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Sozialdemokraten Vor Stichwahl um Parteivorsitz: In der SPD liegen die Nerven blank

Zwischen den Teams Walter-Borjans/Esken und Scholz/Geywitz geht es hart zur Sache. Niemand in der Partei weiß, wie die Wahl am Samstag ausgeht.
29.11.2019 - 03:56 Uhr 1 Kommentar
Dem SPD-Kandidatenpaar werden große Chancen zugerechnet. Quelle: dpa
Klara Geywitz und Olaf Scholz

Dem SPD-Kandidatenpaar werden große Chancen zugerechnet.

(Foto: dpa)

Berlin Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sind am Donnerstagmittag in der Bundestagskantine gesichtet worden. Es gab ein Weihnachtsfestessen, Ente und Klöße mit Rotkohl. Die Stimmung der beiden jedoch soll nicht zum Festmahl gepasst haben. Beide aßen, schauten auf ihre Mobiltelefone und wechselten kaum ein Wort. Vor Bekanntgabe der Stichwahl um den SPD-Vorsitz am Samstag ist nicht nur bei den beiden Kandidaten für den Parteivorsitz, sondern auch bei der gesamten SPD die Stimmung angespannt.

Wobei das noch höflich formuliert ist. Die Nerven in der Partei liegen nach einem halben Jahr der Selbstfindung blank. Niemand weiß, wie die Wahl ausgehen wird. Es gibt keine Umfragen, nur Stimmungen. Und die variieren stark, je nachdem, wo man unterwegs ist.

In Berlin glauben viele Genossen, Vizekanzler Olaf Scholz und seine Teampartnerin Klara Geywitz werden das Rennen schon machen. Ihre Kampagne, ihre Auftritte in den Kandidatenduellen und die Unterstützung vieler Promi-Genossen würden schon ihre Wirkung zeigen.

Wer sich aber in NRW bewegt, hat den Eindruck, alle Welt sei aufseiten Walter-Borjans‘ und Eskens. Dass sich das Parteiestablishment hinter Scholz versammelt hat, wird dort eher als Wahlempfehlung für dessen Herausforderer gewertet.

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    Die Nervosität sorgte dafür, dass es in den vergangenen Tagen zwischen beiden Teams immer härter zur Sache ging. „Bin gespannt, ob SPD die Parteivorstands-Wahl überlebt“, twitterte etwa Henning Tillman, Digitalexperte mit SPD-Parteibuch.

    Ausgangspunkt der Reibereien war ein Interview Walter-Borjans‘ und Eskens in der „Bild am Sonntag“, in der sie die Verhandlungsführung von Scholz innerhalb der Koalition kritisierten. Eine Reihe von Abgeordneten machte daraufhin ihrem Ärger in der Fraktionssitzung Luft, kritisierte Walter-Borjans und Esken und die sie unterstützenden Jusos scharf.

    Die Kritik war aber noch harmlos gemessen daran, was in internen Zirkeln zu hören ist, insbesondere über Esken. Kraftausdrücke fallen da, es wird orakelt, Walter-Borjans habe seine Chancen, SPD-Chef zu werden, mit Esken an seiner Seite dramatisch verschlechtert. „Auch hier gilt: Augen auf bei der Partnerwahl“, sagte ein Genosse. Esken sei dem Parteivorsitz „null gewachsen“, in der Fraktion isoliert. „Wenn die beiden gewinnen und sie in die Bundestagsfraktion kommen, wird eisiges Schweigen herrschen“, prophezeit ein anderer Abgeordneter.

    Offiziell beteuern SPD-Politiker, sich hinter die Gewinner zu stellen, gleich, wer es wird. „Ich werde die neuen SPD-Vorsitzenden 100-prozentig unterstützen. Wer das nicht tut, hat den Schuss nicht gehört“, sagte Uli Grötsch, im Bundesvorstand einer von wenigen Gegnern der Großen Koalition. „Die Partei darf nicht gespalten aus dem Parteitag Anfang Dezember hervorgehen“, warnt auch der Abgeordnete Johann Saathoff.

    Belastetes Bündnis

    Doch viele fragen sich inzwischen, wie eine neue Parteiführung die beiden Parteilager versöhnen kann. Sollten Walter-Borjans und Esken gewinnen und die SPD aus der Koalition führen, fürchten viele den Totalschaden. „Dann ist die SPD für Jahre abgemeldet. Und der pragmatische Flügel mit“, sagt ein Genosse.

    Scholz würde es im Falle eines Sieges aber auch schwer haben. Er gilt nicht als jemand, der die Parteiseele streicheln kann. Und er hat im Rennen um den Vorsitz eine Reihe von Forderungen aufgestellt, die nicht im Koalitionsvertrag stehen. „Danach stumpf den Koalitionsvertrag abzuarbeiten, das funktioniert doch nicht“, sagte ein ranghoher CDU-Politiker.

    Gerade im größten Landesverband Nordrhein-Westfalen genießt das Kandidatenpaar große Zustimmung. Quelle: dpa
    Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken

    Gerade im größten Landesverband Nordrhein-Westfalen genießt das Kandidatenpaar große Zustimmung.

    (Foto: dpa)

    Wenn Scholz aber mit neuen Forderungen daherkommt, um die SPD zu einen, würde dies wieder das Bündnis mit der Union belasten. „Man darf sich nicht wundern“, sagt ein SPD-Abgeordneter, „wenn irgendwann die Union die Reißleine zieht, weil sie unsere Dauernörgelei nicht mehr ertragen kann.“

    Mehr: Punktsieg nach Überraschungsoffensive. Der sonst so blasse Scholz zeigt sich gegenüber der Konkurrenz besonders angriffslustig.

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    1 Kommentar zu "Sozialdemokraten: Vor Stichwahl um Parteivorsitz: In der SPD liegen die Nerven blank"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • tja, die Pöstchen sind halt doch wichtiger als eine gute sozialdemokratische Grundhaltung. Wenn ich daran denke, wie schon zu Riesterzeiten die gutgläubigen Bürger von der SPD "behandelt" wurden und nun macht diesselbe Partei auch noch Nullhaushalte auf Kosten derselben Sparer. Irgendwie sind die Wähler doch selbst schuld oder nicht?

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