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Sozialpolitik Geldnot oder Fachkräftemangel? Warum die Zahl der arbeitenden Rentner in Deutschland steigt

Die Zahl erwerbstätiger Rentner steigt laut Statistischem Bundesamt auf ein Rekordniveau. Die FDP fordert daher, starre Altersgrenzen beim Renteneintritt abzuschaffen.
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Von der Jahrtausendwende bis 2018 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner von 530.000 auf 1,45 Millionen. Quelle: dpa
Älterer Mann weißt eine Wand

Von der Jahrtausendwende bis 2018 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner von 530.000 auf 1,45 Millionen.

(Foto: dpa)

Berlin Ruhestand sieht anders aus: Mehr als 1,4 Millionen Rentner haben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr mit einer Erwerbsarbeit Geld dazuverdient. Nach Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Die FDP fordert daher ein flexibleres Renteneintrittsalter und die Abschaffung von Hinzuverdienstgrenzen.

„Die Zahl der Menschen, die auch im Ruhestand noch arbeiten wollen, hat sich seit der Jahrtausendwende fast verdreifacht“, sagte der rentenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, dem Handelsblatt. „Das ist eine gute Nachricht und zeigt einmal mehr: Starre Altersgrenzen beim Renteneintritt sollten endlich der Vergangenheit angehören.“

In Deutschland lege noch immer die Politik fest, wann jemand das Rentenalter erreicht. „Dabei sind die Lebensläufe und Berufswege so unterschiedlich, dass die Menschen am besten selbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen“, so Vogel.

Von der Jahrtausendwende bis 2018 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner von 530.000 auf 1,45 Millionen. Jeder Zwölfte verdient sich also heute im Ruhestand etwas hinzu. Etwa die Hälfte arbeitet auf 450-Euro-Basis, je ein Viertel ist selbstständig tätig oder geht einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit arbeitet in den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn noch fast jeder Dritte weiter. Frauen gehen demnach etwas häufiger einer Erwerbstätigkeit im Ruhestand nach als Männer.

„Die im Alter steigende Erwerbsbeteiligung kann als Ausdruck veränderter Lebensentwürfe einer aktiveren Teilnahme an Wirtschaft und Gesellschaft gewertet werden“, erklärte das Bundesarbeitsministerium. Neben finanziellen Gründen stünden bei den meisten erwerbstätigen Rentnern auch immaterielle Motive wie Freude an der Arbeit und Kontakt zu anderen Menschen im Vordergrund. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen, da sich Lebensentwürfe veränderten und die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer-Generation zunehmend in das Rentenalter kommen.

Geldnot als Motiv für Erwerbstätigkeit im Ruhestand?

Aus Sicht des Sozialverbands VdK zeigen die Zahlen vor allem aber auch, „dass viele Rentnerinnen und Rentner mit ihrem Alterseinkommen nicht über die Runden kommen und mit Hilfe von Minijobs versuchen, sich finanziell über Wasser zu halten“. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte dem Handelsblatt: „Regale auffüllen und Zeitungen austragen: Das sind Tätigkeiten, die man nicht ausübt, weil man Erfüllung in der Arbeit sucht.“

Für die Linkspartei steht ebenfalls Geldnot als Motiv für eine Erwerbstätigkeit von Ruheständlern im Vordergrund: „Wenn ein Drittel der Rentner und Rentnerinnen in den ersten drei Jahren arbeiten muss, weil die Rente nicht zum Überleben reicht, dann muss endlich die solidarische Mindestrente her“, teilte Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler mit. Die Linke fordert mindestens 1050 Euro monatlich für Rentner.

Die FDP sieht die Lösung dagegen in einem flexibleren Renteneintritt. „Ab dem 60. Lebensjahr entscheidet jeder selbst, wann er in Rente geht. Wer früher geht, bekommt eine geringere, wer später geht, eine entsprechend höhere Rente“, sagte Vogel zum Rentenkonzept seiner Partei.

Voraussetzung für den früheren Renteneintritt sollte lediglich sein, dass das Einkommen aus gesetzlicher Rente und sonstiger Altersvorsorge über dem Grundsicherungsniveau liegt – also das Existenzminimum abgesichert ist. „Darüber hinaus wollen wir die Hinzuverdienstgrenzen vollständig abschaffen, damit Bürokratie für die Menschen entfällt und ein gleitender Übergang und Teilrentenmodelle vollständig nach den eigenen Wünschen möglich sind.“

Das IAB kam in einer kürzlich vorgelegten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass besser ausgebildete Beschäftigte häufiger als Geringqualifizierte im Rentenalter weiterarbeiten. Oft seien sie weiter beim selben Arbeitgeber tätig. Hintergrund sei nicht zuletzt, dass sie wegen des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt noch gebraucht würden.

Auf der anderen Seite lasse sich eine Beschäftigung im Rentenalter auch häufiger bei Menschen feststellen, die im Alter von Mitte 50 besonders wenig verdient haben. „Dies erklärt sich auch daraus, dass diese Personen meist schon in der Vorruhestandsphase nur geringfügig beschäftigt waren und sich Minijobs aus steuerlichen und rentenrechtlichen Gründen leicht neben einer Altersrente fortführen lassen“, so Studienautor Christian Westermeier.

Die Empfehlung des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit an die Politik lautet: „Insgesamt sollte die Altersgrenze 65+ durchlässiger werden, um älteren Arbeitnehmern eine Weiterarbeit zu ermöglichen, ohne dabei diejenigen zu bestrafen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen an der Regelaltersgrenze aus dem Erwerbsleben ausscheiden.“

Mehr: Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt werden sich laut Experten positiv auf die Rentenbezüge im kommenden Jahr auswirken. Diese könnten um mehr als drei Prozent steigen.

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