Schwere Artillerie: Bundeswehr trainiert Ukrainer an der Panzerhaubitze 2000
Eines der modernsten Artilleriegeschütze in der gesamten Nato.
Foto: HandelsblattMunster. Zuerst ist ein Dröhnen zu hören, dann lösen sich die getarnten Kolosse aus dem Schatten des Waldes, kommen auf freiem Feld zu stehen, richten ihre 155-Millimeter-Kanone aus – und feuern in schneller Folge. Die Soldaten, die sich diese Woche auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster auf ihren Einsatz bei der schnellen Eingreiftruppe der Nato vorbereiten, sind mit der Panzerhaubitze 2000 bestens vertraut.
Anders als die knapp 100 ukrainischen Soldaten, die in den kommenden Tagen bei der Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein an dem knapp 60 Tonnen schweren Gerät ausgebildet werden sollen.
Gemeinsam mit den Niederlanden will die Bundeswehr zwölf der um die Jahrtausendwende ausgelieferten Waffensysteme in die Ukraine schicken – davon sieben aus Deutschland. Sie sollen aus der sogenannten Heersinstandhaltungslogistik kommen und müssen erst einsatzbereit gemacht werden.
Aus dem aktiven Dienst kann die Bundeswehr laut Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) keine Panzerhaubitzen entbehren. Die Bundeswehr verfügt noch über 119 Stück, von denen 40 einsatzbereit sind.
Die Ausbildung, für die bis zu 40 Tage veranschlagt werden, ist aufwendiger als bei den von den Amerikanern gelieferten Feldhaubitzen, die laut ukrainischem Verteidigungsministerium bereits zum Einsatz kommen. Während die Feldhaubitzen von anderen Fahrzeugen ins Einsatzgebiet gezogen werde, kann die Panzerhaubitze dort eigenständig manövrieren. Die Ukrainer müssen also im Fahren, Feuern und Funken ausgebildet werden – und für Störfälle, etwa wenn die Ladeautomatik versagt.
Hinzu kommt ein Umstand, den die in Munster gemeinsam übenden Soldaten aus neun Nationen täglich erleben. Selbst wenn zwei Nationen das gleiche Waffensystem verwenden, gibt es Unterschiede etwa bei Software oder Munition. Das gilt es auch bei der Lieferung der Panzerhaubitze aus deutschen und niederländischen Beständen zu bedenken.
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Zu einem Flaschenhals könnte die Munition werden, weil die Bundeswehr die Bevorratung stark eingeschränkt hat. Nach Einschätzung von Fachleuten müsste – über alle Waffensysteme hinweg – Munition im Wert von 20 Milliarden Euro beschafft werden, um allein den Bedarf der deutschen Streitkräfte zu decken. Gespräche mit der Industrie laufen, aber auch für die Panzerhaubitze 2000 lässt sich Munition kaum innerhalb von Tagen produzieren, es geht eher um Monate.
Für Hauptfeldwebel Martin, der im Manöver in Munster einen Artilleriezug führt und nur mit Vornamen genannt werden möchte, ist die Panzerhaubitze 2000 „eines der modernsten Artilleriegeschütze, die wir haben in der gesamten Nato“. Das dürfte Kanzler Olaf Scholz (SPD), dem lange Zögerlichkeit bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vorgeworfen wurde, gern hören. Jetzt müssen die Geschütze nur noch fertig werden – und sicher am Ziel ankommen.