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Sondergipfel Bundesregierung ruft Impfgipfel ein – Spahn erwartet „mindestens zehn harte Wochen“

Der Bundesgesundheitsminister will am Montag einen Impfgipfel mit Ländern und Herstellern abhalten. Ob das die Produktion kurzfristig steigern kann, ist zweifelhaft. 
28.01.2021 Update: 28.01.2021 - 14:39 Uhr 5 Kommentare
Der Gesundheitsminister plädiert für einen Sondergipfel zur Impfstrategie. Quelle: dpa
Jens Spahn (CDU) hört mit Schutzmaske bei der Plenarsitzung im Deutschen Bundestag zu

Der Gesundheitsminister plädiert für einen Sondergipfel zur Impfstrategie.

(Foto: dpa)

Berlin Angesichts heftiger Kritik aus den Ländern, vom Koalitionspartner SPD und der Opposition hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Impfgipfel vorgeschlagen. Auf Twitter plädierte er für ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten.

Dem hat sich auch die Kanzlerin angeschlossen: „Die Bundesregierung ist für einen solchen Impfgipfel, die Planungen laufen und werden noch heute mit den Ländern abgestimmt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Videokonferenz ist laut Regierungsangaben für Montag geplant.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) fordert, die Runde müsse gemeinsam dafür sorgen, „die Produktion und Verteilung von Impfstoff in Deutschland zu beschleunigen“. Die Impfung sei „der Ausweg aus der Pandemie“, deshalb müsse sie „nun endlich oberste Priorität haben“, mahnte der Finanzminister.

Hintergrund ist die massive Kritik am ausbleibenden Impfstoff. Auf EU-Ebene war zuletzt der Streit mit dem Hersteller Astra-Zeneca, der aktuell weniger liefern kann als zugesagt, eskaliert. Die Verhandlungen mit der EU-Kommission dauern an. Die europäische Arzneimittelbehörde Ema will an diesem Freitag entscheiden, ob sie dem Impfstoff der Firma eine Zulassung erteilt. Er wäre nach den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna der dritte Impfstoff in der EU.

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    Bereits am Donnerstag hat die ständige Impfkommission in Deutschland (Stiko) einen „Empfehlung-Entwurf“ abgegeben: „Danach ist eine Aussage für die Impfeffektivität des Astra-Zeneca-Impfstoffs bei über 65-Jährigen nicht möglich“, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Von den in den Tests 341 Geimpften dieser Gruppe habe sich zwar nur einer mit dem neuen Corona-Virus infiziert. Da die Zahl der Probanden aber nicht ausreiche, lasse sich daraus keine statistisch signifikante Aussage ableiten. 

    Doch auch der deutsche Hersteller Biontech und sein Partner, der US-Konzern Pfizer, haben Lieferschwierigkeiten. In Deutschland sind bislang lediglich rund 2,4 Prozent der Bevölkerung geimpft – in Großbritannien dagegen schon mehr als jeder zehnte. 

    Um seine Kritiker zu besänftigen, will Spahn zum Impfgipfel auch die deutschen Hersteller von Impfstoffen einladen, „damit sie erläutern, wie komplex die Herstellung ist“. Eine Impfstoff-Produktion lasse sich „nicht in vier Wochen mal eben aufbauen“. 

    Zugleich bot der Gesundheitsminister mehr Staatshilfe an: Die Hersteller sollten erläutern, „welche Kooperationen der Industrie untereinander es bereits gibt – und wo wir noch unterstützen können“. Dennoch warnte er: Durch die Knappheit des Impfstoffes stünden Deutschland „noch mindestens zehn harte Wochen“ bevor. 

    Unterdessen hat der Schweizer Pharmakonzern Novartis angeboten, bei der Produktion von Coronavirus-Impfstoffen und -Tests zu helfen. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit mehreren Unternehmen, um die Herstellung von Impfstoffen und Komponenten für Tests für Covid-19 zu unterstützen, und werden so bald wie möglich Einzelheiten mitteilen“, erklärte der Baseler Arzneimittelhersteller. 

    „Mir platzt der Kragen“

    Der Gesundheitsminister Schleswig-Holsteins, Heiner Garg, reagierte entsetzt auf die Ankündigung Spahns, wonach wegen der Knappheit des Impfstoffes noch mindestens zehn harte Wochen bevorstünden. „Mir platzt der Kragen“, sagte der FDP-Politiker dem Online-Dienst „shz“, „ich glaube, dass das der Bevölkerung nicht mehr zuzumuten ist.“ 

    Doch auch ein Spitzentreffen könne keine schnelle Abhilfe bringen, warnte die Stiftung Patientenschutz. „Ein Impfstoffgipfel wird den Menschen in Deutschland in den nächsten Monaten nicht eine zusätzliche Ampulle mehr bringen“,  sagte deren Vorstand Eugen Brysch, denn die Kapazitäten könnten nicht binnen zwei oder drei Monaten über den bisherigen Plan vergrößert werden.

