Seehofer fordert neue Suche Und jetzt das nächste Problem: Atomare Endlager

Die Frage der Endlagerung des Atommülls hatte die Koalition bislang ausgeklammert. Das sei ein drängendes ethisches Problem, mahnt Merkels Berater Klaus Töpfer. CSU-Chef Horst Seehofer prescht mit einer eigenen Initiative vor.
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Ein Castor-Behälter mit Atommüll wird ins Zwischenlager Gorleben gefahren. Quelle: dpa

Ein Castor-Behälter mit Atommüll wird ins Zwischenlager Gorleben gefahren.

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CSU-Chef Horst Seehofer hat sich überraschend für einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll ausgesprochen. Er sagte am Montag in Berlin, alle geologischen Aspekte sollten noch einmal neu auf den Prüfstand gestellt werden. "Wir müssen erstmal Deutschland ausleuchten", sagte er. Bisher sperrt sich Bayern gegen eine bundesweite Suche nach Alternativen zum Salzstock Gorleben in Niedersachsen. SPD und Grüne zweifeln seit langem an der Eignung Gorlebens.

Auch die von der Regierung eingesetzte Ethikkommission empfahl am Montag, mit dem Atomausstieg auch einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager zu wagen. Es sollte eine rückholbare Lagerung unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen gemacht werden, sagte der Vorsitzende Klaus Töpfer in Berlin.

"Es soll alles untersucht werden", erklärte Seehofer. "Die Generationen, die die Kernkraft nutzen, müssen sich auch um die Endlagerung kümmern." Neben Salzstöcken im Norden - wie in Gorleben - könnten auch Ton- und Granitformationen im Süden als Standorte in Frage kommen. Die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg hatte schon Bereitschaft zu einer neuen Suche signalisiert, wenn alle mitziehen und wenn es einen ambitionierten Atomausstieg gibt.

SPD und Grüne zweifeln seit langem an der Eignung Gorlebens. Die Atomindustrie hat hier bereits rund 1,5 Milliarden Euro investiert und setzt auf diesen Standort. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte in Berlin, es sei die Pflicht, die Untersuchung in Gorleben zu einem Ergebnis zu führen. "Mit welchem Ergebnis auch immer." Gleichzeitig müsse man zu einem Verfahren kommen, "wie wir auch andere geologische Formationen und andere Optionen der Entsorgung prüfen". Das sei der Versuch, im Rahmen des neuen Energiekonsenses auch diese Frage miteinzubeziehen. Man strecke in dieser Frage auch die Hand zur Opposition aus.

Auch die von der Regierung eingesetzte Ethikkommission mahnte, mit dem Atomausstieg auch einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager zu wagen. Es sollte eine rückholbare Lagerung unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen gemacht werden, sagte der Vorsitzende Klaus Töpfer am Montag in Berlin. Über Gorleben hinaus sei es daher sinnvoll, weitere Standorte zu prüfen, betonte der frühere Bundesumweltminister. Es ist umstritten, ob es in Gorleben möglich ist, den Atommüll bei Problemen notfalls zurückholen zu können.

Bisher setzen Union und FDP auf eine Erkundung des Salzstocks in Gorleben. SPD und Grüne fordern eine bundesweite Suche. Die Atomindustrie hat in die seit 1977 laufende Gorleben-Erkundung rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Es gibt Zweifel, ob der Salzstock sicher genug ist, um hoch radioaktiven Müll dauerhaft in mehr als 800 Metern Tiefe zu lagern.

Wie Kanzlerberater Merkel zum Turbo-Ausstieg drängen
Eon - Kernkraftwerke Isar
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In ihrem Abschlussbericht empfiehlt die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingesetzte Ethikkommission einen raschen Atomausstieg. Ein Überblick über die wichtigsten Vorschläge in dem 28-seitigen Papier.

Aus für älteste Atomkraftwerke rückt näher
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Atomausstieg

Bis 2021 oder sogar noch früher, das Enddatum soll kontinuierlich überprüft werden. Wenn die Auswirkungen auf die Strompreise, die Entwicklung der CO2-Emissionen und die Stabilität des Netzes es zulassen, soll auch ein früheres Ende der Kernenergie-Nutzung möglich sein.

Menschenkette gegen Atomkraft
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Vorübergehend stillgelegte AKW

Die sieben ältesten Meiler und die wegen Pannen stillstehende Anlage im schleswig-holsteinischen Krümmel sollen für immer abgeschaltet werden. Ergibt die technische Überprüfung, dass auch neuere Anlagen bestimmte Standards nicht erfüllen, könnten auch diese vom Netz genommen werden.

