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SPD Andrea Nahles gibt ihr letztes Interview als Politikerin „ohne Groll“

Die frühere SPD-Chefin gibt einem lokalen Anzeigenblatt ein Interview. Nahles gesteht darin, dass sie die Ereignisse der vergangenen Monate noch nicht verkraftet hat.
2 Kommentare
Nahles übernahm die Führung der SPD-Bundestagsfraktion im Herbst 2017. Parteichefin wurde sie im April 2018. Quelle: dpa
Andrea Nahles

Nahles übernahm die Führung der SPD-Bundestagsfraktion im Herbst 2017. Parteichefin wurde sie im April 2018.

(Foto: dpa)

Sinzig/Berlin Seit ihrem Rücktritt als SPD-Partei- und Fraktionschefin Anfang Juni hat sich Andrea Nahles beinahe komplett zurückgezogen. Bis auf einen Auftritt in einem Kloster meldete sie sich öffentlich nicht zu Wort, weder zur Großen Koalition oder zur Lage ihrer Partei äußerte sie sich, geschweige denn zum Rennen um ihre Nachfolge. Doch nun – kurz nach der Ankündigung, ihr Bundestagsmandat zum 1. November niederzulegen – stellte sie sich wieder den Fragen.

Heimatverbunden wie sie ist, wählte Nahles dafür nicht die Hauptstadtpresse, sondern ein Anzeigenblatt in ihrem Wahlkreis in der Eifel. „Das ist das letzte Interview, das ich als Politikerin geben werde“, sagte sie nach einem bereits am Montag erschienenen Bericht von „Blick aktuell“. „Damit ist die Geschichte „Andrea Nahles als öffentliche Person“ beendet.“

Nahles gestand mit Blick auf ihren Rücktritt ein, noch nicht so „ganz durch mit der Sache“ zu sein. Sie erlebe Hochs und Tiefs. „Aber ich schaue nach vorne.“ Sie habe eine Übergabe des Amts durchgeführt, „weil ich da Freunde habe, denen ich Gutes will“. So könne sie „besser damit umgehen, ohne Groll“. Dazu müsse sie jetzt aber einen „Cut“ machen.

Auf die Frage, wie Nahles' Tochter mit der Situation umgegangen sei, sagte die 49-Jährige „Blick aktuell“, zuerst sei sie traurig gewesen, „weil ich auch traurig war“. Aber jetzt freue sie sich, weil die Mutter endlich mal öfter zu Hause sei. „Aber ganz so idyllisch wird es nicht bleiben, wenn ich eine neue Aufgabe habe.“ Wie diese aussieht, dazu hielt sich Nahles bedeckt: „Ich weiß es nicht.“ Sie sei in Gesprächen, sagte sie dem Bericht zufolge. Beruflich in der Eifel bleiben, werde sie aber „wohl eher nicht“.

Auf die Frage, was von ihr wohl in den Geschichtsbüchern stehen werde, sagte Nahles dem Bericht zufolge: „Ich hoffe, der Mindestlohn.“ Und immerhin sei sie ja auch die erste weibliche Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag und die erste Vorsitzende der Partei nach 155 Jahren gewesen.

Nahles war mit einer Unterbrechung seit 1998 im Bundestag. Seit der Bundestagswahl 2017 führte sie fast zwei Jahre die Fraktion. Außerdem war sie von 2013 bis 2017 Arbeitsministerin und von April 2018 bis Juni 2019 Parteivorsitzende. Nach dem Desaster der SPD bei der Europawahl war Nahles stark unter Druck geraten – und hatte schließlich alle Spitzenämter niedergelegt.

425.630 entscheiden über neue SPD-Spitze

Die SPD lässt zurzeit ihre Basis über eine neue Parteiführung abstimmen. Von Anfang September bis zum vergangenen Wochenende haben sich die zuletzt sechs Kandidatenteams in Regionalkonferenzen öffentlich vorgestellt. Die 425.630 SPD-Mitglieder können bis zum 25. Oktober ihre Stimme abgeben. Am 26. Oktober soll das Ergebnis der Mitgliederbefragung präsentiert werden.

Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass keines der Kandidatenduos mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt. Dann gibt es eine Stichwahl, deren Resultat am 30. November vorliegen soll. Der entscheidende Parteitag ist vom 6. bis 8. Dezember in Berlin.

Mehr: Nahles scheidet zum 1. November aus dem Bundestag aus.

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2 Kommentare zu "SPD: Andrea Nahles gibt ihr letztes Interview als Politikerin „ohne Groll“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bei Ihrem späteren g e s i c h e r t e n Pensionsansprüche wäre ich auch
    o h n e Groll verschwunden.
    Nur 50% ihres finazziellen, gesichterten Einkommens würden Millionen von Rentner sehr, sehr gerne erhalten. Auch ohne Groll.

  • Schon irgendwie komisch: Sie hatte als Arbeitsministerin einige Ziele, die sie auch erreicht hat: Mindestlohn, Rentenreform. War also durchaus erfolgreich mit ihren Vorhaben. Was man von den Herren Dobrindt und Scheuer eher nicht sagen kann. Und die müssen wir immer noch ertragen.