsextremismus bei den Sicherheitsbehörden, etwa beim Bundeskriminalamt und beim Bundesamt für Verfassungsschutz, „schnell“ voranzutreiben.

Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern müssten zudem „genau ausleuchten, welches Netz hinter dem Tatverdächtigen Stephan B. besteht“. „Dies umfasst auch mögliche Verbindungen zwischen dem Täter und der so genannten Identitären Bewegung, die in Halle besonders aktiv ist.“

  • dpa
  • rtr
  • dne
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