Social-Media-Experte Faas „Das Internet vergisst nichts“

Immer mehr Politiker nutzen Twitter oder Facebook für die Verbreitung ihrer Botschaften. Warum diese Form der Kommunikation nicht nur neue Chancen eröffnet, erklärt der Mainzer Politikwissenschaftler Faas im Interview.
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Thorsten Faas ist Professor für Politikwissenschaft im Bereich Empirische Politikforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Quelle: PR

Thorsten Faas ist Professor für Politikwissenschaft im Bereich Empirische Politikforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

(Foto: PR)

Handelsblatt Online: Überrascht es Sie, dass sich Social Media als zusätzliche Form der Kommunikation offenbar nun auch in der Politik, vor allem bei Ministern, immer mehr durchsetzt?

Thorsten Faas (bei Twitter: @wahlforschung): Nein, überhaupt nicht. Auch früher haben sich in der politischen Kommunikation neue Kanäle etabliert, man denke nur an das Fernsehen. Interessant wird allerdings zu sehen sein, was sich ändert: Werden die Bindungen zwischen Wählern und Gewählten dadurch enger? Oder wird es ein „inner circle“ bleiben, der untereinander kommuniziert – via Twitter etwa.

Was macht den besonderen Reiz aus, Social-Media-Kanäle für die politische Kommunikation zu nutzen?

Zunächst einmal schafft es Möglichkeiten für Politiker, mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt in Kontakt zu treten - an klassischen Medien vorbei. Teilweise sind die Followerzahlen ja auch beachtlich. Theoretisch eröffnen sich hier auch Rückkanäle, die es bisher nicht gab. Inwieweit die aber genutzt werden und sich etablieren, wird man erst sehen müssen.

Wie steht die deutsche Politik in Bezug auf die Nutzung von Facebook, Twitter oder YouTube im Vergleich zu anderen Ländern da?

Grundsätzlich sieht das nicht schlecht aus, das zeigen ja auch die regelmäßig durchgeführten Studien zur Anzahl von Accounts und Tweets etwa. Der oder die nächste Kanzlerin wird sicher auch twittern. Und außerdem ist Twitter inzwischen auch hierzulande ein zitierfähiger Kanal, der von vielen Seiten – und eben auch von klassischen Medien – beobachtet wird.

Wofür eignen sich die diversen Web-2.0-Plattformen? Was bringen sie der Politik?

Kontrolle über die eigene Darstellung mit beachtlicher Reichweite in die Bürgerschaft hinein und das alles noch in einem modernen und als modern und zeitgemäß geltenden Umfeld.

Ist bei Twitter & Co. überhaupt seriös Politik möglich?

Klar.

Über Twitter kann theoretisch jeder User in eine Debatte mit einem Politiker einsteigen. Ist das Instrument somit auch ein nützliches Mittel, um der Politikverdrossenheit zu begegnen?

Grundsätzlich ja. Aber zugleich muss man auch fragen: Wollen wir einen Politiker, der mehrere Stunden pro Tag in Twitter oder Facebook investiert? Auch in Zeiten neuer Medien braucht es eine „gesunde“ Mischung zwischen Politik-Herstellung und -Darstellung. Zu erwarten, dass der Kanzler in Twitter-Echtzeit auf einen an ihn adressierten Tweet reagiert, ist geradezu fahrlässig.

„Risiken und Nebenwirkungen sehr überschaubar“
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