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Schuldenschnitt Ökonomen trommeln für radikale Griechen-Lösung

Die Politik tritt bei der Griechenland-Frage auf der Stelle. Dabei ist es aus Sicht vieler namhafter Ökonomen höchste Zeit, endlich zu einer Lösung der Schuldenkrise zu kommen. Und sie skizzieren, wie sie aussehen kann.
Update: 15.07.2011 - 14:48 Uhr 22 Kommentare
Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. Quelle: Katrin Denkewitz für Handelsblatt

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro.

(Foto: Katrin Denkewitz für Handelsblatt)

Düsseldorf Man muss nur das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Euro-Schuldenkrise beobachten, um zu sehen, woran es hapert, wenn es darum geht insbesondere die Probleme Griechenlands adäquat in den Griff zu bekommen. Die Politik diskutiert alle möglichen Varianten, findet aber keinen gemeinsamen Nenner. Merkel geht sogar noch weiter. Ihren Sprecher Steffen Seibert lässt sie mitteilen, dass sie derzeit keine Lösungsvorschläge für die Euro-Krise sehe, die einen EU-Sondergipfel rechtfertigen würden. Ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs solle nur dann stattfinden, wenn es Ergebnisse bringen könnte, sagte der Sprecher am Freitag in Berlin. „Es gibt noch keinen Termin.“ Entscheidend sei, dass die Beteiligten mit Sinn für den Ernst der Situation nun ein neues Hilfspaket für Griechenland vorbereiteten.

Ursprünglich war ein Krisentreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs bereits für heute erwogen worden; danach wurde über andere Termine am Wochenende oder kommende Woche spekuliert.

Das Finanzministerium betonte, dass eine Arbeitsgruppe derzeit über Lösungsansätze für die griechische Schuldenkrise berate. Vereinbart sei eine zügige Beratung. Doch gebe es keinen festen Termin für die Vorlage von Ergebnissen, sagte ein Ministeriumssprecher. Diese gebe es „dann, wenn sie fertig sind“.

Das Lavieren der Politik stößt mehr und mehr auf Unverständnis bei Experten. So dringen inzwischen zahlreiche führende Ökonomen in Deutschland, wie etwa die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro im Interview mit dem Handelsblatt, für eine Umschuldung Griechenlands. Während die Ökonomin ein Tauschangebot des europäischen Rettungsschirms EFSF an die privaten Gläubiger präferiert, plädieren andere Experten für deutlich radikalere Lösungen. „Griechenland ist pleite und wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen“, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, Handelsblatt Online. Die von der Politik favorisierte „sanfte“ Lösung werde nicht ausreichen. Wolle man private Gläubiger angemessen an den Kosten beteiligen, sei ein „schneller und umfangreicher“ Haircut erforderlich.

“Dass hierdurch private Investoren Verluste hinnehmen müssen, steht dem nicht entgegen und wird in Zukunft ein gewünscht vorsichtigeres Investitionsverhalten mit sich bringen“, sagte Fichtner. Möglich sei auch, dass einzelne Banken so geschädigt würden, dass zur Verhinderung von Dominoeffekten staatliche Gelder zugeschossen werden müssen. „Aber selbst dann ist es billiger, einzelne systemrelevante Banken zu retten als die griechische Regierung dauerhaft vor Zahlungsunfähigkeit zu schützen“, betonte der DIW-Experte.

Ähnlich äußerte sich der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Roland Döhrn. Es sei ein Fehler gewesen, dass die Politik eine Umschuldung Griechenland lange kategorisch ausgeschlossen hat, sagte Döhrn Handelsblatt Online. Wie eine solche Entschuldung konkret aussehen kann, müsse man sehen. „Bezüglich der Gestaltung des Schuldenschnitts habe ich keine klaren Präferenzen“, sagte er. „Da muss man die Folgewirkungen der verschiedenen Varianten zum Beispiel für die Eigenkapitalausstattung der Banken durchspielen.“

Unmut über Taktieren der Politik
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22 Kommentare zu "Schuldenschnitt: Ökonomen trommeln für radikale Griechen-Lösung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man sollte für die interne Wirtschaft der EURO-Länder die alten Landeswährungen wieder einführen und nur Geschäfte über die Landesgrenzen hinweg in EURO abrechnen. So kann jedes Land sich optimal aufstellen und die Vorteile einer international anerkannten Gemeinschaftswährung blieben erhalten.
    Die drohenden Insolvenzen sollten vorher auf die von jeher übliche Weise abgewickelt werden. Falls einige Banken mit Systemrelevanz dabei ins Staucheln kommen, na gut, das beherrschen wir doch jetzt schon aus Erfahrung

  • Wer das Schuldenproblem Griechenlands lösen will, muss in GR anfangen. Ein Schnitt 1:2 aller Assets und Schulden in GR, privat ebenso wie öffentlich, könnte dieser Anfang sein. Alle Sachwerte und Auslandsvermögen werden mit einem Lastenausgleich nach deutschem Muster (wer erinnert sich noch?)belegt. Die daraus fliessenden Mittel werden verbrieft und dienen zur Bedienung/Ablösung der GR-Auslandsschulden und als Basis für die Refinanzierung des GR-Staates.

