Sozialdienst Hartz-IV-Empfänger sollen in Altenheimen aushelfen

Hartz-IV-Empfänger statt Zivis: Um mögliche Lücken in sozialen Einrichtungen nach dem Wegfall des Zivildiensts zu stopfen, sollen Arbeitslose aushelfen, so CDU-Politiker. Der Koalitionspartner FDP reagiert irritiert.
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Sozialexperten der CDU-Fraktion preschten am Samstag mit der Idee vor, um mögliche Lücken in sozialen Einrichtungen nach dem Wegfall des Zivildiensts zu stopfen. Quelle: dpa

Sozialexperten der CDU-Fraktion preschten am Samstag mit der Idee vor, um mögliche Lücken in sozialen Einrichtungen nach dem Wegfall des Zivildiensts zu stopfen.

(Foto: dpa)

BerlinHartz-IV-Empfänger sollen nach dem Willen von CDU-Politikern künftig in Pflegeheimen und Krankenstationen aushelfen. Sozialexperten der CDU-Fraktion preschten am Samstag mit der Idee vor, um mögliche Lücken in sozialen Einrichtungen nach dem Wegfall des Zivildiensts zu stopfen. Aus dem Bundesfamilienministerium kam aber prompt ein Nein zu jeder Art von „Zwangsdienst“. Auch der Koalitionspartner FDP reagierte irritiert und sprach von „Populismus pur“.

Der Vorstoß stammt von den Sozialexperten der CDU/CSU-Fraktion, Carsten Linnemann und Peter Tauber. Die beiden haben laut „Bild“-Zeitung (Online-Ausgabe) den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragt, die rechtlichen Grundlagen für eine ersatzweise Heranziehung von Hartz-IV-Empfängern im Sozialdienst zu prüfen.

„Es darf keine Denkverbote geben“, sagte Linnemann.

„Hartz-IV-Beziehern sollte zugemutet werden können, auch in Alten-, Pflegeheimen und Krankenhäusern zu arbeiten, um mögliche personelle Engpässe zu überbrücken.“

Aus dem CDU-Bundesvorstand kam Unterstützung für den Vorschlag.

Der Chef der Senioren-Union, Otto Wulff, lobte die Idee der Kollegen aus der Fraktion. „Selbstverständlich muss Hartz-IV-Empfängern zugemutet werden können, auch im sozialen Bereich zu arbeiten - zumal dann, wenn sich Befürchtungen bestätigen sollten, dass es zum Sommer nicht genügend Bewerber für den neuen Bundesfreiwilligendienst gibt.“

Hintergrund ist die beschlossene Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli. Damit gehen sozialen Einrichtungen die Zivildienstleistenden aus. Der Bundesfreiwilligendienst soll ihr Fehlen ausgleichen. Künftig sollen jährlich 35.000 Stellen in sozialen und ökologischen Einrichtungen vom Staat gefördert werden.

Zwtl: „Das geht nicht mit Zwang“

Das Familienministerium, das für den neuen Dienst zuständig ist, äußerte sich überrascht über die Initiative aus der CDU-Fraktion.

Beim Bundesfreiwilligendienst gehe es nicht um einen Zwangsdienst, sondern darum, „echte Freiwillige“ zu gewinnen. „Gerade im so sensiblen Dienst am Menschen brauchen wir Frauen und Männer, die das aus echter Überzeugung, mit Liebe und Engagement tun“, hieß es aus dem Ministerium. „Das geht nicht mit Zwang.“

Auch der Koalitionspartner ist nicht begeistert. Der FDP-Politiker Florian Bernschneider bezeichnete den Vorstoß als „Populismus pur“. So etwas sei mit der FDP nicht zu machen. Der Bundesfreiwilligendienst sei kein Arbeitsmarktinstrument. „Mit solchen Diskussionen schadet man der Sache“, kritisierte er. „Wer schon vor Beginn des Freiwilligendienstes nach Verpflichtungen schreit, braucht sich nicht wundern, wenn den Menschen die Lust am freiwilligen Engagement vergeht.“

Kritik kam auch aus der Opposition. Die Grünen-Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer sagte, Arbeitslose seien „nicht die Lückenbüßer“ für die „Hals-über-Kopf-Reform“ von Wehrpflicht und Freiwilligendienst.

 

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29 Kommentare zu "Sozialdienst: Hartz-IV-Empfänger sollen in Altenheimen aushelfen"

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  • ...und abgesehen mal davon, die H4-Empfänger werden schon bezahlt.

  • Denk daran wer die höheren Löhne/Gehälter bezahlen muss. Der kleine Michl kann sich für den demenzkranken Opa oder die gebrechliche Oma im Altenheim gar keine höheren Preise leisten.


