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Schröders Familienpolitik im Fokus Ifo-Experten warnen vor höherem Kindergeld

Eine Studie wirft kein gutes Licht auf die deutsche Familienpolitik: Sie setzt mit ihren Maßnahmen falsche Akzente und benachteiligt Mütter. Pikant dabei: Die Regierung hat die Untersuchung selbst in Auftrag gegeben.
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Mütter: Die Leidtragenden von höherem Kindergeld und vom Betreuungsgeld. Quelle: dpa

Mütter: Die Leidtragenden von höherem Kindergeld und vom Betreuungsgeld.

(Foto: dpa)

Berlin Was bringen die vielen familienpolitischen Leistungen? Eine Studie des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Bundesregierung liefert überraschende Ergebnisse und dürfte damit in gewisser Weise auch wie ein Bumerang auf die Politik von Familienminister Kristina Schröder (CDU) wirken. Denn de facto wenden sich die Experten auch gegen die Einführung des Betreuungsgelds – auch wenn diese Leistung nicht zentral behandelt wurde. Das liegt aber daran, dass im Rahmen der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Auftrag gegebenen Gesamtevaluation insbesondere die Auswirkungen von Kindergeld und der öffentliche Förderung der Kinderbetreuung auf Familien in Augenschein genommen wurde.

Das Ergebnis: Im Gegensatz zur öffentlich geförderten Kinderbetreuung, die die  Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern erhöht und sich größtenteils selbst finanziert, können monetäre Leistungen wie das Kindergeld zu negativen Beschäftigungseffekten bei Müttern führen. Die tatsächlichen Kosten einer Kindergelderhöhung liegen dabei demnach deutlich über den nominalen Kosten.

Der Schluss, den die Experten ziehen, legt nicht nur die Annahme nahe, dass auch das am 1. August startende Betreuungsgeld negative Auswirkungen mit sich bringen würde, da es sich auch hier um eine monetäre Leistung handelt. Die Experten weisen darauf in ihren Schlussbemerkungen sogar darauf hin: "Die neue familienpolitische Maßnahme des Betreuungsgeldes lässt dabei vergleichbare Effekte erwarten", heißt es. Der Grund dafür ist noch offensichtlicher als beim Kindergeld. Denn das Betreuungsgeld zielt ja explizit darauf ab, dass Eltern ihre Kinder zu Hause betreuen. Mindestens ein Elternteil steht damit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Das Betreuungsgeld war jedoch nicht Gegenstand der Untersuchung. Der Familienökonom Helmut Rainer, Leiter des Ifo-Forschungsbereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte, und seine Mitarbeiter nahmen sich die Wirkung des Kindergelds vor. Sie analysierten die Effekte von Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Teilhabe von Familien sowie auf die Geburtenrate bzw. die Erfüllung von Kinderwünschen.

Um die Auswirkungen der Geldleistungen methodisch sauber identifizieren zu können, konzentrierten sich die Forscher auf die Erhöhung des Kindergeldes im Jahr 1996. Das Kindergeld stieg damals von umgerechnet mindestens 36 auf 102 Euro, der Kinderfreibetrag erhöhte sich um mehr als die Hälfte auf 3.200 Euro. Auch wenn die Ergebnisse dadurch nicht eins zu eins auf heute übertragbar sind, lassen sich doch klare Tendenzen darüber aufzeigen, wie sich Kindergeldzahlungen auf die Situation von Familien auswirken.

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37 Kommentare zu "Schröders Familienpolitik im Fokus: Ifo-Experten warnen vor höherem Kindergeld"

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  • Ifo-Experten??? Dann kann ich auch den Mütterverein fragen. Nonsens! Familienfremd! Bürgerfremd!

  • Jedes Kind in unserem Land kommt mit hoher Verschuldung auf die Welt. Dann lässt man es besser. Die Politik der Altparteien sollte sich mal massiv hinterfragen, was in Deutschland inzwischen schief läuft!? Aber nicht einmal dazu ist man in der Lage. Lieber verkauft man unser Land an Pleiteländer und die EU aus. Das ist mehr als ekelhaft.

  • Die Studie zeigt aus meiner Sicht eines: wenn Frauen es sich leisten können, d.h. die Wahl haben, möchten sie lieber mehr Zeit mit ihren Kindern als dem Geldverdienen verbringen. Das ist er ureigener Mutterinstinkt, der den meisten Müttern sagt: in den ersten Jahren ist Dein Kind bei Dir und Deiner mütterlichen Liebe besser aufgehoben als bei bezahlten Kräften. Im Kern steht hinter der Forderung nach weniger finanziellen direkten Hilfen für die Familien die Idee, die Familie von innen heraus zu zerstören. Dies hat nichts mit der Vereinbarung von Familie und Beruf zu tun.

  • @Ylander: Da kann ich ja nur lachen. Wenn ich mal von den 0,5% der Bevölkerung absehe, die von Haus aus so reich sind, dass sie sich alles leisten können, haben es Eltern in diesem Land nicht einfach. Die Infrastruktur zur Unterstützung der Eltern ist in Deutschland eine Katastrophe verglichen auch mit vielen europäischen Nachbarländern. Wenn Sie sich um ihre Kinder wirklich kümmern kostet dies Zeit, Nerven und Geld (letzteres nicht unerheblich um fehlende Infrastruktur auszugleichen. Die Forderung von IFO kann ich insofern nachvollziehen.). Ich zähle sicherlich als Gutverdiener, aber mit zwei Kindern können wir uns keinen schönen Tag machen und ein Luxusleben genießen. Das ist reiner Sozialneid und hat rein gar nichts mit der Realität zu tun.

