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Soziale Ungleichheit Ärmere Haushalte stehen in der Pandemie finanziell besser da als vorher

Zwei neue Studien zeigen, dass die Coronakrise nicht zu größerer Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen führt. Geringverdiener profitieren vor allem vom Kinderbonus.
10.12.2020 - 15:28 Uhr Kommentieren
Alleinerziehende hat die Regierung in der Krise besonders unterstützt. Quelle: dpa
Mutter mit Kind

Alleinerziehende hat die Regierung in der Krise besonders unterstützt.

(Foto: dpa)

Berlin Geringverdiener stehen dank der großzügigen staatlichen Corona-Hilfen in diesem Jahr voraussichtlich finanziell leicht besser da als vor der Pandemie. Auch wird die Ungleichheit bei den Einnahmen nicht zunehmen.

Darauf deutet eine gemeinsame Studie des Ifo-Instituts und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hin. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer eigenen Untersuchung zu ähnlichen Ergebnissen.

Zwar wirken sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise erheblich auf den Arbeitsmarkt aus. Im April waren rund sechs Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, im September nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) immer noch 2,2 Millionen.

Dadurch bedingte Einnahmeausfälle trafen oder treffen aber sowohl gut verdienende Industriebeschäftigte als auch Arbeitnehmer in Niedriglohnbereichen wie der Gastronomie. „Die Bruttoerwerbseinkommen dürften sich in diesem Jahr infolge der Covid-19-Krise für alle Einkommensgruppen spürbar verringern“, heißt es in der Ifo/IAB-Studie.

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    Allerdings hat die Bundesregierung den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und die Leistung aufgestockt. Zudem wurden Haushalte durch verschiedene zusätzliche Maßnahmen zumindest teilweise entlastet, beispielsweise den einmaligen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro, den erhöhten Einkommensteuerfreibetrag für Alleinerziehende oder den erleichterten Zugang zur Grundsicherung.

    Erwerbseinkommen gehen um drei Prozent zurück

    Insgesamt werden die Bruttoerwerbseinkommen nach den Berechnungen der Forscher dieses Jahr voraussichtlich um drei Prozent zurückgehen. Durch die staatlichen Hilfen reduziert sich das Minus bei den Haushalten der Erwerbstätigen auf nur noch 1,1 Prozent. Werden alle Haushalte berücksichtigt – also auch jene ohne Erwerbstätige –, verringert sich das verfügbare Einkommen nur um 0,1 Prozent.

    Teilt man die Haushalte nach Bruttoerwerbseinkommen gestaffelt in zehn gleich große Gruppen ein, so zeigt sich, dass das unterste Zehntel – also die Geringverdiener – mit mehr als vier Prozent die größten Einkommensverluste verkraften müssen. Berücksichtigt man aber das verfügbare Einkommen, also nach Steuern und Transfers, so können die untersten 20 Prozent in diesem Jahr leichte Zuwächse erwarten.

    Diese Einkommenszuwächse seien wesentlich dem Kinderbonus zu verdanken, schreiben die Forscher von Ifo und IAB. Er wird anders als das Kindergeld nicht auf die staatliche Grundsicherung, umgangssprachlich Hartz IV, angerechnet.

    Davon profitieren Arbeitslose oder Geringverdiener, die ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken. Bei Besserverdienern wird der Kinderbonus dagegen mit dem aus dem Kinderfreibetrag resultierenden Einkommensteuervorteil verrechnet.

    Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass ihre Simulationsrechnung für das laufende Jahr noch von einer V-förmigen schnellen Erholung der deutschen Wirtschaft ausgeht, die durch die starke Zunahme des Infektionsgeschehens seit Oktober infrage gestellt werde.

    Auch die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft kommen in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen bisher durch die Corona-Pandemie nicht zugenommen hat. „Ohne die umfassende Hilfe des Staates sähe der Befund allerdings anders aus“, schreiben sie.

    Staat verhindert Auseinanderdriften der Einkommen

    Die Einkommen der Haushalte aus Erwerbstätigkeit, Kapitalerträgen, aber auch dem Nettomietvorteil bei selbst genutzten Immobilien seien in der Krise pro Person und Monat um durchschnittlich 107 Euro gesunken, hat das IW ermittelt.

    Das verfügbare Einkommen – also jenes nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, ergänzt um staatliche Transfers – hat sich dagegen nur um zwölf Euro reduziert. Auch in der IW-Analyse haben die Haushalte in den beiden niedrigsten Einkommenszehnteln in der Krise sogar etwas mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr.

    Dazu trügen neben den genannten Krisenhilfen auch bereits seit Jahresbeginn geltende sozialpolitische Änderungen wie höhere Leistungen bei Hartz IV, Wohngeld und Kinderzuschlag bei. Dank der staatlichen Umverteilung habe sich die Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen durch die Pandemie nicht erhöht, heißt es in der IW-Studie.

    „Ohne die staatlichen Maßnahmen hätten wir eine größere Ungleichheit als vor der Krise", erläutert Koautor Maximilian Stockhausen. Entsprechend sinnvoll sei es, dass die Regierung auch in den nächsten Monaten nicht nachlasse, Firmen und Bürger zu unterstützen – so passgenau wie möglich, um unnötige Schulden und Fehlanreize zu vermeiden.

    Mehr: Studie: Je höher das Einkommen, desto geringer die Corona-Einbußen.

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