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SPD-Chef Kurt Beck Der Notvorsitzende

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Der Pfälzer aus Bad Bergzabern erweist sich nicht als der moderne Parteiführer, den die sozialdemokratische Partei vor eineinhalb Jahren in Matthias Platzeck gefunden zu haben glaubte. Als Ersatz für den Kurzzeitchef hat sie mit Beck einen zwar physisch belastbaren Vorsitzenden erhalten. Doch kann der den Ruf des Übergangs- und Notvorsitzenden nicht abschütteln. Er agiert ohne Fortüne, ohne Charisma, bar jeden Gefühls für Timing – und ihm gebricht es an jeglichem Appeal für die Jüngeren. „Beck hat seine Chance bekommen, weil der Generationswechsel mit Platzeck gescheitert ist und keine Jungen in Sichtweite sind“, erklärt ein hohes Fraktionsmitglied Becks Amtsübernahme ex negativo.

Dabei stellt diese Negativbilanz die bisherige Karriere Becks auf den Kopf. Sein Wirken in Rheinland-Pfalz, mittlerweile schon im 13. Jahr, ist die Erfolgsstory eines sich aus eigener Kraft emporkämpfenden Underdogs. Mit unverkrampfter Verbundenheit mit den Pfälzern hat er das Land rundum erneuert, er bietet Ganztagsschulen, ein kostenloses Kindergartenjahr und drückt die Arbeitslosigkeit mit sieben Prozent auf die drittniedrigste Quote im Bundesgebiet.

Kein Wunder, dass Liberale wie Christdemokraten schon deshalb zu ergreifend positiven Urteilen kommen: „Beck ist der letzte Instinktpolitiker der SPD. Einer mit großem Gespür und Bürgernähe“, sagt ein Chef-Liberaler, der wegen seiner hohen Wertschätzung für den 58-jährigen Maurersohn nicht genannt werden will. Beck hat seinen Laden so gut bestellt, dass das konservative Obst- und Gemüseland für die Genossen nachhaltig urbar wurde. „Er verspricht keinen ,blauen Himmel über der Ruhr’. Er setzt sich durch, auch wenn er keine Visionen hat“, plaudert ein Schwarzer aus Kurpfalz. Tatsächlich: Außer der Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen, die Merkel ablösen soll, hat er keine Vision, keine Strategie anzubieten. Da das linke Milieu für die SPD weder Mehrheit noch Satisfaktion bereit hält, muss Beck auf die Wackelkoalition setzen. Dabei war es gerade seine unverblendete Realitätsnähe, die Beck vor Jahresfrist zum Angstgegner der Union machte. Kanzlerin Angela Merkel hat sofort den Pragmatismus des Rivalen erkannt. Des biederen Becks zutiefst zupackendes Wesen hat die Frau aus dem biederen Osten von Anfang an schätzen wie fürchten gelernt. In nicht wenigen Zügen erinnert sie der tief in der Heimat verwurzelte Mann an den anderen oft verspotteten „Dicken“ aus der Pfalz: Helmut Kohl.

„Er ist ähnlich strukturiert wie Kohl. Erkannt haben die meisten die Durchsetzungskraft erst, als er Kanzler wurde: Robust und derb sind beide und hatten einen steinigen Weg hinter sich gebracht, als sie zur Kanzlerschaft strebten. Beck ist wie Kohl extrem belastbar,ländlich konservativ und katholisch“, vergleicht auch ein Wegbegleiter Becks.

Verkehrte Welt? Landauf, landab wird gehöhnt: Beck will die Chance nutzen, Kanzler zu werden, die er nie hatte! Womöglich will er das genau jetzt. „Der Schlüssel zu Becks Erfolg liegt einzig und allein in der Frage, wie er die Gewerkschaften zur Stange zurückholt und für die SPD nutzt“, sagt ein Parteistratege. „Bekommt er das nicht hin, braucht er nicht weitermachen“, sekundiert ein Abgeordneter aus Bayern. Solche eindimensionale Analyse zielt darauf ab, die SPD müsse sich aus dem Sog der Schröder-Münte-Welle freischwimmen, der der SPD-Linken in die Hände spielt.

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