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Schulstart „Wir brauchen wieder Präsenzunterricht“

Am Montag beginnt für 370.900 junge Berliner wieder die Schule. Der Schüler Jakob Natterer plädiert trotz erhöhter Corona-Infektionszahlen für den Start des Unterrichts. 
  • Jakob Natterer
10.08.2020 - 09:58 Uhr Kommentieren
Es ist nicht möglich, komplexe Themen via E-Mail oder Messenger so zu vermitteln, dass alle Schüler eine faire Chance haben, dem Unterricht folgen zu können. Quelle: dpa
Schülerinnen und Schüler, einer davon mit einer Schutzmaske

Es ist nicht möglich, komplexe Themen via E-Mail oder Messenger so zu vermitteln, dass alle Schüler eine faire Chance haben, dem Unterricht folgen zu können.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Von März bis Juli. Kein Treffen mit Freunden, fast zweieinhalb Monate Schule Zuhause, dann drei Wochen Präsenzunterricht in kleinen Gruppen und anschließend wieder mehrere Wochen Zuhause, bis das Schuljahr endlich vorbei ist. Nur um dann sechs Wochen noch weniger zu tun haben.

Am Montag geht die Schule wieder in voller Besetzung los und viele Eltern sind verunsichert, da man andauernd von erhöhten Fallzahlen hört. Meiner Meinung nach sprechen trotzdem drei Gründe für die Öffnung der Schulen unter Hygienekonzepten.

Erstens: Es mag zwar für bestimmte Schüler möglich sein von Zuhause aus zu lernen, jedoch muss man beachten, dass es nicht in allen Familien möglich ist, eine geeignete Lernatmosphäre zu kreieren. Sei es wegen schwieriger Verhältnisse zwischen den Kindern und Eltern, mangelnder technischer Ausstattung oder einfach aufgrund der Tatsache, dass nicht alle Eltern ihren Kindern den ganzen Tag über die Schulter schauen können, da Aufmerksamkeit eine knappe Ressource ist.

Besonders in Familien mit mehreren Kindern kann dies zum Problem werden, da vor allem die jüngeren Kinder meist mehr Anleitung und Motivation brauchen als die älteren - die sie normalerweise von den Lehrern bekommen. 

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    Wenn nun aber beide Elternteile auch noch arbeiten müssen, fehlt halt diese Aufmerksamkeit. Daraus resultiert, dass Kinder aus ärmeren und bildungsferneren Haushalten, welche sowieso schon stark benachteiligt sind, noch größere Wissenslücken bilden.

    Organisationschaos

    Zweitens: Ein weiterer Faktor ist das Organisationschaos. An meiner Schule hatten wir das Glück, dass im vorigen Halbjahr eine Schulplattform im Internet eingerichtet wurde, über welche die Kommunikation, nachdem man sich dran gewöhnt hatte, doch einfacher ging. Jedoch gibt es auch Schulen bei denen diese Gelegenheit entweder nicht gegeben ist, oder nicht gut funktioniert.

    So haben sich Freunde von mir gezwungen gesehen, sich über andere Möglichkeiten wie zum Beispiel Discord zu organisieren. So übersichtlich und einfach diese Plattformen auch zu bedienen sind, es ändert nichts daran, dass die Kommunikation mit den Lehrern lediglich in Form von E-Mails oder viel zu seltenen Videokonferenzen mit der ganzen Klasse stattfand.

    Ein weiteres Problem war, dass sich Lehrer bei denen wir eigentlich etwa drei bis vier Stunden in der Woche hatten, nur noch mit größeren Wochenaufgaben meldeten, was mich zu meinem letzten Punkt bringt.

    Drittens: Last but not least - die fehlende Struktur der Wochen. Eine unbekannte Strecke kommt einem immer länger vor, als sie eigentlich ist. Das Problem war, dass niemand wirklich wusste, wie lang sich dieser Zeitraum des von-Zuhause-Lernens erstrecken würde.

    Der Autor ist 16 Jahre alt und besucht das Theresien-Gymnasium in Berlin. Vor kurzem hat er ein Schülerpraktikum in der Handelsblatt-Hauptstadtredaktion absolviert Quelle: Privat
    Jakob Natterer

    Der Autor ist 16 Jahre alt und besucht das Theresien-Gymnasium in Berlin. Vor kurzem hat er ein Schülerpraktikum in der Handelsblatt-Hauptstadtredaktion absolviert

    (Foto: Privat)

    Versteinerung des Digitalen Unterrichts

    Ohne einen festen Stundenplan verschwammen die Tage ineinander. Die Tatsache, dass man einen Großteil seiner Hobbys nicht ausüben konnte war auch nicht wirklich hilfreich. So folgte ein Tag dem nächsten und aus Tagen wurden Wochen.

    Ein paar Wochen nach Ostern durften dann die 10. Klassen, für drei Tage die Woche, drei Wochen lang in Gruppen von zehn Schülern für 90 Minuten in die Schule. Mathe, Deutsch und Englisch. Danach waren andere Jahrgänge für jeweils fünf Tage die Woche in Rotation dran. Ebenfalls in Gruppen von zehn Personen.

    Viel war es nicht, aber es half enorm aus der langsamen Versteinerung des Digitalen Unterrichts zu kommen. Endlich andere Gesichter, egal ob früher mal Freund oder Feind. Man war einfach froh ein kleines bisschen Normalität zurück zu bekommen. Die Tage ließen sich einfach besser trennen.

    Klar ist also: Wir brauchen wieder Präsenzunterricht, da es nicht möglich ist, komplexe Themen via E-Mail oder Messenger so zu vermitteln, dass alle Schüler eine faire Chance haben, dem Unterricht folgen zu können. und das trotz unter Umständen massiven Einschränkungen zu Hause. Auch sorgte dieser ewig gleiche Ablauf zusammen mit dem Mangel von Treffen mit Freunden dafür, dass der Alltag einfach stagnierte. Natürlich muss für jede Schule ein individuelles Hygienekonzept erstellt werden, an welches , - und da appelliere ich an die Vernunft aller - man sich einfach schlichtweg halten muss, da wir ansonsten in ein paar Wochen wieder zuhause sitzen.

    Mehr: Stresstest nach den Sommerferien: Wie die Schulen zum Regelbetrieb zurückkehren

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