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Sieben Milliarden Euro mehr Run auf die Hochschulen ist teurer als gedacht

Die Kultusminister haben sich verrechnet, sagt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Die Zahl der Bewerber an Hochschulen ist höher als gedacht. Zudem fordert der Präsident ein zusätzliches Orientierungsjahr.
23.07.2012 - 17:18 Uhr 10 Kommentare
Die Zahl der Bewerber an Hochschulen ist höher als gedacht. Quelle: dpa

Die Zahl der Bewerber an Hochschulen ist höher als gedacht.

(Foto: dpa)

Berlin Der Run auf die Hochschulen kommt die Länder und den Bund weit teurer als gedacht. Bis zum Jahr 2015 fehlen 300.000 Studienplätze. Um diese einzurichten und bis zum Ende zu finanzieren sind also bis 2017/2018 fünf bis sieben Milliarden Euro nötig, sagte der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, dem Handelsblatt.

„Da haben sich die Kultusminister klar verrechnet — der Zustrom an die Hochschulen ist fast doppelt so stark gestiegen, wie sie noch 2011 dachten“, sagte Hippler, der derzeit auch noch Präsident des Karlsruhe Institut of Technology KIT ist. „Wir hatten für 2013 420.000 Anfänger erwartet, stattdessen waren es schon 2011 520.000.“ Die Hochschulen brauchten spätestens 2014 mehr Geld und zwar dauerhaft, denn die Studierendenzahlen würden auch danach höher sein als gedacht.
Denn bei den Bewerberzahlen ist das Maximum noch nicht erreicht, ist Hippler überzeugt: „Es wird viel mehr Bewerber ohne Abitur geben, auch der Zustrom aus dem Ausland wird weiter steigen. Gerade junge Leute aus den Krisenländern werden bei uns studieren wollen, weil sie hier auf einen Job hoffen.“ Das sei auch alles gut so, denn Deutschland „braucht ja mehr Akademiker“.

Daneben will der HRK-Präsident den Studienanfängern das Leben erleichtern, und so die Abbrecherquoten senken: „Wir bräuchten ein Einstiegsjahr, die Amerikaner nennen es ,freshman year’.“ In Karlsruhe und Stuttgart werde das schon heute im Pilotprojekt „MINT-school Baden-Württemberg“ gestartet. „Studenten können sich im ersten Jahr orientieren und Mathe- oder Physikkenntnisse verbessern, an denen viele scheitern.“

Der Zulauf sei enorm. So klönne der Schwund in späteren Semestern gesenkt werden, ist Hippler überzeugt. „Denn die meisten scheitern nicht am Intellekt, sondern weil sie sich nicht schnell genug eingewöhnen und fachlich nachlegen müssen. So können wir uns auch verborgene Talente sichern.“ Um ein solches Modell auszuweiten müssten aber die Regelstudienzeit verlängert werden.
Das sich mit einem solchen Einstiegsjahr das Studium um ein Jahr verlängert, hält Hippler für unproblematisch: „Die Zeit des Jugendwahns ist ohnehin vorbei. Die Wirtschaft hat erkannt dass sie nicht möglichst junge Leute will, sondern Persönlichkeiten“, sagte er. Das Zusatz-Jahr sei daher gut investiert.

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    Geht es nach Hippler, müssten die Universitäten zumindest in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) keine „berufsorientierte Bachelor“ ausbilden, das sei Sache der Fachhochschulen. Denn wenn an den Universitäten der Großteil der Studenten mit dem bachelor-Abschluss abginge, drohten „zwei Katastrophen“, warnte Hippler.

    Die Wirtschaft bekomme nicht mehr genug Naturwissenschaftler und Ingenieure, die forschen und entwickeln können. „Die versagen dann schon, wenn sich bei einer Brücke das Material ändert und sie dafür keine Formal haben.“ Und an den Unis breche wegen des Mangels an Doktoranden die Forschung zusammen. Als Konsequenz forderte der HRK-Präsident die Länder auf, keinesfalls länger Master-Quoten zu verordnen, „wie es etwa NRW tut“.

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    10 Kommentare zu "Sieben Milliarden Euro mehr: Run auf die Hochschulen ist teurer als gedacht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Action Mindset" hört sich auch viel cooler an als so ein Fach wie VWL, ey! Das will ich an meiner Hochschule auch studieren!

      Alter, Hammer! Das hat Niveau und Stil, ey - krass-cool!

