Schuldenkrise Wulff redet deutschen Griechenland-Kritikern ins Gewissen

Lange hat er geschwiegen – jetzt meldet sich auch der Bundespräsident in der Griechenland-Krise zu Wort. Eindringlich mahnt er die deutsche Politik zu mehr Solidarität. Und auch mit der EU geht er hart ins Gericht.
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Straßenschlachten in Athen

BerlinBundespräsident Christian Wulff fordert ein gesamteuropäisches Konzept zur Lösung der Griechenland-Krise. Zentrale Voraussetzung hierfür sei, dass Griechenland eine entschlossene Stabilitätspolitik unternimmt, sagte das Staatsoberhaupt dem Onlineportal „Bild.de“. „Ich hoffe, dass alle politischen Kräfte im Land, auch die Opposition, sich dieser Verantwortung bewusst sind und ihr dauerhaft gerecht werden.“

Wulff riet aber auch den Europäischen Institutionen zu mehr Selbstkritik. „Die schlichte Wiederholung der Aussage, wie gut Europa mit offenen Grenzen und einer gemeinsamen Währung sei, genügt nicht mehr.“ Viele Bürger hätten das Gefühl, dass es nicht gerecht zugehe. „Das ist ganz gefährlich für den Europa-Gedanken.“

Wulff weiter: „Die zentrale Gefahr sehe ich darin, dass immer mehr Menschen Angst vor einem sozialen Abstieg und vor schwindendem Wohlstand haben und die Antwort darauf in nationalen Nischen suchen.

In der Griechenland-Debatte mehren sich derweil die Befürworter des französischen Modells zur Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Griechenland-Hilfen. Das österreichisch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sprach von einem interessanten Schritt. Wichtig sei nun, dass es eine gemeinsame europäische Lösung gebe, sagte er in einem am Donnerstagmorgen ausgestrahlten Interview mit dem „Ö1 Morgenjournal“. Darüber gebe es derzeit Gespräche. Es bringe wenig, wenn sich nur einige Staaten dem Modell anschließen würde.

In Deutschland und Frankreich stößt das vorgeschlagene Modell bereits auf große Gegenliebe. Österreichische Banken und Versicherungen wollten sich bislang nicht dazu äußern.

Am Mittwoch hatte das griechische Parlament für die Sparpläne gestimmt und damit eine entscheidende Bedingung für weitere Milliarden-Hilfen erfüllt. Das sei „sicherlich ein positiver Schritt“, sagte Nowotny. Nun müssten noch weitere folgen.

Nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum umstrittenen Sparpaket der Athener Regierung geht der Kampf um eine Rettung des Schuldensünders heute weiter. In Athen muss noch ein Ausführungsgesetz das Parlament passieren. In Berlin wollen die Chefs von Privatbanken und Versicherern mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein Modell für eine freiwillige Beteiligung an einem zweiten Hilfspaket für Athen festlegen.

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16 Kommentare zu "Schuldenkrise: Wulff redet deutschen Griechenland-Kritikern ins Gewissen"

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  • Es ist Volkesstimme ! Deutschland und die arbeitende deutsche Bevölkerung sollen ausgeraubt werden. Nicht umsonst hat angeblich Mitterand zum Euro gesagt, es wäre Versailles nur ohne Krieg. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion aber niemand mag es zugeben.

  • Oh man, die Kommentare hier sind ja größtenteils so dümmlich.. da schämt man sich wirklich als normal denkender Deutscher, wenn man das hier alles lesen muss.. mich würde wirklich mal interessiere, was für abgewrackte Personen hinter diesen hetzenden und uninformierten Beiträgen stehen.

  • '„Die schlichte Wiederholung der Aussage, wie gut Europa mit offenen Grenzen und einer gemeinsamen Währung sei, genügt nicht mehr.“ Viele Bürger hätten das Gefühl, dass es nicht gerecht zugehe. „Das ist ganz gefährlich für den Europa-Gedanken.“'


    Das ist kein Gefühl, sondern bittere Realität. Die kommt natürlich im "Wolkenkuckucksheim" der Wulffs, wenn überhaupt, nur gefiltert an.
    Und dann, so der Eindruck, wird die Reaktion auf diese gefilterte Realität noch zusätzlich auf ihre Kompatibilität mit der offiziellen Regierungslinie geprüft.
    und was dann an Realität und Wahrheit noch übrig bleibt, ist das bürgerferne Kauderwelsch, das Herr Wulff für präsidiale Unabhängigkeit und Amtsführung hält.

    MfG
    biggerB

  • Wulff ist sein Gehalt wirklich nicht wert. Wie Merkel und Schäuble handelt er deutlich gegen die Interessen der deutschen Bevölkerung.

    Das Kind der Politik, die EU ist in den Brunnen gefallen! Es wird auch keiner mehr herausholen können. Jeder, der sich mit dem Vertrag von Lissabon befasst hat, kann diesen nur ablehnen. Jeder, der nur ein bißchen ökonomischen Sachverstand hat, kann den Euro nur ablehnen.

    EU und Euro führen zum Ausverkauf unserer Länder. Aber das scheint politisch gewollt! Der Euro spaltet Europa, er eint es nicht.

    Raus aus dieser Fehlkonstruktion! Schnellstens!

  • Warum muß man "Demokraten" immer ihr eigenes System erklären ?
    Zuerst den Souverän, das Volk, bei der Entscheidung dreist außen vor lassen.
    Und dann noch Solidarität für eine Sache vordern, für die es nie eine Mehrheit gegeben hätte, nachdem absehbar ist, daß es gründlich gegen den Baum gehen wird.
    Das ist die Krönung und müßte bestraft werden.

  • Griechenland gehört aus dem Euro-Verband. Am besten macht man den ganzen Euro-Unsinn rückgängig. Jetzt noch EU-Steuer dazu. Klar, bei Steuererhöhungen bzw. überhaupt der Einführung einer neuen, sind sie alle dabei, die Politiker, füllt es doch die eigenen Taschen. Die EU ist eine Räuberbande, so wie weiland die Sowjetunion. Den lächerlichen Wulf nimmt doch sowieso keiner ernst. Der schlechteste Bundespräsident aller Zeiten. Lübke war wenigstens lustig.

  • Wie viele in Berlin scheint auch Wulff nicht rechnen zu können! Großbritannien und die Slowakei haben sich von einer Griechenlandhilfe bereits distanziert. Deutschland als Hauptgeberland in dieser Sache droht tatsächlich zu verarmen und in Schulden zu ersticken, da fordert Wulff von uns Solidarität, das ist wirklich ein starkes Stück!

  • Wenn ein Bundespräsident "hofft". Armes Deutschland !

  • Diese (von der Idee her gute) Einrichtung EU wird von allen möglichen Menschen diskreditiert. Z. B. von den 50000 (!) EU-Beamten mit eigentlich griechisch anmutenden Vergünstigungen: Einstiegsgehalt eines Büroboten (ohne Zulagen) 2200 €, Gehalt einer Sekretärin mit einem Kind: 6000 €/Monat. dazu ca. 60 Genraldirektoren mit ca. 18000 € /Monat.

    Wenn wundert da noch das schlechte Ansehen, die die EU-Bürokraten und letztlich die EU als ganzes geniessen.

  • Zeile 2: es heißt richig prognostiziert und nicht prognotiziert. Sorry.

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