Schweizer Franken und der Euro Deutsche Kommunen in der Franken-Falle

Nicht nur die Schulden der Stadt Wien sind durch die Freigabe des Franken angewachsen. Auch deutsche Kommunen wie Essen haben Milliarden-Kredite in Franken aufgenommen – die Etatplanungen brechen jetzt zusammen.
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Skyline der Stadt Essen: Die überschuldete Kommune hat ein neues Finanzproblem – ausgelöst durch Franken-Kredite. Quelle: dpa - picture-alliance

Skyline der Stadt Essen: Die überschuldete Kommune hat ein neues Finanzproblem – ausgelöst durch Franken-Kredite.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Düsseldorf3,3 Milliarden Euro betrug Ende 2013 die Gesamtverschuldung der Stadt Essen. Viel Holz für eine Kommune, die unter hohen Sozialkosten ächzt und unter dem Strukturwandel im Ruhrgebiet leidet. Doch jetzt könnten die Schulden der Industrie-Metropole noch höher werden: Durch die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Donnerstag, den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufzugeben, könnte am Jahresende ein zweistelliger Millionenbetrag hinzukommen.

Denn die Stadt hat vor Jahren Kredite in Franken aufgenommen – und steckt jetzt in der Falle. Essen ist damit nicht allein: Während in Konstanz am Bodensee die Einzelhändler jubeln, weil die Schweizer nun mehr Euro für ihren Franken bekommen und entsprechend lieber in der deutschen Grenzstadt einkaufen, macht der Kämmerer von Konstanz aufgrund der Franken-Kredite der Stadt ein langes Gesicht. Und ganz in der Nähe hat auch Bad Säckingen Kredite in Franken aufgenommen, weshalb auch dieser Kommune die plötzliche Wechselkurs-Entwicklung zu schaffen macht.

Die Stadt Essen hatte die aktuell laufenden Franken-Kredite in Höhe von 450 Millionen zu Kursen zwischen 1,35 und 1,65 Franken je Euro aufgenommen. Schon als die Schweizer Notenbank 2011 den Mindestkurs einführte, waren die Kredite also ein Verlustgeschäft. Erst Ende vergangenen Jahres musste Lars Martin Klieve (CDU) 7,5 Millionen abschreiben – jetzt spricht der Kämmerer von einer „Katastrophe“, „Lawine“ und einem „heftigen Schlag ins Kontor“. So zitiert ihn die „Neue Ruhr Zeitung“ (NRZ).

Ende 2014 hätte Klieve die 450-Millionen-Franken-Kredite zum Kurs von 1,2024 Franken je Euro für 374,3 Millionen Euro ablösen können. Mit dem Wechselkurs von Freitagmittag von 1,0130 Franken je Euro würden 444,2 Millionen Euro fällig. Mehrkosten für die Stadt Essen: rund 70 Millionen Euro. Zeitweise sah es nach der rasanten Aufwertung des Franken am Donnerstag schon nach 100 Millionen Euro Mehrkosten aus.

Kämmerer Klieve, der laut „NRZ“ und der „Westdeutschen Allgemeinen“ (WAZ) vor einigen Jahren die Ausweitung der Kreditaufnahme in Franken empfohlen hatte, spielt nun auf Zeit und hofft darauf, dass der Euro wieder stärker wird. Seinen Amtskollegen in Konstanz und Bad Säckingen geht genauso. Was sollen die Kämmerer auch vorerst anderes machen?

NRW-Kommunen mit fast einer Milliarde Mehrkosten?
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7 Kommentare zu "Schweizer Franken und der Euro: Deutsche Kommunen in der Franken-Falle"

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  • @ Makus ere,
    "Also, bereits in 2011 hätte jedem verantwortlich wirtschaftenden Menschen klar sein müssen.."
    Es handeltsich hier aber um Beamte bzw Politiker!!!

