SPD-Familienministerin Barley will Frauenquote für Vorstände erzwingen

Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht – und so ist die Leitung von Unternehmen weiter meist Männerdomäne. Ändern Unternehmen dies nicht, könnten sie bald dazu gezwungen werden.
Update: 16.08.2017 - 16:23 Uhr 10 Kommentare
„Ich gebe der Wirtschaft noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln. Wenn sich bis dahin nichts tut, werden wir gesetzlich eingreifen“, so die Familienministerin. Quelle: Reuters
Katarina Barley

„Ich gebe der Wirtschaft noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln. Wenn sich bis dahin nichts tut, werden wir gesetzlich eingreifen“, so die Familienministerin.

(Foto: Reuters)

BerlinFamilienministerin Katarina Barley (SPD) hat der Wirtschaft mit einer Frauenquote für Unternehmensvorstände gedroht. „Ich gebe der Wirtschaft noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln. Wenn sich bis dahin nichts tut, werden wir gesetzlich eingreifen“, sagte Barley dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Ich hätte kein Problem mit einer verpflichtenden Frauenquote auch für Unternehmensvorstände.“ Offen blieb allerdings, wie Barley die Drohung notfalls realisieren will. Es ist unklar, ob die SPD nach der Bundestagswahl im September an einer neuen Regierung beteiligt ist.

Nach Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für die Privatwirtschaft ist der Frauenanteil in den Führungspositionen leicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt ein gemeinsamer Bericht von Familien- und Justizministerium, der am Mittwoch das Kabinett passiert hat. Danach stieg der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten der betroffenen Unternehmen binnen Jahresfrist von 25,0 (2015) auf 27,3 Prozent (2016).

Aktuelle Zahlen aus dem laufenden Jahr legten die Ministerien nicht vor. In den Vorstandsetagen bestehe allerdings noch „deutlicher Verbesserungsbedarf“. Auch in den Führungspositionen der Bundesverwaltung seien Frauen nach wie vor unterrepräsentiert.

Das lange umstrittene Gesetz war im Mai 2015 in Kraft getreten. Es verpflichtet rund 100 börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Großunternehmen seit dem 1. Januar 2016 zu einer Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten. Wird bei einer Neubesetzung die Quote nicht eingehalten und für einen frei werdenen Posten keine Frau gefunden, sollen Stühle unbesetzt bleiben. Für die wichtigeren Vorstandsposten gibt es keine Quote. Der Frauenanteil in den Vorständen liegt dem Bericht zufolge bei gerade einmal 6,1 Prozent.

Barley sagte dem RND: „Wir konnten jahrzehntelang beobachten, dass Selbstverpflichtungen nicht funktionieren.“ Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es bislang nicht. „In den Vorständen ist fast gar nichts passiert“, kritisierte sie. „Gerade mal sechs Prozent der Vorstände sind weiblich. Das geht so nicht weiter.“

Der frauenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, nannte Barleys Kritik indes verfrüht: „Viele Positionen waren in der Zwischenzeit noch gar nicht frei, um neu besetzt zu werden. Der erste Zeitraum, in dem sich ein Unternehmen eine Zielgröße laut Gesetz setzen musste, endete am 30. Juni 2017.“

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sprach von einem „echten Durchbruch“ und kündigte an: „In der kommenden Legislaturperiode müssen wir die Frauenquote ausbauen und anschärfen. Unser Ziel ist, dass Führungsgremien zur Hälfte von Männern und zur Hälfte von Frauen besetzt sind.“

Die Grünen nannten die bisher gültige Quote halbherzig. „Es ist bedauerlich, dass sich die Koalition nur auf eine Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte und nur für rund 100 Unternehmen einigen konnte. Wir wollen eine 40-Prozent-Quote für alle börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen, das sind dann immerhin rund 3500“, sagte die frauenpolitische Sprecherin Ulle Schauws.

In den Aufsichtsräten sind die Unternehmen nach früheren Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf gutem Weg. Auch frühere Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigten das. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der rund 100 Unternehmen, die zur Quote verpflichtet sind, bei rund 27 Prozent. Anders sah es bei den Vorständen aus. Bei denselben 106 Unternehmen lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte 2016 nur bei 6,5 Prozent, so das DIW.

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Barley würdigte die Quote insgesamt als „Erfolg für die gesamte Gesellschaft“. Die jetzige Regelung könne aber nur ein Anfang sein. „Denn dort, wo keine feste Quote gilt, bewegt sich nach wie vor zu wenig.“ Justizminister Heiko Maas (SPD) verwies auf die gute Ausbildung der heutigen Frauen-Generation. „Ihr Potenzial ungenutzt zu lassen, wäre ein gravierender wirtschaftlicher Nachteil.“

Nachholbedarf gibt es auch in der Bundesverwaltung. Obwohl dort 54 Prozent aller Beschäftigten weiblich sind, lag der Frauenanteil in den Leitungsfunktionen zuletzt bei 33 Prozent. Darüber hinaus räumt der Regierungsbericht ein: „Je höher die Leitungsebene, desto weniger Frauen“. Unionsfraktionsvize Nadine Schön (CDU) sieht hier noch „viel Luft nach oben“. Gerade der öffentliche Dienst müsse Vorreiter werden: „Bis spätestens 2025 wollen wir dort eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Leitungsfunktion auf allen Ebenen.“

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  • dpa
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10 Kommentare zu "SPD-Familienministerin: Barley will Frauenquote für Vorstände erzwingen"

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  • Korrektur : 700 Mio. € fordert die dafür.