  • Asozial ist es vielmehr, dass oftmals gut situierte Eltern sich auf Kosten der Allgemeinheit einen schönen Tag machen und ein Luxusleben genießen.

    Meine Eltern, die nur das Nötigste zum Leben hatten, haben damals - bis auf die kostenlose Schulbildung - keinerlei staatliche Leistungen für ihre Kinder erhalten. So haben wir frühzeitig gelernt, auch mit wenigen Mittel zurecht zu kommen und was es heißt, sich seinen Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu erwirtschaften.

    Die politischen Parteien überbieten sich immer mehr aus wahltaktischen Gründen an familienpolitischen Geschenken auf Kosten der Allgemeinheit, die wegen der starken Steuerbelastung oftmals weit weniger zum Leben hat, als die Zielgruppe.

    Und daraus ist ein hemmungsloses und unsoziales Anspruchsdenken gezüchtet worden. Es wird Zeit, dass dieser Wildwuchs eliminiert wird, damit die Gesellschaft wieder gesundet.

  • Für junge Familien wären bessere Betreuungsmöglichkeiten und sichere Arbeitsverhältnisse sehr viel hilfreicher als mehr Kindergeld, meint Sebastian Engelmann, Autor beim SWR-Fernsehn http://www.atkearney361grad.de/vielleicht-sterben-wir-ja-doch-nicht-aus/

  • Die Kinderarmut in Deutschland liegt nicht daran, dass jedes zweite Kind auf der Welt ein Chinese ist und Deutsche Eltern sich lieber aus Angst
    nur 1 Kind anschaffen, es liegt am nicht vorhandenen Willen der Politiker.

    Selbst in Ländern wo Armut herrscht, steigt die Kinderanzahl.
    Warum ist das so? Weil die Familie die einzige Sozialleistung ist, die es dort gibt. Bei uns wird der Bürger so erzogen und in Bedrängnis gebracht, dass er
    in einem Käfig landet, wo er nicht mehr rauskommt.

    Niedriglöhne
    Mieten- Ausbeutung
    Gewollte Wohnungsnot
    Asylanten. Vorrang bei Wohnungbeschaffung.
    Fehlende Krippen
    16 Faches Schuldesaster
    Aufstockung mit Abschneidung der Würde.

    Der Gordische Knoten wurden vielen Bürgern angelegt.Jede Bewegung zur Freiheit wird zum Desaster.

  • Die Frage, warum die Anreize nur bei Südeuropäern wirken, ist berechtigt.

    Wenn wir als Familie essen gehen, gehen wir gerner in eine italienische Pizzeria oder ein türkisches Restaurant. Nicht weil es billiger ist, sondern weil die Kinder "der Star" sind, man fühlt sich als Familie willkommen. In einem deutschen Restaurant erlebt man meist das Gegenteil: Wenn überhaupt, wird mit viel Murren ein Kinderstuhl herbeigeschleppt.

    Kinder sind in Deutschland lästig. Als Frau oder Mann ist man hier nur dann was wert, wenn man in einer bezahlten Anstellung beruflich erfolgreich ist. Als Elternteil allenfalls noch , wenn die Erziehung gut "gemanaget" wird. Von einer Frau wird zudem noch erwartet, dass sie sich selbst (reduziert auf ihre Figur) im Griff hat. In diesen Punkten sind Kinder einfach eine Bürde. Wer sich in diesem Land Kinder antut ist, ist selbst schuld und steht mit einem Bein gesellschaftlich im Abseits. An dieser Realität ändern auch Kitas nichts.
    Die Südländer haben das Glück, dass sie ihnen diese Art von "Deutsch"-Sein (noch) fremd ist.
    Und deshalb wirken auch in diesen Gruppen die staatlichen Anreize.

  • Es mag sie stören, dass Trittbrettfahrer sinnvolle Leistungen einfach nur ausnutzen, das stellt aber diese Leistungen nicht generell in Frage.
    Es ist eher eine Anklage bezüglich der Lebenslügen unserer Gesellschaft wenn es um Einwanderung, Humanität und Freizügigkeit geht.
    Wenn sinnvolle Leistungen ausbleiben, weil sie ausgenutzt werden, dann dürften gar keine sozialen Leistungen mehr erbracht werden.
    Das ist in etwa das, was in den USA gilt, was ich im Ergebnis für die schlechtere Alternative halte.

    H.

  • @H.Krebs

    Ich teile ihre Meinung nicht. Die Wirtschaftswissenschaften teilen sich in 2 Disziplinen der Betriebswirtschaft und die Volkswirtschaft. Das Thema um das es bei Kindern geht ist eine volkswirtschaftliche Frage wobei ich Ihnen aber in soweit zustimme, das die Volkswirtschaftslehre degeneriert ist zur reinen Betriebswirtschaft des Staates. Die Folge davon ist, das wichtige "Betriebsmittel" des Staates, die nicht direkt dem Wirtschaftskreislauf zugerechnet oder in Zahlen ausgedrückt werden können, in der Betrachtung außen vor bleiben. Auf gut deutsch, diese Analyse wurde von Fachidioten erstellt, denen die Vorstellungen und das Wissen von den gesellschaftlichen Voraussetzungen für ihre Wissenschaft abhanden gekommen ist.

    H.

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