SPD-Kanzlerkandidaten Jacke wie Hose

Eine Umfrage gibt Steinmeier bessere Noten als Gabriel: Doch wer Kanzlerkandidat wird, ist im Grunde egal. Denn in jedem Fall wird es für die SPD wieder eine Schlappe geben, meint unser Korrespondent Rüdiger Scheidges.
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Kein Grund zur Freude: Weder Steinmeier (links) noch Gabriel hätten wohl eine Chance gegen Angela Merkel. Quelle: ap
Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel

Kein Grund zur Freude: Weder Steinmeier (links) noch Gabriel hätten wohl eine Chance gegen Angela Merkel.

(Foto: ap)

So sang- und klanglos Frank-Walter Steinmeier 2009 im Bundestagwahlkampf untergegangen ist, so sehr arbeitet er sich anscheinend wieder in die Pole-Position zurück, um im nächsten Bundestagswahlkampf erneut eine todsicher böse Schlappe gegen die Kanzlerin einzufahren: Die Mehrheit der Bürger traut nach einer Umfrage eher Außenminister Frank-Walter Steinmeier als SPD-Chef Sigmar Gabriel zu, für die Sozialdemokraten die Kanzlerschaft zu erringen.

Steinmeier erhielt in der Emnid-Umfrage 51 Prozent der Stimmen, Gabriel als zweitplatzierter 34 Prozent. Unter SPD-Anhängern liegt Steinmeier mit 70 Prozent vorn, Gabriel muss sich hier gar den zweiten Platz mit 52 Prozent mit der nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore teilen. Also: Bye-Bye Sigmar?

Der Parteivorsitz als Schleudersitz
Kurt Schumacher
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Kurt Schumacher (1895-1952) war der erste SPD-Vorsitzende der Nachkriegsgeschichte. Zwischen den Weltkriegen war Schumacher als Redakteur tätig und vertrat die SPD im baden-württembergischen Landtag sowie im Reichstag. Politisch verfolgt, saß er zwischen 1933 und Kriegsende fast ununterbrochen in Konzentrationslagern. Im Mai 1946 wurde er von den SPD-Mitgliedern der drei Westzonen zum ersten Vorsitzenden gewählt. Unermüdlich griff er die Adenauer-Regierung an. Er verlangte von den Mitgliedern der SPD eine eiserne Parteidisziplin und war Verfechter des Fraktionszwangs. SPD-Politiker, die öffentlich eine abweichende Meinung vertraten, wurden von ihm scharf angegriffen. Schumacher, der im Ersten Weltkrieg einen Arm verlor und dem 1948 ein Bein amputiert werden musste, zog sich seit Ende 1951 aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr aus der Parteileitung zurück.

Wahlergebnisse

1946: 97,6 Prozent

1947: 99,7 Prozent

1948: 99,7 Prozent

1950: 97,7 Prozent

Erich Ollenhauer
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Erich Ollenhauer (1901-1963) gehörte nicht zu den charismatischen Parteiführern der Nachkriegszeit. Seine Zeit an der Spitze der SPD war durch das harte Brot der Opposition gekennzeichnet. Ollenhauer, zwei Mal Kanzlerkandidat, führte seine Partei zwar in die Vorhöfe der Macht, aber zur Regierungsverantwortung reichte es nicht. Aktiv unterstützte Ollenhauer das „Godesberger Programm“ von 1959, mit dem sich die SPD zur Volkspartei neuen Stils wandelte, und die erste Kanzlerkandidatur Brandts 1961. Trotz schwerer Krankheit blieb Erich Ollenhauer bis zu seinem Tod Parteichef.