  • Die Zivis waren auch keine qualifizierten Fachkräfte und freiwillig waren ihre Dienste auch nicht.

    Und was heißt schon "Lückenbußer"? Es geht gar nicht um´s Lücken füllen, es geht darum dass eine Gegenleistung für´s lebenslange Durchfüttern erbracht wird.

  • Soweit private und staatliche Altenheime wirklich einen Bedarf an ungelernten oder anzulernenden Pflegekräften haben, werden sie auf dem Arbeitsmarkt schnell Personal finden. Wenn sie denn die üblichen Löhne/Gehälter zahlen.

    Irgendwelche bürokratischen Pläne und Regeln sind absolut überflüssig. Somit ist eher anzunehmen, daß die Vorschläge in Wahrheit darauf abzielen, Arbeitslose für viel weniger als die normale Entlohnung zwangsweise zu verpflichten. Und das ist als verwerflich zu bezeichnen.

  • Sie werden lachen, aber dieses Land war freier und demokratischer als wir noch unsere gesamten Besatzer im Land hatten.
    20 Jahre nach der Wende muß ich leider sagen, die Wende hat für den Westen nichts gebracht, außer eine Wende zur neuen Diktatur, denn die alten SED-Kader haben unser Land übernommen und bestimmen heute die Richtung.

  • Dann würden die Träger der Altenheime ja nicht mehr so viele Gewinne einstreichen können.
    Wir haben doch längst eine 2. DDR. Der Staat bestimmt wo man arbeitet und zahlt die Löhne.
    In der DDR gab es ja auch keine Arbeitslosen obwohl sie z. T. keine Arbeit hatten.
    Der nächste Schritt wird sein, dass der Staat in Zukunft bestimmt was unsere Kinder zu lernen haben und wo. Wer sich gut verhält und vor allem schön auf der PolCor-Schiene ist, darf dann vielleicht auch noch studieren. War ja in der DDR auch so.
    Hartz IV wurde ganz bewußt eingeführt um billige Arbeitskräfte für die Wirtschaft zu haben. Eine wirkliche Arbeitsvermittlung in die jeweiligen Berufe durch das Arbeitsamt findet ja gar nicht mehr statt.
    Ausgenommen von diesem Arbitseinsatz sind natürlich unsere Kulturbereicherer. Die können kein Deutsch und die Frauen dürfen ja nicht, denn im Alenheim müßten sie ja auch Männer versorgen und das geht ja wegen der Ehre gar nciht.

  • Pflege in Altenheim? Jeder sollte min. 3 Monate dort arbeiten und man wird die Menschenverachtung, von den Politiker gewollt, erleben. Ich war dort 4 Monate als Zwangssklave der Arbeitsagentur tätig und stellte fest: Nur Bewahrung der Bewohner und Verachtung der Mitarbeiter, meist nur Aushilfen, fest. Ich will nie in ein Heim für Alte/Demenzkranke, da die Politiker nur noch
    Vernichtungslager für diesen Personenkreis wollen und dies nicht in der Öffentlichkeit nicht verbreiten wollen. Ich will nicht mit einer Pampers den ganzen Tag leben, da die Pflegekräfte dies angeordnet bekommen.

  • Diese "pseudo Experten" von der CDU würden noch nicht einen
    Tag auf einer Krankenstation durchstehen. Nur um sich zu
    profilieren werden solche schwachsinnigen Vorschläge in
    die Welt gesetzt.

  • Ich wünschte mir, der Autor des Artikels hätte besser recherchiert. Denn wenn man den Lebenslauf der bei beiden relativ jungen CDU-ler liest, dann fragt man sich, was Linnemann und Tauber zu Sozialexperten macht?! Linnemann war vor dem Bundestag bei der IKB Bank und Tauber war vor dem Bundestag bei der Deutschen Vermögensberatung AG.

    Die beiden als Sozialexperten zu bezeichnen ist in etwa so, als wäre Gaddafi Experte für Menschenrechte.

    Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, dass man genauer auf den Wahlzettel schaut und unabhängig von der Partei solchen Vertretern der Kapitallobby keine Stimme gibt!

  • Die Idee finde ich gar nicht so schlecht. Es muss aber auf freiwilliger Basis passieren und Harz IV Empfängern die Möglichkeit eröffnen hier eine berufliche Perspektive zu entwickeln. D. h. nach einer Zeit als "Freiwilliger" müsste es dann die Möglichkeit geben sich weiter zu qualifizieren und und hier eine bezahlte Tätigkeit im Sozialbereich aufzunehmen.

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