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Schutz von Risikogruppen Der Masken-Plan der Bundesregierung könnte im Chaos enden

Der Bund will 27 Millionen Risikopatienten mit insgesamt 400 Millionen FFP2-Masken ausstatten. Den Apotheken droht vorweihnachtliches Chaos. Die Kosten liegen im Milliardenbereich.
09.12.2020 - 15:25 Uhr 3 Kommentare
Die Verteilung von Millionen Atemschutzmasken an Risikogruppen stellt den Bund vor ungeahnte Probleme. Quelle: dpa
Begehrte Masken

Die Verteilung von Millionen Atemschutzmasken an Risikogruppen stellt den Bund vor ungeahnte Probleme.

(Foto: dpa)

Berlin Als das Bundesland Bremen seinen Senioren im November ein Angebot machte, folgte ein ungeordneter Ansturm: Alle Bürger über 65 Jahren konnten sich in Apotheken kostenlose Masken der hohen Schutzstufe FFP2 abholen, so das Versprechen. Vor den Apotheken bildeten sich lange Schlangen, vielerorts waren Vorräte schon nach wenigen Stunden aufgebraucht.

Noch vor Weihnachten sollen auch bundesweit FFP2-Masken an Risikopatienten verteilt werden. Sie haben gegen eine geringe finanzielle Beteiligung Anspruch auf 15 Masken – so hat es die Regierung im dritten Bevölkerungsschutzgesetz festgelegt. Bei der Umsetzung droht noch größeres Chaos als in Bremen.

Eigentlich sollte die Maskenausgabe schon Anfang Dezember starten. Vergangene Woche räumte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer Diskussion mit Apothekern dann ein: „Was ich gerade einmal mehr lerne und erlebe ist, dass so ein Satz, Risikogruppen sollen 15 FFP2-Masken erhalten, leicht geschrieben ist.“ Die Aktion sei ein „ziemlich komplexes Unterfangen“.

Am Mittwoch stellte Spahn seinen Plan vor, wie die Verteilung von rund 400 Millionen Masken an etwa 27 Millionen Anspruchsberechtigte ablaufen soll. Man habe sich um eine „pragmatische Lösung“ bemüht, sagte der Minister.

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    In der Vorweihnachtszeit sollen die Apotheken pro Person drei Masken der Kategorie FFP2 oder vergleichbarer Schutzstandards abgeben. Parallel stellt die Bundesdruckerei fälschungssichere Gutscheine für je zwei Sechser-Pakete her, die in einem zweiten Schritt über die Krankenkassen an alle Anspruchsberechtigten verschickt werden sollen. Diese Gutscheine könnten dann „in zwei klar definierten Zeiträumen im neuen Jahr“ in den Apotheken eingelöst werden, sagte Spahn.

    Die Entzerrung löst die zu erwartenden Probleme aber nicht. Auch bei den Dreierpacks geht es um insgesamt bis zu 80 Millionen Masken, die bis zu den Feiertagen unter die Risikogruppen gebracht werden sollen. In Apothekerkreisen ist von einer enormen logistischen Aufgabe die Rede, da man die Masken am Markt beschaffen müsse.

    Die Apothekerverbände bitten um etwas Geduld

    Offiziell heißt es seitens der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA): „Die Apotheken werden das schaffen, aber es wird eine Menge Arbeit sein. Wichtig ist, dass die Patienten jetzt nicht sofort in die Apotheken laufen. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis die Verordnung in Kraft ist und die kostenfreien Masken abgegeben werden können.“

    Auf eine Zuzahlung soll zunächst verzichtet werden, um den Verwaltungsaufwand in Grenzen zu halten. Ob jemand wirklich Anspruch auf die Masken hat oder sich sein Dreierpack schon an anderer Stelle abgeholt hat, lässt sich in der ersten Phase kaum nachprüfen.

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    Über den Personalausweis kann immerhin das Alter festgestellt werden. Bei Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko will sich der Bund auf eine „nachvollziehbare Darlegung des Anspruchs durch Eigenauskunft“ in der Apotheke verlassen – so steht es im Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums, der dem Handelsblatt vorliegt.

    Es gilt also das Vertrauensprinzip. „Die Apotheker kennen ja auch in den allermeisten Fällen ihre chronisch kranken Kunden und können entsprechend Masken zur Verfügung stellen“, sagte Spahn.