Wahlergebnisse

1952: 98,3 Prozent

1954: 93,4 Prozent

1956: 97,1 Prozent

1958: 83,9 Prozent

1960: 89,9 Prozent

1962: 96,3 Prozent

Willy Brandt
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Willy Brandt (1913-1992) war am längsten SPD-Chef: 23 Jahre. Brandt war erst regierender Bürgermeister von Berlin, wurde 1966 Außenminister und Vizekanzler in der ersten Großen Koalition und schaffte von da aus den Sprung ins Kanzleramt: Die erste sozial-liberale Regierung mit der FDP kam 1969 zustande. Wegen seiner Ostpolitik, der Anerkennung der Ostgrenzen Deutschlands, verweigerten ihm mehr und mehr Abgeordnete die Gefolgschaft. Bei vorgezogenen Neuwahlen wurde die SPD erstmals stärkste Kraft vor der CDU. Für seine Ostpolitik und den symbolischen Kniefall von Warschau erhielt Willy Brandt 1971 als bislang letzter Deutscher den Friedensnobelpreis. Auch nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler, ausgelöst durch die Guillaume-Affäre, blieb Brandt SPD-Vorsitzender. Im März 1987 trat Brandt vom Parteivorsitz zurück, nachdem an seiner Nominierung von Margarita Mathiopoulos als Kandidatin für das neu zu besetzende Amt der Parteisprecherin harsche parteiinterne Kritik geäußert wurde. Zugleich wurde Brandt zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit gewählt.

Wahlergebnisse

Februar 1964: 97,0 Prozent

November 1964: 96,9 Prozent

1966: 99,4 Prozent

1968: 97,6 Prozent

1970: 96,1 Prozent

1973: 94,4 Prozent

1975: 97,4 Prozent

1977: 95,4 Prozent

1979: 90,0 Prozent

1982: 91,1 Prozent

1984: 92,6 Prozent

1986: 92,6 Prozent

hans-jochen vogel3
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Hans-Jochen Vogel (geboren 1926) führte die SPD durch die Zeit der Wende. Er war zwölf Jahre lang Oberbürgermeister von München, Bundesminister und Regierender Bürgermeister von Berlin. Bei den vorgezogenen Neuwahlen 1983 trat er als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl an – und verlor. Vier Jahre war er SPD-Chef, 1991 kandidierte er aus Altersgründen nicht mehr. Sein Bruder Bernhard Vogel ist CDU-Mitglied und war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen: Wegen ihrer Parteizugehörigkeit nannte man die beiden „Rotkehlchen“ und „Schwarzkehlchen“.

Wahlergebnisse

1987: 95,5 Prozent

1988: 98,8 Prozent  

björn engholm
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Björn Engholm (geboren 1939) hatte nur zwei Jahre den SPD-Vorsitz inne. Seit 1988 war er schleswig-holsteinischer Ministerpräsident und später designierter Kanzlerkandidat – bis er 1993 von all seinen Ämtern zurücktrat. Es war bekannt geworden, dass er von den gegen ihn gerichteten Wahlkampfmachenschaften seines Gegenspielers Uwe Barschel länger gewusst hatte, als er zuvor zugegeben hatte.

Wahlergebnis

1991: 97,4 Prozent

huGO-BildID: 2395697 MAN08:GERMANY-SPD,MANNHEIM,GERMANY,14NOV95- Rudolf Scharping, chairman of the opposition Social Democrats (SPD) addresses the an
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Rudolf Scharping (geboren 1947) war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, als ihn die SPD-Basis 1993 per Urwahl zu ihrem Vorsitzenden wählte. Er setzte sich dabei gegen seine beiden Gegenkandidaten Gerhard Schröder und Heidemarie Wieczorek-Zeul durch. Scharping wurde daraufhin auch Kanzlerkandidat, unterlag 1994 aber Helmut Kohl. Auf dem Mannheimer Parteitag im November 1995 unterlag er dann in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz dem damaligen Ministerpräsidenten des Saarlandes Oskar Lafontaine und wurde damit nicht im Amt bestätigt. Von 1998 bis 2002 war Scharping Verteidigungsminister, seit 2005 ist er Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Wahlergebnisse

