Schuldenschnitt als Belohnung Weidmanns Griechenland-Plan stößt auf Widerstand

In das Ringen um die Rettung Griechenlands hat sich die Bundesbank eingeschaltet. Doch der Vorschlag von Notenbank-Chef Weidmann findet bei Finanzminister Schäuble keine Unterstützung. Auch die Wirtschaft ist dagegen.
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Bundesbankchef Jens Weidmann. Quelle: Reuters

Bundesbankchef Jens Weidmann.

(Foto: Reuters)

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt jegliche Art von Schuldenschnitt bei Griechenland zulasten staatlicher Gläubiger auch weiterhin kategorisch ab. "Ein Schuldenschnitt ist für uns nach wie vor nicht vorstellbar", sagte Schäubles Sprecherin Marianne Kothe am Montag in Berlin. Damit reagierte sie auch auf den Vorschlag von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der einen Forderungsverzicht für einen späteren Zeitpunkt als eine Art Belohnung für Reformen ins Gespräch gebracht hatte. Eine endgültige Entscheidung über die Freigabe weiterer Milliardenhilfen für Griechenland ist laut Kothe von der Sondersitzung der Euro-Finanzminister am Dienstag nicht zu erwarten. Dazu bedürfe es noch eines weiteren Treffens.

Auch in der deutschen Wirtschaft kann man einem Schuldenschnitt der öffentlichen Gläubiger für Griechenland nichts abgewinnen. „Griechenland zeigt nun zumindest den nötigen Reformwillen. Deshalb kommen die Diskussionen um einen weiteren Schuldenschnitt zur Unzeit“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, Handelsblatt Online. „Eine solche vermeintlich leichte Lösung ist gegenüber den Gläubigern der falsche Weg.“

Allerdings bräuchten wirtschaftspolitische Reformen in Griechenland mehr Zeit, um angesichts der schwierigen Lage wirken zu können, sagte Wansleben weiter. „Die nötigen zusätzlichen zwei Jahre müssen im Rahmen der Programme geschultert werden“, betonte er und fügte hinzu: „Wir müssen für alle Seiten verträgliche Wege der Finanzierung finden – zum Beispiel durch Streckung der Rückzahlungszeiträume.“

Die Schäubles-Sprecherin Kothe erklärte, es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, bei dem Ministertreffen zu Griechenland den Weg für eine Einigung über Fragen wie etwa die Deckung einer Milliardenlücke und zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands zu ebnen. Dazu fänden eine Vielzahl von Gesprächen statt. Es gehe erst einmal darum, das bis 2014 laufende Hilfspaket wieder auf Kurs zu bringen. Sollte eine Lösung gefunden werden, müsse die dann erst einmal den Bundestag passieren.

Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider hält es für möglich, dass der Bundestag sich in der kommenden Woche im Plenum mit einer etwaigen Einigungsformel befasst. Der Zeitpunkt sei gekommen, an dem es um konkrete Transfers von Geld der Steuerzahler, nicht mehr nur Garantien und Kredite, gehe. "Für mich ist klar, dass es zusätzliches Geld kosten wird", sagte er. Der Bundesregierung warf er vor, dies aus wahltaktischen Gründen nicht sagen zu wollen. "Der wahre Punkt ist, dass es vor der Bundestagswahl keine Entscheidung geben soll, die irgendwie Geld kostet".

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25 Kommentare zu "Schuldenschnitt als Belohnung: Weidmanns Griechenland-Plan stößt auf Widerstand"

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  • Ein interessanter und lesenswerter Artikel zum Thema "Schulden(schnitt)":
    http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5492-die-rolle-von-schulden-in-der-wirtschaft

  • Ein interessanter und lesenswerter Artikel zum Thema "Schulden(schnitt)":
    http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5492-die-rolle-von-schulden-in-der-wirtschaft

  • Bundesbänker und Ökonomen sind ihren volkswirtschaftlichen Überzeugungen verpflichtet - nicht jedoch dem Wohle des Volkes.

    Und wie zertritten die Währungshüter und Ökonomen weltweit sind, zeigt ein Blick in die Wirtschaftspresse.

    Fazit: für reale Probleme unbrauchbar!