    • Warum hat man eigentlich das G8 eingeführt. Ich bin eigentlich absolut für seinen Vorschlag eines Orientierungs-Freshman-Kurses, aber: im Endeffekt könnte man das an den Schulen günstiger anbieten, in dem man zurückkehrt zu G9 und dann dort gezielter vorbereitet. An den Hochschulen wird das evtl. teurer. nur mal so eine Idee. Vorbereitungskurse sind aber eine gute Sache und auch in anderen Regionen üblich.

      noch mal Berufsbachelor:

      http://www.bwpat.de/content/ausgabe/20/gerholz-sloane/
      http://www.bwpat.de/ausgabe14/gerholz_sloane_bwpat14.shtml

      Wissenschaft ist immer Fachsystematik gewesen, schon seit Jahrtausenden (Sumer), seit Aristoteles die Wissenschaft systematisch geordnet hat in der platonischen Akademie. Das scheint mir ein Kulturverfall zu sein.

      der Bachelor ist die Vorstufe zum Master. Wenn die Berufspädagogik ihre selbst ausgedachte Didaktik an die Hochschulen bringt,dann ist das eine Anpassung nach unten. Man passt die Bildung in DE immer nach unten an. Immer an die Hauptschule. Wenn ich den Bachelor nun an das dual training anpasse, dann ist das eine Anpassung nach unten an die Hauptschule.

      "Mein Alter hat früher Vwl studiert und Ick studier jetzt das Lernfeld "Action Mindset" Modul 1: in der Ausbildung/im Studium orientieren

      http://www.srh-hochschule-berlin.de/de/studium/business-administration-executive-mba/studieninhalte/

      mir ist das langsam zu klippschulig in DE - im Ausland gibts nachher noch Fachsystematik.

      wenn euch das nicht zu blöd ist - mir ist das zu klippschulig.

      man passt Bildung auch nicht nach unten an -- Anpassung des Bachelors an den Facharbeiter --- dann kann der Bachelor aber auch nicht mehr in EQR in Stufe 6, sondern muss auch in die 4


      http://coachingourselves.com/action-mindset

      Ick studier Action Mindset statt Vwl. Fit to lead!

      http://www.youtube.com/watch?v=sfMnshSFt1o&feature=related







    • Es wird wohl mal Zeit für eine Verfassungsklage, da ich noch für Bildung eigenes Geld bezahlen musste. Und irgendwelche weiterführenden Ansprüche hatte ich auch nicht.
      Ich glaube bald, DE verscherzt sich sämtliche Zukunft.

    • aber er hat ja Recht: es ist absolut beknackt sich die duale Ausbildung an die Hochschulen zu holen - umgekehrt hätte es laufen müssen - Teile der (dualen) Ausbildung wie die Krankenschwester, Logopädie, Ergotherapie u.a. müssen an die Fachhochschulen. Nicht das nachher ein paar geistig umnachtete Berufspädagogen auf die Idee kommen in der Hochschulbildung herumzumanipulieren.

      das was hier gerade läuft ist total beknackt. Geb es nicht noch einen NC hätten wir irgendwann die höchste Historikerdichte der Welt.

      im übrigen entstehen in manchen Bereichen Konkurrenzen zwischen Bachelor und Ausbildung, z.B. BTA und Bio-Bachelor. In vielen Ländern macht nunmal der Bachelor das, was hier so ein Ausbildungsabsolvent macht.

      die Demokratisierung und Massifizierung der höheren Bildung find ich aber gut und richtig. Das ist nunmal die Volksbildung. Immer mehr Bürger mit langer schulischer Bildung. Noch in den 1960ern gab es nur klägliche 9% mit langer Schulbildung. Das Weltwissen verdoppelt sich alle 5 Jahre. Das macht nichts, das breit zu streuen - das gehört sich sogar so. Da hat nunmal keiner ein Exklusivrecht drauf gepachtet. Nach langer Schulbildung muss nunmal tertiäre Bildung kommen und nicht noch mal die Hauptschule.