Juni 1993: 79,4 Prozent

November 1993: 83,8 Prozent

Oskar Lafontaine
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Oskar Lafontaine (geboren 1943) ist der wohl schillerndste der ehemaligen SPD-Vorsitzenden: Er war 13 Jahre lang Ministerpräsident der Saarlandes und 1990 Kanzlerkandidat. Auf dem Parteitag in Mannheim 1995 hielt er eine leidenschaftliche Rede und gewann anschließend die Kampfabstimmung um den SPD-Chefposten gegen Scharping. Als Gerhard Schröder 1998 das Kanzleramt für die SPD eroberte, übernahm Lafontaine den Posten des Finanzministers – nur, um ihn und den SPD-Vorsitz ein halbes Jahr später niederzulegen. Er begründete den Schritt mit dem „schlechten Mannschaftsspiel“ in der Partei. Aus Kritik an den Hartz-Reformen trat er später ganz aus der SPD aus und zog für die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG) in den Bundestag ein. WASG und PDS gingen zur Partei Die Linke zusammen, Lafontaine wurde deren Co-Vorsitzender. Wegen einer Krebserkrankung konzentrierte er sich zuletzt wieder auf die saarländische Landespolitik. Für den Bundestag trat er 2013 nicht erneut an.

Wahlergebnisse

1995: 62,6 Prozent

1997: 93,2 Prozent

Steinmeier wird seit der Neuauflage der Großen Koalition von etwas getragen, was in der Geschichte der Bundesrepublik stets wirkte: vom Amt des Außenministers. Fast jeder deutsche Außenminister rangierte in Umfragen ganz, ganz oben in diesen Skalen der Beliebtheit bei den Bürgern.

Der Außenminister macht im Kreis der Mächtigen zumeist Bella Figura (wenn er nicht gerade entsetzlich schwäbelt oder kein Englisch kann), er gilt den Leuten mehr als (Krisen-)Manager denn als Politiker und sitzt sozusagen permanent und gut ausgeleuchtet im Schaufenster der Regierung.

Er ist der Liebling der TV-Anstalten und dabei stets in guter Gesellschaft mit ach so wichtigen Kollegen aus aller Welt zusammen! Wenn das nicht was hermacht.

Ganz im Gegensatz zu einem Wirtschaftsminister, einem roten zumal. Er ist, auch in der gesamten Geschichte der Republik, die Garantie für Unzufriedenheit und Streit: Er muss tagtäglich Kompromisse eingehen, sich also mit einer Vielzahl von Menschen und Lobbies herumschlagen, auf diese und jene Powergroup und dann auch noch die eigene Partei Rücksichten nehmen. Am Ende steht er dann doch als Flickschuster da.

Während der Außenminister in der Außenpolitik in Wahrheit nur der Botschafter der der Kanzlerin ist (sie allein hat letztendlich das Sagen, er lebt von nur geborgter Autorität!) muss sich der Vizekanzler und SPD-Parteichef und Rivale fast zwangsläufig in die Nesseln setzen. Unentwegt. Er wirkt wie ein Unruheherd auf die Leute, die viel lieber Ruhe haben: Lieb‘ Sigmar, magst ruhig sein!

Es bleibt nur noch das Charisma
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9 Kommentare zu "SPD-Kanzlerkandidaten: Jacke wie Hose"

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  • Der Pack Mann dürfte aus dem Rennen sein. als Kanzler muss man integrieren können und nicht spalten. Steinmeier zeigt in seinen rhetorischen Übungen schon sehr viel Talent. Sie sind an inhaltslosigkeit und Aussagelosigkeit der Kanzlerin weit überlegen. Die Zukunft der Politik liegt eh im Dadaismus. Die Merkel muss sich mit ihrer erstmaligen Positionierung in der seit Jahren drängenden Flüchtlingsproblematik warm anziehen. Da hätte sie besser nichtauf den Punkt kommen sollen. Das wir sie ordentlich Wähler kosten. So weit kann nicht mal die SPD nach links rücken um dies abzupuffern. Da können nur noch ein Paar verheerende Terroranschläge oder Unwetter kurz vor der Wahl helfen. Die illegale Völkerwanderung nach Deutschland dürfte nicht nur das Land und die Bevölkerun aufmischen sondern auch die Mehrheitsverhältnisse in Berlin.

  • Ist doch völlig egal, wer Kanzlerkandidat wird, unsre gesamte Politik hat abgewirtschaftet.
    Auch bei Merkel ist mehr und mehr erkennbar, dass sie nichts kann, dass sie nur dumm rumplapprt aber nichts tut.
    Also wer 2017 Kanzler wird, ist völlig wurscht.
    Abr vielleicht jkracht es bis dahin ja hier schon

  • Sehr richtig Herr Meyer und Lee,

    fehlt eigetlich nur noch Ströbele:

    " Gebt das Hanf frei"

    Auch das ist Plan von rot grünen Kiffern.