    Wenn aber nun „zusätzliche Milliarden in die Hand genommen werden sollten, um mittelfristig weitere Produktionskapazitäten zu schaffen, kann das sinnvoll sein“, fügte er hinzu. Es bestehe dann aber auch das Risiko, dass die Impfstoffproduktion bis dahin ohnehin wie geplant hochgefahren sei und Zusatzkapazitäten gar nicht mehr gebraucht würden. Insofern könne ein Impfgipfel zumindest dazu beitragen, neuen Parteienstreit zu vermeiden. 

    Unterdessen sinken die Infektionszahlen weiter: Erstmals seit Langem fiel die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz wieder unter die Schwelle von 100 Infizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, meldete das Robert-Koch-Institut (RKI). Kurz vor Weihnachten waren es noch fast 200. Das Ziel der Politik ist ein Wert von weniger als 50, um wieder breite Lockerungen zuzulassen. 

    Allerdings verharrt die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle mit 941 weiter auf einem sehr hohen Niveau. Die Zahl der Neuinfektionen betrug am Mittwoch 17.553 , rund 2800 weniger als eine Woche zuvor. 

    Mehr: Vergabe von Impfterminen: Wiederholte Fehler sorgen für Unmut.

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    5 Kommentare zu "Sondergipfel : Bundesregierung ruft Impfgipfel ein – Spahn erwartet „mindestens zehn harte Wochen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mein Vorredner fragt: Wie kann man den Impfstart so versemmeln ?
      Wenn du solche Amateure ran lässt, die dann noch behaupten, es wird ein bischen ruckeln, wenn sie bereits alles, aber auch alles versemmelt haben.
      Jetzt kommt er mit der Aussage: Es sind noch mindestens 10 harte Wochen.
      Die Dumpfbacke, mit seinen Kumpanen hat wegen der miserablen Beschaffung mindestens 4 Wochen a ca 800 Tote pro Tag, also rund 25 000 Tote auf dem Gewissen !!
      Richtig gut wirds jedoch wenn in zwei bis drei Wochen die Israelis nahezu durch sind mit dem impfen und entsprechende Zahlen präsentieren.
      Ich wünsche dem Detlef spahn, dass spätestens dann die Bevölkerung in Berlin auf die Strasse geht um Ihn persönlich für das Versagen zur Rechenschaft zu ziehen.
      Vermutlich komm ich auch mit dem "Morgenstern"

    • Wie kann man eigentlich das wichtigste in der ganzen Pandemie - die Impfkampagne - welche unzählige Leben, Existenzen sowie den Wohlstand rettet, so versemmeln? Die einzige wirklich Aufgabe bestand darin das gut zu machen. Das ganze Lockdown Thema ist politisch super schwer und man kann quasi nichts wirklich richtig machen. Man muss immer abwägen - Freiheit vs Leben.
      Hat das denn keiner davor geplant? Wie kommt man denn jetzt darauf neue Kapizitäten zu schaffen? Das ist mind. 6! Monate zu spät.
      Ich hätte alle aussichtsreichsten Impfstoffkandidaten in riesigen Mengen vorproduzieren lassen. Manche davon hätten nicht gewirkt und wären entsorgt worden. Das ist ein Millardenverlust. Aber so what? Das sind Peanuts im Vergleich zu den Folgen (Monetär und vor allem Menschlich!!) dieser Miserie.
      Und im Endeffekt hätten die effektiven Kandidaten schnell zu Verfügung gestanden.

      Hat die komplette EU nichtmal nachgesehen ob die ganzen Impfdosen denn auch tatsächlich bei Astra-Zeneca auch liegen? Und wenn ja würde ich die schon aus sicherheitstechnischen Gründen im eignen Land bewacht Lagern.

      Mal wieder vollkommen versemmelt. Wahnsinn. Die Regierungen dieser Welt sind reinste Amateurvereine.

    • Wenn Spahn sagt ere rwarte noch „mindestens zehn harte Wochen“" dann klingt das wie die erfreute Aussage eines Masochisten der Gefallen daran hat.

    • Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bilde ich einen Arbeitskreis.
      Da kommen dann alle zusammmen, die seit Monaten -egal bei welchem Thema- kläglich versagen. Aber ein Haufen Blinder gibt halt leider keinen Sehenden.
      Die Welt hat zu uns Deutschen und unseren Fähigkeiten aufgeschaut. Die GroKo und die Grünen haben diesen guten Ruf zerstört. Mittlerweile werden wir nur noch belächelt.

    • Jetzt kommt die Abstimmung mit den Ländern. Damit kann man das eigene Versagen dann auf viele Schultern verteilen
      Ich hör die Pfeife schon: "Ich hab immer gesagt ...

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