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Sozialpartnerschaft Warum Gesamtmetall-Präsident Dulger jetzt einen Streit über den Flächentarif lostritt

Der Präsident der Metallarbeitgeber hat vor einer weiteren Erosion des Flächentarifs gewarnt. Ein Warnschuss an die IG Metall vor ihrem Gewerkschaftstag.
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Der Gewerkschaft klare Kante zeigen. Quelle: imago images / photothek
Metallarbeitgeberpräsident Rainer Dulger

Der Gewerkschaft klare Kante zeigen.

(Foto: imago images / photothek)

Berlin Rainer Dulger ist bekannt für deutliche Worte. Vor ein paar Wochen erst hatte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall auf Wirtschaftsminister Peter Altmaier eingedroschen. Wäre Altmaier am Theater, müsste man wohl von einer „Fehlbesetzung“ sprechen, sagte der 55-Jährige. Sein Verband musste anschließend zurückrudern und klarstellen, dies sei nicht als Rücktrittsforderung zu verstehen gewesen.

Jetzt hat Dulger, lange vor der nächsten Tarifrunde, auf die IG Metall eingehauen. Die Gewerkschaft riskiere den Flächentarifvertrag, wenn sie mit ihren Forderungen weiter überziehe, sagte der Chef des Heidelberger Pumpenherstellers Prominent im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Arbeitgeber wie Gewerkschaft müssten ein Interesse an ausgewogenen Tarifergebnissen haben, sagte er. Die Kampfparität im Arbeitskampf sei aber längst nicht mehr gegeben, etwa weil die Gewerkschaft die Unternehmen in der letzten Auseinandersetzung mit den neuen Tagesstreiks schwer belastet habe.

Und wenn die IG Metall mit ihren Forderungen weiter so überziehe und Tarifverträge überfrachte, dann dürfe sie sich nicht wundern, wenn mehr und mehr Firmen aus dem Flächentarif ausscherten. „Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt“, sagte Dulger. Soll heißen: Sie müsste dann in jedem einzelnen Betrieb versuchen, ihre Forderungen durchzusetzen, und nicht mehr in der Fläche.

Dass Dulger lange vor der nächsten Tarifrunde schon so ausschlägt, ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Zwar läuft der Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie, den beide Seiten im Frühjahr 2018 ausgehandelt hatten und der auch eine Wahloption zwischen mehr Geld und mehr Freizeit enthält, noch bis Ende März 2020.

Doch Anfang Oktober will die IG Metall auf ihrem Gewerkschaftstag in Nürnberg die Leitlinien und tarifpolitischen Vorstellungen für die kommenden vier Jahre vorstellen. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann stellt sich dort zur Wiederwahl. Da kann es nicht schaden, vorher verbal schon mal ein paar Grenzen zu ziehen.

Das Interview als Retourkutsche?

Man kann das Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ aber durchaus auch als Retourkutsche verstehen. Denn Hofmann hatte Dulger jüngst auch persönlich angegriffen: Die Spitze von Gesamtmetall stelle „in keiner Weise einen adäquaten Gesprächspartner“ für die Gewerkschaft dar, heißt es in dem Anfang des Jahres erschienenen Buch „Miteinander für morgen“, in dem die IG Metall eine Bilanz der jüngsten Tarifrunde zieht.

Und es gebe im Verband „keine Persönlichkeiten, die eigene Perspektiven entwickeln und vertreten“. Der Vorwurf dürfte Dulger, der Hofmann vor Jahren selbst am Tariftisch in Baden-Württemberg gegenübergesessen hatte, schwer getroffen haben.

Hier liegt aber genau der Kern des Konflikts. Die IG Metall dehnt seit einigen Jahren ihren Gestaltungsanspruch aus – weit über reine Entgeltfragen hinweg. So hat sie etwa für eine Bildungsteilzeit gestritten oder zuletzt dafür, dass Eltern kleiner Kinder, Metaller mit pflegebedürftigen Angehörigen oder Schichtarbeiter kürzertreten können.

Die Tarifverträge sind so aber immer komplexer geworden. Für den letzten Abschluss haben Verband wie Gewerkschaft eigens Broschüren und Erklärvideos produziert. Und genau hier setzt Dulgers Kritik an: Viele, gerade kleinere Unternehmen seien mit der Komplexität und Regelungstiefe der Tarifverträge überfordert – und verabschiedeten sich deshalb aus dem Flächentarifvertrag.

Tatsächlich haben zuletzt die Mitgliedschaften ohne Tarifbindung (OT) stark zugenommen. Die Unternehmen treten zwar einem Metallarbeitgeberverband bei und nutzen dessen Service- und Beratungsleistungen, ohne sich aber dem geltenden Flächentarif zu unterwerfen.

Kritik von der SPD
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