  • JA, WO LEBEN WIR DENN?

    Shakespeare hätte es mit "Much ado about nothing!" betitelt.
    Aber wenn potentielle Kanzlerkandidaten einer Partei die Bevölkerung pauschal als "Pack" tituliert und letztendlich die Wahlstimme erhofft, wie will dieser Sieg und die Position dann wohl benannt sein? Pack-Kanzler ginge.
    Und leben würden wir dann nicht mehr in Deutschland, sondern in

    PACK-ISTAN.

  • Klar gibts wieder ne schlappe für die Sozies.
    Unbegrenzte Leiharbeit durch Schröders Agenda , Paternostergesetzte, Frauenquoten, Landenteignungsgesetze in Schleswig Holstein, Megaverschuldung in Bremen, NRW, S-H, Koalitionsversuche mit SED Verbrechern ( Frau Ypsilanti), Naziverurteilung durch Gabriel wer es nur im Ansatz wagen sollte die Art und Weise der Flüchtlingshilfe anzuzweifeln, Abzockerkandidaten wie Steinbrück ,welche sich mal eben 2 Mio zusätzlich ( nachweislich) mit Honorarreden dazuverdienen mussten und dafür dem Bundestag ferngebllieben sind, als Kandidat schon mal mehr Geld als künftiger Kanzler angemeldet haben, verantwortete Schieflage bei dessen Ämtern und nebenberuflichen Aufsichtsratsposten bei KFW, Thyssen, Finanzministerposten bei Land und Bund, nirgends Erfolge zu vermelden ja mit solchen Protagonisten und Schauspielern wird das Land noch schneller in den Abgrund fahren- Schröder war schon eine Warnung was mit Arbeitnehmerechten passieren kann, bedient sich heut bei GAZprom und Rothschild, Koaltionspartner Joschi lässt sich von ausgerechnet amerikanischen Elite UNis und BMW fürstlich entlohnen wobei er doch jahrzehntelang dagegen war, Cem Özdemir vorbestraft wegen Steuerhinterziehung, Personaloberfuzzi Peter Hartz auch vorbestraft, Clement Geschäftführer bei grösster Leiharbeitsfirma Deutschlands
    Gute Nacht rot grün- auf ein neues Frau Merkel

  • Die Herren Politiker, bei leichter Brise kann jeder gut Kapitän spielen, aber i.M. kriegen die gar nichts auf die Reihe, ausser das der Dicke die Menschen beschimpft, hier in BW ist in 6 Monaten Landtagswahl, die werden sich noch ganz blöd umgucken,
    Wer hat uns verraten? : Die Sozialdemokraten !

  • Wer wird Kanzler. Ist doch egal, wer von der SPD antritt. Eine Partei, die ihre Klientel, die Arbeitnehmer mit Füßen tritt, ja verachtet, mit Steuern und Abgaben belastet, wie nie zuvor, hat gar kein Recht einen Kanzler zu stellen. Steinmeier und Gabriel sollten aus der Partei hinausgeworfen werden.

  • wer als Arbeiter noch SPD wählt, hat nicht alle Tassen im Schrank!

    Die Interessen der "Werktätigen" werden von dieser Partei seit ewigen Zeiten nicht mehr vertreten...........

  • Schon traurig, vor allem wenn man bedenkt, dass gerade in der Aussenpolitik wir ein massives Problem haben. Die Ukrainekrise hat Europa mit verbockt (wenn auch der Hauptschuldigen woanders sitzt). Die Flüchtlingskrise war auch absehbar, im Vorfeld hat Europa und Deutschlands nichts gegen die Lage unternommen (eigentlich waren uns die Leute ja egal). Sigi Pop hat sich auf das Thema Waffenexporte reduzieren lassen (und auch das hat er nicht gewuppt).

    Ab wann ist eigentlich dann so ein Wahlergebnis keine Niederlage mehr, sondern einfach nur normal für die Partei?

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