  • Wer glaubt die 13,5 Mrd. Euro geben uns über zwei Jahre Ruhe/Zeit hat keine Ahnung davon, was alles in einer Volkswirtschaft in ein paar Wochen passieren kann. Garantiert fehlen noch etliche Positionen und die Griechen kommen demnächst wieder an.
    Ovid

  • Die ersten Zahlungen, bis heute also, an Griechenland waren Bankenrettungen.
    Wenn jetzt aber ein Schuldenschitt kommt, dann muß tatsächlich der Bürger dafür zahlen.
    Tichy von WiWo hat das gestern Abend in der Phoenix-Runde ganz gut erklärt
    Eins ist sicher, zahlen müssen jetzt wir und da kommt noch enorm was auf uns zu.

  • DeutscherMichl
    was für ein umgerührter Schmarrn.

  • Lieber DeutscherMichel,
    was für Schulden meinen Sie denn genau? Die von Weidmann erwähnten, für den Schuldenschnitt vorgesehenen? Mein Gott. Weidmanns Linie ist doch klar. Er weiß ganz genau, dass die Griechen die Vorgaben nicht einhalten werden. Folglich wird der Schuldenschnitt nach Weidmanns Facon NIE stattfinden. Damit weist er jedoch Schäuble den Schwarzen Peter zu, der gerade wieder herumeiernd versucht, mal schnell einen Schuldenschnitt durch Verlängerung hin zu bekommen. Weidmann zeigt mit dem Finger auf des verlogene Pack.
    Wo die Schulden sind? Bei Griechenland. Wo die Milliarden sind? Die sind nicht weg. Die haben jetzt nur andere. Die verwittwete Oma in Deutschland, die alleinerziehende Mutter, der geringverdienende Handwerker in Deutschland, die alle haben das Geld zukünftig nicht mehr, so wie auch alle anderen Bürger dieses Landes. Besonders diese Gruppen aber werden es bitterböse merken. Und ich bezweifle, dass dann die südeuropäische Zahlungskavallerie anreitet und diesen Gruppen hilft.
    Sie gehören offensichtlich sowieso nicht zu diesen Gruppen. Glückwunsch!
    Wie schaffen es manche Menschen immer wieder solidarisch zu sein mit anderer Leute Geld?

  • @ GRUENENWaehler,
    sag mir dann wo diese Schulden geblieben sind?
    Irgendwo müssen sie gelandet sein, denke nicht dass alles in die "blühende Landschaften" gelandet ist!
    Wer hat das fehlende Geld?

  • Lieber DeutscherMichel,
    so ein Schmarrn.
    Zu 1.: Der Export in die Eurozone ist stetig gesunken. Das war Jahre vor dem Euro so und der Euro hat wenig daran geändert. Sinken tut er weiterhin. Wenn wir also (weiterhin?) wie Gott in Frankreich leben sollten, was ich ganz klar bezweifle (siehe Handelsblatt über Einkommensschere in Deutschland), dann haben wir es folglich dem Export in andere Länder als die der Eurozone zu verdanken. Winston Churchill zufolge können wir getrost davon ausgehen, dass sich die Zivilisation (definiert von Churchill im Angesicht der Diktatur in Hitler-Deutschland) in Deutschland klar auf dem sterbenden Ast befindet. Aber Fressen ist Ihnen wohl wichtiger.
    zu 2.: Das TARGET2-Saldo ist Ihnen wohl unbekannt. Wir bezahlen damit unsere Exporte selbst. Aber für Sie ist alles paletti?
    zu 3.: Wenn Sie meinen. Uns geht es auch besser als den Menschen in Laos oder Nord Vietnam. Wann hören diese unerträglich politisch auf Stillhalten getrimmten Kommentare endlich auf? Sie wollen Mittelmaß. Das bedeutet langfristig Verarmung.
    zu 4.: Was soll das? Dass der ClubMed gerade jedes Register zieht, um sich seinen Vorteil zu sichern, begrüßen Sie sicher. Sie müssen ein GrünerDeutscherMichel sein.
    zu 5.: Ich fasse es nicht. Geschichte 5 bis 6! Setzen!

    Trollen Sie sich.

  • Das Griechenland und Portugal Geld ist eh weg!Es ist zu vergleichen mit 2 Bettlern die sich gegenseitig in die Taschen greifen und verwundert feststellen:"Oh -Du hast ja auch nichts drin!" Also warum nicht gleich an Beduerftige
    verschenken,dann gibt's hinterher keine Irritationen.Mir hams doch eh,Herr Weidmann,Schaeuble,Steinbrueck,Draghi,
    Monti,Hollande........

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