Sommer und Huber Gewerkschaftschefs rufen zum Kampf auf

Allgemeiner Mindestlohn, Daumenschrauben für Banken und höhere Abgaben für Reiche: DGB-Chef Sommer gibt den Kurs der Gewerkschaften vor. Die IG Metall will an diesem Mittwoch zeigen, wie stark ihr Kampfeswillen ist.
Update: 01.05.2012 - 14:33 Uhr 19 Kommentare
DGB-Chef Michael Sommer bei der Mai-Kundgebung in Stuttgart. Quelle: dapd

DGB-Chef Michael Sommer bei der Mai-Kundgebung in Stuttgart.

(Foto: dapd)

Stuttgart/Berlin/HamburgDGB-Chef Michael Sommer hat die Gewerkschaften auf einen harten Kampf gegen niedrige Löhne, die Macht der Banken und die schwarz-gelbe Bundespolitik eingeschworen. Bei der Hauptkundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai erhielt er dafür in Stuttgart tosenden Applaus. An einem allgemeinen Mindestlohn führe kein Weg vorbei: „8,50 Euro die Stunde - das ist Beton. Darunter geht gar nichts“, rief Sommer. Das Modell der Union, wonach sich Arbeitgeber und Gewerkschaften in Kommissionen auf einen Mindestlohn für Bereiche verständigen, in denen es keinen Tarifvertrag gibt, kritisierte Sommer als „halbseiden“.

Der DGB-Chef forderte außerdem Lohnerhöhungen für die Beschäftigten: „Nach Jahren von Reallohn-Verlusten in vielen Bereichen unserer Wirtschaft, nach Jahren der gemeinsamen Anstrengungen, dieses Land durch die Krise zu führen, Firmen und Arbeitsplätze zu retten, sind wir jetzt dran“, sagte er.

Hunderttausende fordern Mindestlohn

Auch bei der Gleichstellung der Zeitarbeiter würden die Gewerkschaften hart bleiben und dies notfalls zu einem zentralen Thema der Bundestagswahl machen. „Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Für Stammbelegschaften und Zeitarbeit. Und wenn wir das jetzt nicht kriegen, dann führen wir den Kampf eben noch ein Jahr weiter“, sagte Sommer.

Als falsche Politik auf dem Rücken der meisten Arbeitnehmer geißelte der DGB-Chef die Sparbemühungen im kriselnden Europa. „Denn es sind doch nicht die Menschen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern es sind die gierigen Eliten, die die Staaten ausgeplündert haben und es weiter tun und tun wollen“, sagte Sommer unter großem Beifall. Es gebe „nur eine vernünftige Möglichkeit, um eine Schuldenbremse überhaupt sozial gangbar zu machen. Die Steuern für Reiche müssen endlich wieder rauf“.

Nach Schätzung der Gewerkschaften nahmen an den Kundgebungen zum Tag der Arbeit insgesamt 400.000 Menschen teil. In dieser Zahl komme die Unzufriedenheit der Gewerkschaftsbewegung mit der Krisenpolitik der Bundesregierung und dem rigiden Sparkurs in Europa zum Ausdruck, sagte Sommer. Der Gewerkschaftsbund sprach nach Sommers Rede in Stuttgart von gut 5000 Teilnehmern. In Berlin beteiligten sich nach DGB-Angaben etwa 5000 Menschen an der traditionellen 1. Mai-Demonstration. Unter dem Motto „Gerechte Löhne - soziale Sicherheit“ zogen sie durch die Innenstadt zum Brandenburger Tor.

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19 Kommentare zu "Sommer und Huber rufen zum Kampf auf: „8,50 Euro - das ist Beton“"

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  • Tja, vielleicht erleben wir ja ein Wunder mit dem Mindestlohn: Die Zahl der Hartz IV-Aufstocker dürfte dann gegen 0 gehen. Und womöglich steigt dann die Nachfrage an, so dass immer mehr Arbeitsplätze entstehen und unser Leistungsbilanzüberschuss gemildert wird.

  • Sie stellen ein falsches Bild eines Gewerkschaftsfunktionärs dar.

    Wenn ein Gewerkschaftsfunktionär einem Aufsichtsrat angehört, so hat er die Ratsbezüge an die Gewerkschaft abzuführen. Sollte er dies mal 'vergessen', wird er namentlich in der Mitgliederzeitung an den Pranger gestellt.

    Trotzdem schönen Abend noch.

  • Hat sich Sommer auch vorher mit Frau Merkel abgesprochen? Er ist doch sonst immer mit ihrer Politik einverstanden. Ich wundere mich, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die in der Gewerkschaft sind. Haben die Gewerkschaften in letzter Zeit noch irgendetwas für die Arbeitnehmer getan? Die letzten Lohnerhöhungen waren doch allesamt nur Kuhhandel.