  • @Herr carlos santos

    Für NRW wird die Frankenabwertung nicht so ins Kontor schlagen, da NRW doch schon sehr viel Geld aus den Selbstanzeigen erhalten hat.

    Denken Sie doch nur an die Steuer-CD-Geschäfte.
    Die denkschwachen Kämmerer müssen doch nur zu ihrem Finanzminister gehen, der sitzt auf dem Geldsack.

  • Auf Basis von Erhebungen des NRW-Innenministeriums sollen die Kommunen des Bundeslandes Kredite in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Euro in den Büchern stehen haben – oftmals in Franken. Die möglichen Mehrkosten nach Abschaffung des Mindestkurses könnten sich auf bis zu 900 Millionen Euro summieren.

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    Die Verluste werden steigen...

    spätestens wenn EIN Euro weniger Wert ist als EIN US-DOLLAR





  • Wenigstens multiplizieren können unsere Kämmerer.

    Aber Fremdwährungs-Darlehen ohne Währungsabsicherung?

    Dafür sollte es Berufsverbot geben.

  • NRW hat sich mit Schweizer Krediten vollgesogen
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    Jetzt jammern die Kommunen wegen der Schuldenlast und der Aufwertung des Franken.
    Aber wie sagte schon die "Schuldenkönigin" aus NRW: Schulden sind eine Investition in die Zukunft.

  • naja die Inkompetenz habn viele kommunen bzw deren Kämmerer ja schon bewisen im zuge der lehmann Pleite....
    als man vorher hoffe mit SWAPS die schnelle mark zu machen, (teilweise sogar grob fahlrässig)

    desweitern ist das hoffen auf n starken Euro wunschdenken....

    er wird demnächst mit segen des EUGH zur Lira mutiern
    weil es leichter it den D wohlstand abzusenken als die andern auf unseren level anzuheben...

    jedem der das geschehen seit lehmann beobachtet war das klar.... auch wenn man die lange als "rechte" niedergemacht hat oder wie zb Schäffler und Willsch in den Fraktonen geschnitten wurden...

    desweitern wurde die zeit inzwischen genutz das Risiko von den "privaten" auf die steuerzahler abzuwälzen und die Politik stand schmiere..

    schade das in D Politker nicht für ihre schlechte entscheidungen belangt werden können.

    es wäre ein fest.... in UK geht sowas..

    unsere gehn dann mit dicken bonis in den "ruhestand"
    bzw werden in die EU entsorgt...

    new brave world..^^

    Desweiteren bin ich dafür das der Euro zerstört werden muss. bis zum Euro klappte das 40 jahre super mit der nachbarschaft...

  • Ich fasse es nicht. Wie kann man nur Kredite in einer harten Währung aufnehmen, wenn man selbst Einnahmen in einer Weichwährung hat? 2011 hatte ich einen Auftrag in der Schweiz. Vertragswährung war CHF. Beim Verhandeln bin ich großzügig gewesen, weil damals schon absehbar war, dass der Euro eben keine DM mehr ist. Als dann der Kurs des Euros gegenüber dem CHF einbrach, habe ich Freudentänze aufgeführt. Profitiert hat auch das Finanzamt. Bedauert habe ich, dass im Juli 2011 mir die SNB da rein gegrätscht ist. Aber 1,20 CHF für einen EUR war immer noch gut. Also, bereits in 2011 hätte jedem verantwortlich wirtschaftenden Menschen klar sein müssen, dass man sich auf keinen Fall in CHF verschulden darf, wenn man selbst in Euro-Land lebt und dort normalerweise seine Einnahmen hat. Haben deutsche Kommunen etwas auch Kredite in NOK oder SGD aufgenommen? Anstatt die Verantwortlichen endlich zum Teufel zu jagen und die Gehälter der öffentlich Bediensteten endlich zu kürzen, um den Schaden zu begrenzen, werden nun wohl wieder alle möglichen Steuern erhöht. NRW hat ja gerade mal wieder das Wohnen verteuert.

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