    • das mit dem Akademikermangel wurde erst thematisiert, als die OECD anfing, die internationalen Studienabsolventenquoten zu vergleichen, das begann so in den 1990er Jahren. Hierbei gab es aber ein kulturelles Missverständnis. Andere Länder mit Gesamtschulsystemen haben mehr Akademiker, weil die Sekundarstufe 2 (Upper Secondary) IMMER SCHULISCH absolviert wird, nicht beruflich. Daher werden die Berufe tertär/postsekundär studiert. In DE fehlt vielen Schülern die Oberstufe/Upper Secondary, sie wechseln gleich in den Beruf, während man das im Ausland erst nach Klasse 12/13, also nach langer Schulbildung macht. So gibt es im Ausland eben extrem viele Berufe an den Hochschulen, die in DE eine Ausbildung sind. Des Weiteren ist das Niveau dieser Studiengänge im Ausland höher als hier. Das ist der Akademikermangel - nicht mehr, nicht weniger. Die OECD hat nie gesagt, DE braucht mehr Historiker, Soziologen und Biologen, also nur jene die hier als hochqualifiziert deklariert werden.

      in meinem Bundesland wurde dieser Akademikermangel von der Politik nicht mal begriffen! ich amüsier mich königlich, wenn der ASTA ankommt und zu uns sagt "stellt euch vor, im nächsten Jahr sollen in eurem Fach noch mal 20% mehr Studenten sitzen" --- ob die danach alle genug Stellen finden bezweifel ich, denn die strömen zeitgleich in den Arbeitsmarkt. Man kann seine Schwemmen auch selbst produzieren.

      klüger wäre es gewesen die sowieso günstigeren Fachhochschulen auszubauen und das Angebot zu diversifizieren. Viele Berufe gehören akademisiert, die es noch nicht sind, weil mehr Qualität hineinmuss und es weltweit akademisch ist. Auch damit deren Absolventen in DE keine Nachteile haben, wenn sie sich ins Ausland bewerben wollen.

      anstatt als einfach überall 20% mehr Leute reinzuquetschen in Studiengängen wie Geschichte und Biologie, lieber an den FHs neue Programme ausbauen und damit die Qualität anderer Segmente steigern/professionalisieren.

    • Kein Mensch brauch Akademiker ? Habe gar nicht gewusst, dass Deutschland es sich leisten kann keine Forschung mehr zu betreiben. Mit unserer Masse an Bodenschätzen dürften wir das fehlende Know-How sicher leicht kompensieren können.

      Aber ja, ein bisschen Allgemeinbildung sollte das schon kompensieren. Entschuldigung, war das wirklich ernst gemeint ?? F&E Abteilungen einfach mit Leuten bestücken die eine gute Allgemeinbildung haben ?? Tiefergehende Fachkenntnisse sind unwichtig ??

      Das Abitur ist klar zu leicht geworden. Jobs für die früher Leute mit Hauptschulabschluss gut qualifiziert waren sind heute mit Realschülern und Abiturienten besetzt. Logischerweise braucht man dafür dann auch mehr Abiturienten, wodurch das Niveau gesenkt werden muss.

      Was alles mit mir Abitur machen durfte war doch sehr,... abenteuerlich ?

    • Experten verrechnen sich? Und das, wo Bildung alles ist und wir unbedingt alle Arbeitslosen nach Deutschland holen müssen, damit die Armen hier endlich die Bildung erhalten, wo sich die eigenen Länder weigern, dies zu machen. Jeder, der sich Experte nennt, man lese nur die Presse, muss 1 Billionen Euro Strafe bezahlen. Dies Geld muss für die Bildung verwendet werden.

    • O-Ton Hippler
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      "Gerade junge Leute aus den Krisenländern werden bei uns studieren wollen, weil sie hier auf einen Job hoffen.“ Das sei auch alles gut so, denn Deutschland „braucht ja mehr Akademiker“."
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      Kein Mensch braucht Akademiker.

      Und schon gar nicht mehr von diesen Dünnbrettbohrer, wie sie das (...) deutsche Bildungssystem seit Jahren liefert.

      Was man braucht sind Menschen mit huter Allgemeinbildung und dabei vor allem auch mit einem Verständnis für die mathematischen und physikalischen Grundlagen unserer Zivilisation.

      Das liefert das "System Hippler" aber nicht.
      +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

    • "Studenten können sich im ersten Jahr orientieren und Mathe- oder Physikkenntnisse verbessern, an denen viele scheitern."

      Mit anderen Worten: die Schulen taugen nichts mehr.

      Wenn jeder das Abitur bekommt darf man sich nicht wundern.

      Aus der Hochschule ist die Volkshochschule geworden.

      Was soll dieser Unsinn?

      Einfachste Lösung: Alle "Reformen" im Bildungswesen der letzten 50 Jahre rückabwickeln!

    • 5-7 Milliarden Euro...?
      Ziehen wir das Geld doch einfach aus unseren Anteilen für diese dämlichen Rettungsschirme raus,
      meinetwegen auch gleich 20 Milliarden damit die Universitäten mal etwas mehr Verbesserungen durchführen können.
      Diese paar Kröten...

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