  • Wer glaubt allen Ernstes, dass Lohnverhandlungen in der Politik gut aufgehoben sind ?!?

    Fakt ist, überall wo sich die Politik einmischt und Dinge zum Wahlkampfthema macht, wird eine sachgerechte Lösung unmöglich.

    Das ist beim Mindestlohn nicht anders als in allen anderen Bereichen auch. Politische Profilierung geht vor sachgerechter Problemlösung. Eine wirklich dumme Idee!

  • So wie mir an Sommer der schlechte Gesundheitszustand auffällt, so sollte ihm aufgefallen sein, daß heute nur noch jeder 100. zur 1. Mai-Kundgebung kommt.
    Der Mitbegründer des Mietnomadentums, der höchstbezahlte Briefträger der Welt, der sich stets nach oben anbiederte, der spricht heute von einem Marshall-Plan? Hat er denn die Neue Heimat, den ehemals DGB-eigenen Baukonzern, aus seinem Gedächtnis gestrichen? Der DGB ist ein Teil des heutigen Elends und des Schuldenstaates Deutschland.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • @Durchgerechnet;
    1980 kam mein Ausbilder,Maurermeister auf einen Brutto-Stundenlohn von 28.50 DM
    Das was die Politik in den letzten 40 Jahren geleistet hat ,kommt einem Offenbarungseid gleich.

  • Außer Labereien zum 1 Mai bringt die Gewerkschaft doch nichts zustande. Unter Sommer und Birske haben sich die Strukturen und Rituale noch stärker verkrustet. Da ist der 85 jährige Papst noch dynamischer.
    Gibt es bei den Gewerkschaften noch den "deutschen Arbeitnehmer", oder ist der auch schon globalisiert worden? Wie sieht es mit der zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit aus zwischen Renten und Pensionen. (Ein krasses Beispiel vielleicht was mangelnde Demut erzeugen kann ist, das ein Pensionär sich dagegen verwahrte im MoMa als Rentner bezeichnet zu werden. Oton : Ich bin Pensionär, kein Rentner. Den Rentnern haftet ja jetzt schon das Stigma der Armut an, obwohl die ein bezahlt haben im Gegensatz zu den Pensionären.
    Nur zwei Beispielen von vielen wo ich jegliche Aktivität der Gewerkschaft vermisse. Das schreibt jemand der seit dreißig Jahren Gewerkschaftsmitglied ist.

  • oh Mann, diese Alt Sozis sind in den 70zgern stehengeblieben.
    Was diese Typen nicht berücksichtigen, ist, das die Anteileigner einer Firma bestimmt nicht auf Ihre Rendite verzichten, was heisst, es werden nach jeder "Lohnerhöhung" auch leute rausgeschmissen.

    Sommer und Bsirske sind m.M asoziale Penner, die Selters predigen und besten Sekt saufen.

  • Diese Gewerkschaftsbosse, wie DGB-Chef Sommer, oder Herr Huber und andere sollten hier beim Handelsblatt-Online ihre Einkünfte öffentlich machen. Die Jahreseinkünfte aller Spitzengewerkschftler liegen über € 500.000,00. Die Herren Sommer und Huber liegen bei € 1 Millon. Ist es dann noch glaubwürdig von den Herren, wenn diese Abzocker über Mindestlöhne propagieren? Warum werden die Branchenvereinbarungen von den Gewerkschaften nicht akzeptiert? Ich kann doch kein Mindestlohn über alle Branchen festlegen. Wie soll das gehen? Dieser Herr Sommer sollte dann auch mit Beispielen aufwarten. Herr Huber steuert einem Fiasko zu. 6,5% für 12 Monate Lohnerhöhungen, dagegen dann der Wegfall aller Prämienzahlungen. Also ein Minus von mindestens 4%. Können die Bosse nicht rechnen? Mit deren Schulbildung bestimmt nicht. Warum verlangt keiner plausible Beispiele von Herrn Huber? Beispiel: Lohnerhöhungen von 6,5% minus aller Prämienzahlungen = Ergebnis? Alle die jetzt sich an den Warnstreiks beteiligen, sollten sich selbst diese Rechnung aufstellen und die Abzocker in die Wüste schicken. Derartige Sommers und Hubers sind nicht mehr aktuell.

  • Wenn die Gewerkschaften was taugten, würden Sie gegen den Euro wettern und ihren Mitgliedern die Sozialdividende einer wirklich harten Währung gönnen. Aber es sind nur EUSSR-Ideologen!

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