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Sigrid Nikutta „Klar, durchsetzungsstark, kompetent“ – Mögliche Bahn-Vorständin könnte zum Albtraum für Schaumschläger werden

Die Managerin soll die angeschlagene Cargo-Sparte der Bahn aus der Krise führen. Doch ihre Berufung ist umstritten.
28.10.2019 - 18:30 Uhr Kommentieren
Für diesen Auftritt kleidete sich die Managerin im Gelb der Berliner Verkehrsbetriebe – der Schal hat das Muster der Sitzbezüge. Quelle: imago images / photothek
Sigrid Nikutta

Für diesen Auftritt kleidete sich die Managerin im Gelb der Berliner Verkehrsbetriebe – der Schal hat das Muster der Sitzbezüge.

(Foto: imago images / photothek)

Düsseldorf Sigrid Nikutta hat ein Problem, das typisch ist für Berlin. Immer häufiger knöpfen sich Sprayer die U-Bahnen der Hauptstadt vor. Was die einen für Street-Art halten, bezeichnet Nikutta als Zerstörung von Gemeinschaftseigentum. Konsequent lässt sie die Schmierereien beseitigen. Kostenpunkt: vier Millionen Euro im Jahr.

Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe geht davon aus, dass konsequentes Handeln irgendwann zum Erfolg führt. Deshalb hält die 50-jährige Mutter von fünf Kindern auch an ihrem Ziel fest, eines Tages wieder bei der „großen Eisenbahn“ anzuheuern, als Vorständin der Deutschen Bahn. Für sie wäre es eine Rückkehr zum alten Arbeitgeber, für den sie 14 Jahre gewirkt hatte.

Nun bietet sich ihr die Chance, denn an diesem Mittwoch darf sie sich dem Personalausschuss des Staatskonzerns vorstellen. Gefragt ist Krisenmanagement: Der Aufsichtsrat und die Bundesregierung sehen mit Entsetzen auf den Niedergang der Gütereisenbahn, nach 190 Millionen Euro Verlust im vergangenen Jahr steuert DB Cargo erneut auf ein Defizit in dreistelliger Millionenhöhe zu.

Schlimmer noch: Es drohen Abschreibungen, die den gesamten Konzern tief in die roten Zahlen reißen könnten. Schon einmal, im Geschäftsjahr 2015, sorgte die Güterbahn für einen Konzernverlust von 1,3 Milliarden Euro.

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    Nikutta soll es nun richten – eine denkbar schwierige Mission, bei der schon viele Manager gescheitert sind. Managerin Nikutta würde sich auf schwierigem Terrain bewegen, denn sie geriete mitten in einen Führungs- und Richtungskampf. Soll die Bahn wie eine politische Staatsfirma geführt werden? Oder doch besser wie ein Wirtschaftsunternehmen?

    Nikutta kann beides. Seit neun Jahren steht sie an der Spitze der größten deutschen Nahverkehrsgesellschaft. Die BVG gehört dem Land Berlin und muss sich stetiger politischer Einflussnahme erwehren. Diesen Spagat zwischen Staatsbetrieb und effizientem Nahverkehr haben viele ihrer Kollegen in anderen Städten nicht so lange durchgehalten.

    Bei der Deutschen Bahn, die zu 100 Prozent im Besitz des Bundes ist, geht es kaum anders zu. Im Gegenteil: Die amtierende schwarz-rote Regierung hat in ihrem Koalitionspapier sogar festgehalten, dass Gewinne nicht mehr das vorrangige Ziel der Bahn sein sollen, sondern die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene. Nikuttas Gegner allerdings finden, die Gütereisenbahn sei „eine Nummer zu groß“ für die BVG-Frau. Namentlich nennen lassen will sich aber niemand.

    Nikutta dürfte auch deshalb nicht von allen mit offenen Armen empfangen werden, weil die gebürtige Polin forsch auftritt und kein Blatt vor den Mund nimmt. „Klar, durchsetzungsstark, kompetent“, loben ihre Befürworter. Und deshalb könnte sie für Schwätzer und Schaumschläger zum Albtraum werden, vermuten manche.

    Dritter Anlauf

    Die BVG-Chefin war bei der Bahn schon zweimal für Spitzenposten im Gespräch, letztlich aber scheiterte jedes Engagement am Widerstand einzelner Bahn-Vorstände und Aufsichtsräte. Ihr Image hatte dadurch massiv gelitten – umso erstaunlicher ist es, dass sie jetzt erneut antritt.

    Vielleicht hat ihr die Ausbildung über solche Niederlagen hinweggeholfen. Nikutta gilt als Frau und promovierte Psychologin gleich doppelt exotisch in der männerdominierten und technikverliebten Schienenbranche. Aber Technik ist ihre Leidenschaft.

    Mit 14 Jahren, sagt Nikutta über sich selbst, habe sie sich eine Schlagbohrmaschine gewünscht und einen Elektroschrauber bekommen. Große Enttäuschung. Auch ihre frühere Karriere bei der Bahn war eher ungewöhnlich. Anfangs arbeitete sie im Personalmanagement, zuletzt aber als Produktionschefin der polnischen Güterverkehrstochter.

    Gewerkschafter und Betriebsräte müssten Nikutta fürchten. Eigentlich. Tatsächlich zählen die Arbeitnehmer aber zu ihren Unterstützern. Sie hoffen auf jemanden, der ihre Nöte versteht und die Gütereisenbahn aus der Agonie befreit. Aber erst einmal gilt es, das Schlimmste zu verhindern. Ob Nikutta eine Chance bekommt, könnte der Aufsichtsrat am 7. November entscheiden.

    Mehr: Chaostage bei der Deutschen Bahn – Sigrid Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, soll im dritten Anlauf Cargo-Vorständin werden. Doch es knirscht mächtig im Vorstand um CEO Richard Lutz.

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