"Schlechter Scherz" Merkels Leistungs-Appell an Deutsche sorgt für Empörung

Erst bekamen die Griechen und andere Südländer ihr Fett weg, jetzt teilt Bundeskanzlerin Merkel auch gegen die Deutschen aus und fordert von ihnen größere Anstrengungen. Die SPD schäumt - und auch der Steuerzahlerbund.
Update: 22.05.2011 - 17:23 Uhr 89 Kommentare
Angela Merkel. Quelle: dapd

Angela Merkel.

(Foto: dapd)

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel bemüht sich im Streit mit den südeuropäischen EU-Partnern um Schadensbegrenzung. Nachdem sie Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal ermahnt hatte, dass deren Bürger mehr und länger arbeiten müssten, forderte die CDU-Politikerin laut Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ nun auch von ihren Landsleuten mehr Einsatz.

„Die Bundeskanzlerin hat immer betont, dass alle in Europa Anstrengungen machen müssen, um leistungsfähiger, im globalen Maßstab wettbewerbsfähiger zu werden - auch wir in Deutschland“, sagte demnach Regierungssprecher Steffen Seibert. Im Zuge der Euro-Krise hatte Merkel die hohe Zahl der Urlaubstage in einigen südlichen EU-Staaten kritisiert: „Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen.“ Europa-Abgeordnete aus Griechenland, Spanien und Portugal hatten mit Empörung auf Merkels Äußerungen reagiert.

Die SPD wies die Aufforderung Merkels an die Deutschen scharf zurück. Jahrelang hätten die deutschen Arbeitnehmer mit ihren Leistungen dazu beigetragen, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise schnell überwunden worden sei. „Während Unternehmensgewinne und Kapitalerträge explodierten, waren die Deutschen europaweit Schlusslicht bei Lohn- und Gehaltsentwicklung“, sagte Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner Handelsblatt Online. „Und da redet Frau Merkel davon, die Deutschen sollten sich mehr anstrengen. Das mag für die Bundesregierung gelten, gegenüber den Bürgern ist das ein schlechter Scherz.“ Wer so Lobbyinteressen über das Gemeinwohl stelle wie das schwarz-gelbe „Bündnis aus Konservativen und Egoisten“, solle Menschen mit derlei Appellen verschonen, unterstrich das SPD-Präsidiumsmitglied und fügte hinzu: „Merkel und Sarkozy stehen für sozialen Rückschritt in Europa.“

Harsche Kritik an Merkel äußerte auch der Bund der Steuerzahler. „Irgendwie scheint die derzeitige Debatte an der Realität vorbei zu gehen“, sagte Verbandsvizepräsident Reiner Holznagel Handelsblatt Online mit Blick auf die Äußerungen Merkels. Er sprach von einem „sehr absurden“ Vorstoß. Die Politik der letzten Jahre habe immer mehr Lasten auf die Steuer- und Beitragszahler übertragen, ohne dass diese auch mehr finanzielle Freiräume bekommen hätten. Allein für die private Alterssicherung müsse schon deutlich mehr getan werden. „Zudem kommen auf die Deutschen Steuerzahler enorme Risiken zu, wenn tatsächlich eine Haftungsunion auf Europäischer Ebene geschaffen wird“, warnte Holznagel. Dann müssten Deutsche Steuerzahler für die Schulden in anderen EU-Ländern aufkommen. „Hier sollte die Kanzlerin mehr Energie aufbringen, um diese Entwicklung zu stoppen“, verlangte der Steuerzahlerbund-Vize. „Wir brauchen in Deutschland durch die Bundesregierung keine Aufforderung zu mehr Leistungsbereitschaft. Die Bundesregierung braucht aber mehr Mut und Entschlossenheit in ihrer Europapolitik.“

Ein Blick auf die Wirtschaftsdaten der Länder der EU verdeutliche zudem die Unterschiede insbesondere in den Leistungsbilanzen. „Insofern brauchen wir keine Diskussion über Urlaubstage in Europa, sondern klare Handlungen für einen stabilen Euro“, sagte der Steuer- und Finanzexperte. Diese Pflicht müsse jedes Land selbst erfüllen. Deutschland habe aus der Krise mit glänzenden Wirtschaftsdaten gefunden, gab Holznagel zu bedenken. Davon profitiere der Staat am meisten, wie die Steuereinnahmen verdeutlichten. Das Plus beim Steueraufkommen resultiere auch aufgrund der Kalten Progression: Verdiene ein normaler Steuerzahler in Deutschland einen Euro mehr, so müsse er gleich zwei Euro mehr Steuern zahlen. „Vor diesem Hintergrund sollte die Kanzlerin alles dafür tun, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen, anstatt noch mehr Leistungsbereitschaft einzufordern“, sagte Holznagel.

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89 Kommentare zu ""Schlechter Scherz": Merkels Leistungs-Appell an Deutsche sorgt für Empörung"

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  • Woher nehmen wir nur die Hubschrauber her und mit Autorotation allein bin ich noch nie gelandet...

  • Nein, keine Provokation, es ist die praktische Wahrheit über den Umgang mit uns Deutschen...

