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Smart Meter Regierung bremst intelligente Stromzähler aus

Für die Smart Meter fehlt es hierzulande noch immer an der erforderlichen Zertifizierung. Die Branche beschwert sich bei Bundeswirtschaftsminister Altmaier.
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Eine flächendeckende Einführung der elektronischen Haushaltszähler wird sich weiter verzögern. Quelle: dpa
Intelligenter Stromzähler

Eine flächendeckende Einführung der elektronischen Haushaltszähler wird sich weiter verzögern.

(Foto: dpa)

BerlinIntelligente Stromzähler sind unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende. Sogenannte Smart Meter können dabei helfen, Stromflüsse zu steuern und dem Stromverbrauch die Spitzen zu nehmen. Damit unterstützen sie den einzelnen Stromverbraucher dabei, Kosten zu reduzieren. Und sie können gleichzeitig das gesamte Stromsystem effizienter und damit klimafreundlicher machen. Doch die großen Hoffnungen, die mit einem möglichst flächendeckenden Einsatz intelligenter Stromzähler verbunden werden, werden sich in Deutschland nicht so rasch erfüllen.

Während andere EU-Staaten den flächendeckenden Einsatz der Geräte vorbereiten oder sogar schon vollzogen haben, tut sich in Deutschland wenig. Der Hauptgrund: Bislang hat das für die Zertifizierung zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch kein Gerät zertifiziert.

In einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) seinem Ärger Luft: Der gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierungsprozess sei „strukturell problematisch“, heißt es in dem Brief von BNE-Geschäftsführer Robert Busch an Altmaier. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

Die „sehr hohen Erwartungen der Politik bezüglich des Sicherheitsniveaus der intelligenten Messsysteme und fehlende Vorgaben zu Zeit- und Kostenrahmen für die Zertifizierung“ hätten „zu überkomplexen Prozessen geführt“. Dadurch würden Innovation behindert.

Neue Regeln für Zertifizierung gefordert

Busch schlägt in seinem Brief an den Minister vor, den Zertifizierungsprozess grundlegend zu ändern. Das BSI solle künftig nur noch festlegen, welche Sicherheitsanforderungen von intelligenten Messsystemen zu erfüllen seien. Die Hersteller würden dann eine Selbstzertifizierung durchführen, wie es sie bereits im Eichrecht gebe. Wie die Anforderungen in Messlösungen umgesetzt würden, bleibe den Herstellern überlassen.

Im Gegenzug, so verspricht der BNE-Geschäftsführer, könne die Branche „sofort mit einem flächendeckenden Rollout intelligenter Messsysteme zu bezahlbaren Kosten loslegen“.

Bislang ist Deutschland beim Smart-Meter-Einsatz nicht sonderlich ehrgeizig. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, das nach sehr langem Ringen vor gut zwei Jahren in Kraft getreten ist, sieht den Einsatz nur bei solchen Abnehmern vor, die mindestens 6000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen. Zur Einordnung: Der durchschnittliche Privathaushalt mit vier Personen verbraucht 3500 Kilowattstunden pro Jahr.

Ein intelligenter Stromzähler erfasst exakt, wie viel Strom wann verbraucht wird, und verarbeitet, verschlüsselt und versendet die erfassten Daten zum Beispiel an den Messstellenbetreiber oder ein Energieversorgungsunternehmen. Die Geräte ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch optimal aufeinander abzustimmen.

Besonders für Netzbetreiber ist es bei der dezentralen und volatilen Erzeugung erneuerbarer Energie wichtig zu wissen, wann wie viel Strom fließt. Und die Daten, die die aus der Ferne ablesbaren Geräte liefern, können dazu beitragen, die Auslastung des Stromnetzes zu optimieren und teure Lastspitzen zu verringern.

Digitalisierung der Energiebranche stockt

Der BNE steht mit seiner Kritik nicht allein da. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnte erst kürzlich vor negativen Folgen, sollte die Einführung der smarten Messgeräte nicht endlich starten. „Durch immer weitere Verzögerungen droht die Akzeptanz verloren zu gehen, obwohl die Digitalisierung für die Energiewende unabdingbar ist“, hieß es beim VKU.

Bereits Ende vergangenen Jahres wandte sich der Verband zusammen mit dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einem Schreiben an die Bundesnetzagentur: Es sei „an der Zeit zu konstatieren“, dass bei der Smart-Meter-Einführung, „die zeitlichen Erwartungen nicht mehr erfüllt werden können“. Diese Kritik gelte heute noch uneingeschränkt.

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2 Kommentare zu "Smart Meter: Regierung bremst intelligente Stromzähler aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Die Daten sind das Geld der Zukunft" sagte der Vizepräsident des BSI bei einem Forum in Karlsuhe diese Woche zur IT Sicherheit in IT-Netzen von Energieversorgern. Und: weitere ausgewiesene Fachleute nennen die Cyber-Sicherheitslage in der deutschen Energieversorgung "katatrophal" (Umfrage des ZEW)! Aus diesem Grund ist es zwingend, daß das BSI die Oberhand bei dieser Thematik behält und die Zertifizierung der Smartmeter nicht aus der Hand gibt. Hier muß IT-Sicherheit absolut im Vordergrund stehen, auch wenn das der Industrie nicht paßt und sie lieber eine Selbstzertifizierung hätte (rein aus Eigeninteresse). Szenarien wie im Thriller "Backout" beschrieben sind absolut realistisch und diese müssen unbedingt vermieden werden!
    Für den Endverbraucher bringen die Smartmeter keinerlei erkennbare Vorteile, denn den Stromverbrauch von Einzelgeräten können diese (auch in Zukunft) nicht messen, das kann jeder selbst jetzt schon mit handelsüblichen Meßgeräten für die Steckdose tun). Und: mein Stromverbrauchszyklus würde sich mit Smartmeter nicht ändern, ein Smartmeter braucht man als Endverbraucher daher aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht.

  • Wir sollten über jeden Tag froh sein, an dem so ein Bescheißometer nicht in unserem Zählerschrank hängt.