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Sigmar Gabriel Vom „Siggi-Pop“ zum Erben Willy Brandts

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Wichtig ist ihm, dem gelernten Berufsschullehrer aus Goslar, eine behutsame Erneuerung. Schicksalsentscheidungen wie etwa das künftige Verhältnis der SPD zur Partei der Linken, will Gabriel nicht über das Knie brechen. Einerseits braucht er mit rot-rot-grün eine realistische Machtperspektive, anderseits kennt er die Widerstände des rechten SPD-Flügels gegen die Linke und weiß auch um die Skepsis der Wähler, vor allem im Westen. Ein rapider Kursschwenk zu rot-rot auch auf Bundesebene würde die SPD zerreissen

Gabriel, heute 50 Jahre alt, wuchs nach der frühen Scheidung seiner Eltern bei der Mutter auf, einer Krankenschwester. Zu ihr pflegt er bis heute eine enge Bindung. Als Kind litt er unter der Trennung der Eltern. Die SPD und vor allem die Jugendorganisation der Falken bildete deshalb für den sensiblen Jungen früh eine Art Ersatzfamilie. Seine Karriere bei den Sozialdemokraten verlief rasant. Mit 40 Jahren war er als niedersächsischer Ministerpräsident der jüngste Länderchef Deutschlands. Allerdings wählten ihn die Bürger nur drei Jahre später wieder aus dem Amt. In der Zeit nach 2003 kämpfte Gabriel mit dem Abstieg. Mehrfach holte er sich eine Abfuhr bei dem Versuch, auf Parteitagswahlen in die engere SPD-Führung vorzudringen. Als er in dieser persönlichen Krisenzeit die Aufgabe des Beauftragten für Jugend und Popkultur übernahm, um die alte Tante SPD wieder etwas mehr an junge Leute heranzuführen, erntete er Spott und Hohn. „Siggi Pop“, der Spitzname aus dieser Zeit, ärgert den schwergewichtigen Politiker noch heute.

Groß war deshalb die Überraschung, als ihm 2005 das Amt des Bundesumweltministers der großen Koalition angetragen wurde. Gabriel richtet alle Energie auf diese Aufgabe, kniete sich in die Details hinein und überraschte auch mit seiner Disziplin im Amt viele, die ihn als unberechenbar und leichtfüßig bewertet und schon abgeschrieben hatten. Mit einer geschickt inszenierten Anti-Atom-Kampagne im Wahlkampf und seinem schlagfertigen, oft scharfen Witz brachte er sich dann wieder für Top-Jobs in der Partei ins Gespräch. Den Vorsitz empfindet Gabriel mit Blick auf die schwierige Lage der Genossen als Last, aber auch als Ehre. Beim ehrfürchtigen Blick auf die lange Ahnengalerie der SPD-Vorsitzenden fühle er sich manchmal ganz klein, gestand der Niedersachse mit dem großen Ego jüngst in vertrauter Runde.

Einschüchtern lässt er sich aber nicht. Ohnehin sei sein eigentlicher Lebenstraum, einmal Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt Goslar zu werden, verriet er kürzlich bei seiner Feier zum 50. Geburtstag. Über einen weiteren Lebenswunsch spricht Gabriel selten, aber er beschäftigt den mit einer Magdeburger Zahnärztin liierten Politiker schon. Irgendwann brauche er genug Zeit für Kinder und eine eigene Familie, so Gabriel gegenüber Vertrauten, denn er wolle im Alter nicht einsam bleiben. Sein neues Amt als Krisenvorsitzender der SPD und die hohen Erwartungen als Retter der bedrohten Sozialdemokratie werden ihm nur wenig Zeit lassen.

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2 Kommentare zu "Sigmar Gabriel: Vom „Siggi-Pop“ zum Erben Willy Brandts"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • birne als gelungenes beispiel von Pfeife zum Staatsmann zu nehmen disqualifiziert den Kommentar von aruba von selbst. Als Verunglimpfung des begriffes Staatsmannl lasse ich es aber gelten.

  • Guten Tag,.........ich mag die SPD nicht ( mehr ). Aber es gab andererseits bei den Schwarzen mal eine birne die sich selbst "Enkel Konrad Adenauers" schimpfte. Trotzdem wurde er ein grosser Staatsmann. besten Dank