Revision im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
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AKW als Reserve

Abgeschaltete Atomkraftwerke können für einen Übergangszeitraum wie alte Gas- und Kohlekraftwerke als „Kaltreserve“ dienen, um bei Engpässen Strom produzieren zu können. Zudem soll durch mehr und bessere Speichertechniken der Aufbau einer nationalen Strom-Versorgungsreserve in Höhe einer halben Jahresproduktion angegangen werden.

huGO-BildID: 15747435 Eingelagerte Faesser mit
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Endlagerung

Die Entsorgung von in Deutschland entstandenem Atommüll soll auch hierzulande stattfinden. Der Müll soll so gelagert werden, dass er bei Problemen zurückgeholt werden kann. Dies erweitere den Suchraum für Endlagerstätten.

Nord-Liberale wollen Krümmel dauerhaft abschalten
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EU-Atompolitik

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima soll die Reaktorsicherheit auf EU-Ebene gebündelt werden, um Sanktionen gegen unsichere Anlagen durchsetzen zu können. „Die Nuklearsicherheit muss Europapolitik werden“, heißt es. Konkret: Definition von Sicherheitsstandards für Bau und Betrieb von Atomkraftwerken; möglicherweise Kündigung des Euratom-Vertrags, der nicht mehr zeitgemäß sei, und stattdessen Kontrolle der AKW-Sicherheit durch EU-Kommission.

Hessen-CDU ehrt Alfred Dregger
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Atombeauftragter

Zur Begleitung der Energiewende soll ein Parlamentarischer Beauftragter benannt werden. Zur Begleitung der gesellschaftlichen Debatte soll ein „Nationales Forum Energiewende“ eingerichtet werden, da der Prozess nur unter Einbindung aller relevanten Gruppen gelingen könne.

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  • Sorry, Bibendum4, aber die ganze Art und Weise des heutigen Wirtschaftens ist sowieso zum Scheitern verurteilt - was macht der schon der von Ihnen befürchtete Abstieg der Wirtschaftskraft?

    Wo wollen Sie denn z.B. auf Dauer mit dem Bevölkerungswachstum hin? Wie wollen Sie die Leute ernähren? Wie viele wertvolle Rohstoffe wollen Sie noch zu unnützem Schrott verarbeiten, nur damit die Wirtschaft weiter wächst?

    Und zur Erinnerung: Der Atomausstieg wurde bereits im Jahr 2000 beschlossen - wenn Industrie und Energiewirtschaft das nicht ernst genommen haben, so ist das deren Problem und fahrlässiges Versäumnis. Aber man sollte bitte aufhören, so zu tun, als ob aufgrund eine kleinen schwarz-gelben Intermezzos der Klientelpolitik, diese Grunsatzentscheidung gerade erst heute aus dem blauen Himmel gefallen wäre!

  • Atomausstieg schön und gut aber bitte doch mit mehr Augenmaß
    Endlagerung des Atommülls ungeklärt ?
    ist Gorleben überhaupt nutzbar?
    Warum weigerten sich die südl. Bundesländer Bayern und Badenwürttemberg in den 70iger Jahren so gegen eine Einbeziehung Ihrer geologischen Gegebenheiten für eine Endlagerung des Atommülls ??
    Warum muß jetzt der Atomausstieg so hopla hopp gehen ?
    Es besteht bis jetzt noch kein machbarer Plan einer Umsetzung von Atomausstieg zu erneuerbarer Energie !
    Dasselbe gilt für die entstehenden Kosten,die Bevölkerung wird für dumm verkauft, mit den Prognosen der entstehenden Mehrkosten !
    Deutschland verspielt seine Führung als innovative Industrienation. In spätestens 20 Jahren werden wir gemessen an der Wirtschaftskraft nur noch im Mittelfeld gegenüber den weltweiten Globalplayer stehen

  • Ein Politiker vermag nur bis zu den nächsten Wahlen planen.
    Ein Endlager erfordert aber, ca. 1 Million Jahre voraus zu denken, also auch für "normale" Menschen ein Unding. Wann endlich reift dort oben die Erkenntnis, dass man erst mal ein sicheres "Zwischenlager" braucht.

    Hier währen ehemalige Atombunker doch eine hervorragende Lösung. Die Bundesregierung hat da noch einen 17 km langen Betonschacht bei Ahrweiler und auch im Osten gibt es atomsichere Gewölbe. Wo's nicht rein strahlt, sollte es eigentlich auch nicht raus strahlen.

    Vielleicht wird dieser "Abfall" dann nach 50.000 Jahren wieder dringend als Rohstoff gebraucht, so wie heutzutage unsere alten Mülldeponien.

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