    Die Folge wäre ein griechisches Wirtschaftswunder.

  • Ich bin für die DM

  • @ Zeitzeuge du schwadronierst, und schwadronierst nimmmm bitte deinen Klaphocker und nutze ihn selber. Weder hast du von der DDR eine Ahnung noch von dein besagten aufhängen von jetzt verantwortlichen, dein geseiere ist total naiv und wiedert ein an. ganz einfach du hast keine ahnung von mentalitäten und dein herbeigeredeter Aufstand der Massen findet nicht statt weil der Bürger mehr auf den Kasten hat wie dein geseiere das verstehst du aber nicht.

  • Jegliche Garantie von Anleihen durch EFSF oder andere EU-Institutionen bedeutet effektiv eine Umschuldung der Pleiteländer auf Deutschland, Österreich und die Niederlande. Es ist naiv anzunehmen, die Südländer würden ihre Mentalität dauerhaft ändern. Also bleiben die wirtschaftlichen Probleme des Südens und letztlich müssen die Garanten der Anleihen für die unausweichlichen Zahlungsausfälle aufkommen.

  • Die "Nachahmer" stehen bereits in der Warteschlange... - genau diese Aussicht und Folge einer Umschuldung UND eines Austrittes Griechenlands stellt das momentane Hauptproblem aller Ansätze dar: Dieses Faktum lähmt inzwischen alle Ansätze, einen Konsens zu finden! Der "POINT OF NO RETURN" ist längst überschritten, man wollte nie die Fakten der Finazmathematik zur Kenntins nehmen, nun erschlägt die Realität die Ideologen!

  • @ Andre : Sie haben nun wirklich keine Ahnung! Die DDR hatte kein Banken-, sondern ein ideologisches Problem, genau wie die EURO-Zone jetzt (ohne EURO und die EURO-Fanatiker gäbe es die gesamte Problemlage nämlich überhaupt nicht!). Politische Entscheidungen kollidieren mit ökonomischen Notwendigkeiten, man wollte das "elektrisch Licht" neu erfinden, sowas ging IMMER schief!

  • Die Logik ist auf Ihrer seite und derjenigen, die den Haircut und den Austritt als nachhaltigste Lösung favorisieren.

  • Aber genau so wird es Griechenland früher oder später ergehen, unabhänig von allen Maßnahmen, weil man inzwischen auf allen Seiten realisiert hat, daß eine Nichtentschuldung Griechenlands nie wieder zur Entstehung von genug Eigenmitteln für alle staatlichen und wirtschaftlichen Aufgabe möglich sein wird und die Gemeinschaft auf ewige Zeiten für Schulden und Schuldzinsen Griechenlands aufkommen müßte bzw. die übernommenen Schuldpapier auch nie wieder los würde! Die Frage ist: Wie kann Griechenland Eigenmittel erwirtschaften, daß das CCC-Rating verbessert werden kann, damit Staatsschulden abgebaut werden können UND Greichenland sich auch wieder am freien Kapitalmarkt ZWISCHENFINANZIERUNGSMITTEL selbständig beschaffen kann und nur noch Liquiditäts- und kein Solvenzprobleme mehr hat! Damit führt kein Weg an einer Umschuldung vorbei. Der Verbleib Griechenlands in der EURO-Staatengruppe ist danach die zweite evidende Frage: Verbleibt Griechenland im Währungsgefüge, muß es mit den nicht beeinflußbaren Faktoren einer Währungsstabilität zurecht kommen, die seiner viel zu niedrigen Produktivität UND mangelhaften Ertragsstärke nicht entsprechen, was wiederum zu Ausfällen bei der Finanzierung von substantiell erforderlichen Angelenheiten führen wird, genau so, wie damals Argentinen wegen der festen Währungsbindung an den US-Dollar in die Brüche gegangen ist. Bis heute sind diese Probleme nicht ausgestanden, weil der ökonomische Wrikungsgrad einer nationalen Ökonomie nicht innerhalb von fünf bis zehn Jahren von "mangelhaft" auf "befriedigend" bis "gut" erhöhen läßt! Dazu sind mindestens ein, wenn nicht gar drei Generationswechsel nötig! Jeder Tag, der ohne die o. a. Maßnahmendurchführung mit der entsprechenden realen Aussicht auf "Nachhaltigkeit" (also nicht nur halbherzig-propagandistisch!) vestreicht, verschärft die Gesamtproblemlage, vom politischen Sprengstoff und den Unwägbarkeiten, die von der US-Finanzkrise ausgehen, ganz zu schweigen!

  • Ich finde die Idee des Haircut gut, ABER nur gegen Austritt aus der Euro-Zone. Dann gibt es auch keine Nachahmereffekte von Staaten die sich auf dies Weise ihrer Schulden entledigen wollen.

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