  • Wer den Zinseszins versteht, weiss warum wir ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz und immer mehr Leistung brauchen.
    So ein System ist nicht zu retten. Jetzt im tiefsten Kontradieffwinter, wird nur das Geld von unten nach oben verteilt. Und das ist so gewollt. Aber der dumme Michel will halt lieber für wenig Geld arbeiten und nach der Arbeit will er wissen, wer der neue Superstar, Superkoch, Supermodel und Superhorst ist. Gegen Eurobailout demonstrieren 27 Leute in Berlin, zur Dortmunder Meisterschaft gehen 400000 auf die Strasse. Ja, Frau Merkel hat recht, der Deutsche sollte mehr arbeiten!!!

  • Klar, da musste nachgelegt werden. Schließlich wären die Landsleute der Kanzlerin aus den Hängematten gefallen, wenn es ohne Vorwarnung geheißen hätte, dass die Transfers Ost kürzer laufen würden, als die DDR selbst gedauert hat. Dann heißt es demnächst: Die Ostdeutsche Wirtschaft ist selbsttragend. Und das wegen der EU. Es fällt auf, dass auch anderenorts Vergleiche mit der DDR angestellt werden, wenn es um die Beschreibung möglicher Lösungen für Griechenland geht.

  • Nun, liebe Leserin, lieber Leser,
    der Ausverkauf Deutschlands, die Anbiederei an Brüssel und das Gutmenschentum müssen finanziert werden. Und wer soll das anderes sein als Sie? Schliesslich haben Sie ja auch gewählt und es gilt der Spruch: "Nur die dümmsten Kälber wahlen ihren Metzger selber."
    Und wundern Sie sich nicht. Sie werden in Kürze schon viel mehr zu unserem gemeinsamen Europa beitragen dürfen, als Ihnen lieb ist. Heisst es im Volksmund nicht: "Den Bürgen sollst Du würgen!"? Der Wirt bringt die Rechnung am Schluss, und Deutschland hat wahrhaft eine üppige Zeche, geprasst und über seine Verhältnisse gelebt. Nicht Sie natürlich, nur die Träumer in Berlin, die den Traum vom Euroland träumen, aber mit Ihrem Geld.

  • Laut Merkel sollen die Deutschen mit einem Reallohnverlust und einem kleineren Pro-Kopf-Einkommen und einer halb so hohen Wohneigentumsrate die PIIGS "retten". Das ist Versklavung. Bur weil Politiker mit Visionen den fatalen Euro gegen den Willen der Bevölkerung einführten sollen die Steuerzahler und nachfolgende Generationen bezahlen. Wird Zeit, dass die Ursachen des Auseinanderdriftens der EU-Länder mal klar benannt wird: es liegt am euro und an arroganten machtbesessenen Politikern, die auf die Warnungen nicht hören wollten. Der Euro kann nur in einer Diktatur bestehen, dies streben die Eurokraten an.

  • Seit dem Euro ist das pro-Kopf-Einkommen der Deutschen gegenüber den anderen EU-Ländern drastisch gesunken. Der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit der PIGSIBF ist durch den Euro verursacht. Der Euro ist die Wurzel der auseinanderlaufenden Entwicklung. Jatzt soll das Experiment "koste es was es wplle" auf Kosten der Geberländer künstlich am Leben erhalten bleiben mit der Folge der Wohlstandsumverteilung und dass D immer wemiger leistungsfähiger gegenüber den Schwellenländern wird.

  • Frau Merkel, haben Sie zu Ihrer Wahl als Bundeskanzlerin nicht geschworen, allen Schaden vom Deutschen Volk abwenden zu wollen?
    Es wäre wohl am besten, man würde alle Parlamentarier gleich nach ihrer Wahl für die gesamte Legislaturperiode in den Urlaub schicken, das wäre wahrscheinlich die größtmögliche Schadensbegrenzung! Vorher sollten allerdings sämtliche Parlamente einschließlich des Europaparlaments halbiert werden - der Einsparungseffekt wäre immens!

  • Menschenrechte weltweit gleich? Da wird wohl China bestimmen, was es unter Menschenrechte versteht.
    Menschenrechte gibt es nur die, die erkämpft werden konnten und die sind natürlich nicht überall gleich.

  • Was sie durch ihre aufschiebepolitik verbockt hat, sollen andere jetzt durch mehr einsatz ausgleichen. die weiß doch überhaupt nicht mehr, was für einen quatsch sie herumposaunt. das kommt eben, wenn Leute niemals in der industrie gearbeitet haben sondern immer nur in ihren Staats-Ämtern gesessen haben: die haben überhaupt keine ahnung. Jetzt merkt sie plötzlich, daß von deutschland Zigmilliarden aufzubringen sein werden- das geld ist nicht da, u.a. weil es für subventionen in die deutsche wirtschaft verpulvert wird. wenigstens hat die SPD hier nicht ins gleiche horn geblasen, sondern diese frechheit zurückgewiesen. Die nächste rezession wird bald dasein, jetzt kriegt sie von den Lobbys dampf gemacht. wir sollten die richtige Antwort geben, indem wir einfach weniger arbeiten und mehr urlaub machen.

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