    In der zweiten Phase sollen dann auf fälschungssicherem Papier gedruckte Coupons zum Einsatz kommen, außerdem ist eine Eigenbeteiligung von zwei Euro pro Maskenpaket vorgesehen. Laut der Verordnung sollen die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Krankenversicherungsunternehmen „anhand der bei ihnen vorliegenden Daten“ die anspruchsberechtigten Versicherten ermitteln und ihnen die Bezugsscheine auf dem Postweg zustellen.

    Ein „administrativer Albtraum“ für die Krankenkassen

    Aus dem Lager der Krankenkassen ist zu hören, dass mit der Umsetzung der Verordnung ein administrativer Albtraum bevorstehe. Das Alter der Versicherten lasse sich natürlich leicht klären, doch die Auswahl der krankheitsbedingten Risikogruppen sei kaum möglich.

    So dürften die Kassen viele Daten zum Gesundheitszustand der Versicherten für eine derartige Auswahl rechtlich gar nicht nutzen. Zwar könne man auf mögliche Ersatzparameter zurückgreifen, etwa ob sich ein Versicherter freiwillig in einem besonderen Versorgungsprogramm für Diabetiker eingeschrieben hat. Doch diese Lösung sei ungenau. Eine zuverlässige Liste mit allen Anspruchsberechtigten könne man nicht liefern.

    Spahn war nach dem Beschluss im Bevölkerungsschutzgesetz offenbar selbst überrascht, wie viele Menschen plötzlich in sehr kurzer Zeit einen Maskenanspruch gegenüber dem Staat geltend machen können. Denn das Gremium, das die genauen Kriterien entwickeln sollte, zeigte sich großzügig: Der Gemeinsame Bundesausschuss erklärte 27,35 Millionen Menschen zu potenziellen Risikopatienten.

    Der Ausschuss, in dem Ärzte, Kliniken und Krankenkassen die medizinischen Leistungen im gesetzlichen System definieren, schuf für alle Deutschen ab dem Alter von 60 Jahren einen Maskenanspruch. Dazu kommen jüngere Menschen mit bestimmten Risikofaktoren wie Herzinsuffizienz, Asthma, Diabetes, Krebs und starkem Übergewicht.

    Spahn kalkuliert in der Verordnung mit Kosten von je sechs Euro pro Schutzmaske für Beschaffung und Abgabe in der Apotheke. Außerdem sollen die Krankenkassen ihre Verwaltungskosten ersetzt bekommen. Wenn alle 27,3 Millionen anspruchsberechtigten Menschen 15 Masken beziehen, steht am Ende ein Gesamtbetrag von rund 2,5 Milliarden Euro, der vom Bund übernommen werden muss.

    Mehr: An 19 Standorten will der Bund künftig medizinisches Material lagern. So sollen Probleme, die es zu Beginn der Corona-Pandemie gab, künftig vermieden werden.

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    3 Kommentare zu "Schutz von Risikogruppen: Der Masken-Plan der Bundesregierung könnte im Chaos enden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Je fürsorglicher man sich gibt, desto eher wird man von dem blöden Wahlvolk gewählt. Von mir , absolut gesunder Risikopatient, aber nicht und...... solche Masken habe ich mir alleine gekauft. Sparen ist unnötig, kommt alles durch die nächste Steuererhöhung doppelt und dreifach wieder rein.

    • Was ist bitte die Definition von "Patient"?

      Nicht jeder, der positiv getestet wird, ist krank.
      Und schon gar nicht ist jeder, der zufälligerweise schon 65 ist, ein "Risikopatient".

      Vielleicht ist er oder sie kerngesund und hat für das nächste Jahr einen Marathon geplant nachdem dieses Jahr so viele Laufveranstaltungen ausgefallen sind.

    • Für wie viele Millionen hat der Verein denn schon Schrott gekauft? Sollte das jetzt besser sein, bloß weil eine Beraterbande mit involviert war? Ich habe meine FFP2 Masken längst selbst geordert. Auf unsere Vollpfosten in der Bürokratie und Regierung würde ich mich da lieber nicht verlassen. Was im Frühjahr verteilt wurde war absoluter Schrott. Der Herr Spahn kann ja, wenn er demnächst endlich wieder arbeiten muß, einen Maskenhandel aufmachen. Als gelernter Bankkaufmann sollte er das doch fertigbringen. Seine Pensionsansprüche sollte man mit seinen Fehlbestellungen verrechnen.

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