  • Was ich nicht weiß – ist diese Barley auch so eine Quote, die es auf die Liste geschafft hat?

    Von der Ideologie her spricht einiges jedenfalls dafür.

    Gut. Dass die nichts mehr mit Familienpolitik zu schaffen hat. Wenngleich die das nicht daran hindert, ihren ideologischen Dreck nach Ganztagsbetreuung für alle „Grundschüler“ zu fordern. 70 Mio. will die dafür an Steuergelder verbraten – nur um den Grundschülern gleich den ganzen Tag die richtige „Denke“ einbleuen zu können.

    In die „Politik“ zu gehen macht übrigens keinen Sinn. Dieses „Politpack“ lässt sich nicht von innen bekämpfen.

  • In Zukunft helft nur die sozialistische Chirurgie, Schniedel ab, Job her.

  • "Im Gegensatz zur Union können Frau Schwesig, Frau Barley und ihre SPD moderne Frauen- und Familienpolitik! Weiter so!" Wähler und Wählerinnen sehen das offensichtlich anders. Aber was soll's, scheint so, als reite die SPD zur Zeit viele tote Pferde.

  • Keine selbstbewusste Frau will im Vorstand als "Quotilde" gebrandmarkt werden.
    Lasst den Unsinn privaten Unternehmen Leute im Vorstand aufzuzwingen, die sich
    nicht selbst dafuer qualifiziert haben und die dort auch sitzen wollen. Ich kenne eine
    Anzahl von Frauen, die eine Bereicherung fuer einen Vorstand waeren, aber die das
    aus familiaeren Gruenden nicht wollen. Wie es auch Persoenlichkeiten gibt, die
    eine Bereicherung fuer die Politik waeren, die sich aber aus persoenlichen Gruenden nicht zur Verfuegung stellen.

  • Im Gegensatz zur Union können Frau Schwesig, Frau Barley und ihre SPD moderne Frauen- und Familienpolitik! Weiter so!
    Es sind Wahlkampfzeiten:
    https://youtu.be/dOa-fcp74uU
    Die Ablehnung des Rückkehrrechts von Teilzeit auf Vollzeit ebenso wie des zum Familiengeld ausgebauten Elterngeldes im Rahmen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Verwässerung beim Unterhaltsvorschuss durch frauenfeindliche Teile der Union und frauenfeindliche Arbeitgeberverbände sind kurzsichtig und familienfeindlich!
    Eine Verbesserung ist immer möglich! Aber wo sind die Vorschläge?
    Darüberhinaus ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit nicht nur ein Gebot der Fairness und Gleichberechtigung, sondern überfällig! Das von der Union verwässerte " Lohngleichheits-Gesetz" von Frau Schwesig ist erst ein erster Schritt.
    Verbesserter Mutterschutz hilft Männern, Frauen und Kindern. Also her damit!
    Und mehr Frauen in den Führungsetagen von Wirtschaft und Verwaltung überwindet die Blockade-Haltung, mangelnde Kompetenz sowie unzureichende Kreativität und Sensibilität der männlichen Führungskräfte in Bezug auf intelligente, frauenkompatible Arbeitsbedingungen, um letztlich auch das ungenutzte Potential der Frauen für Wirtschaft und Verwaltung zu erschließen. Und solange das offenbar nur durch eine Frauenquote erreichbar ist, ist das eben der Weg! Auch wenn dieser im ersten Schritt wegen der frauenfeindlichen Blockade-Haltung der Union faktisch nur auf Aufsichtsratsebene durchsetzbar war!
    Also: Frauen an die Macht!
    Dass die Union nicht moderne Frauen- und Familienpolitik kann, muss eigentlich nicht schon wieder betont werden!

    Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4

    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

  • Es kommt nicht darauf an, was man zwischen den Beinen hat, sondern was man im Kopf hat, Frau Barley!

  • Wie wäre es, wenn Frauen sich diese Position mit kompetenter Arbeit verdienen? Es gibt genug weibliche Leistungsträger, man muss sie nicht an der Hand halten und besser qualifizierten Männern die Stelle verweigern.

  • Frau Barley, ich liebe Frauen, besonders die die nicht herrschsüchtig sind.
    Aber ist das ein aktuelles Thema was wichtig ist? Ich glaube es gibt wichtigere Themen die aktuell zu bewältigen sind.

  • Der nächst Schritt wäre dann die zwangsweise Einführung von Männerbordellen für Frauen.

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