Stärkung der Binnennachfrage Familienunternehmer attackieren SPD

Der Kraftprotz Deutschland steht wegen seiner Exportüberschüsse in der Kritik. Brüssel sieht eine Warnschwelle überschritten und verlangt Gegenmaßnahmen. Doch was die SPD anbietet, vergrätzt die deutsche Wirtschaft.
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Lutz Goebel, Präsident des Verbands "Die Familienunternehmer": "SPD-Pläne entbehren jeder ökonomischen Vernunft." Quelle: PR

Lutz Goebel, Präsident des Verbands "Die Familienunternehmer": "SPD-Pläne entbehren jeder ökonomischen Vernunft."

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BerlinNach Einschätzung des Präsidenten des Familienunternehmer-Verbands, Lutz Goebel, sind die Konsequenzen, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) aus der EU-Kritik an den deutschen Exportüberschüssen zieht, fatal für den Standort Deutschland. „Es ist alarmierend, dass die Kritik aus Brüssel sowohl im Wirtschaftsministerium als auch im (ebenfalls SPD-geführten) Auswärtigen Amt auf fruchtbaren Boden fällt“, sagte Goebel Handelsblatt Online. „Der Versuch der SPD, die kostspieligen Rentenpläne und den schädlichen Mindestlohn als Turbo für die Binnennachfrage zu verkaufen, entbehrt jeder ökonomischen Vernunft.“

Die EU-Kommission hatte Deutschland am Mittwoch bescheinigt, dass der hohe Exportüberschuss Risiken für die europäische Wirtschaft berge. Die EU-Kommission fordert von der Großen Koalition, die Nachfrage im Inland anzukurbeln und das mittelfristige Wachstum zu stärken.

Das Thema Investitionen hat die neue Regierung längst selbst als Problem erkannt. In einem Papier des Bundeswirtschaftsministerium heißt es: Man werde die staatlichen Investitionen stärken und damit zum Abbau der Ungleichgewichte beitragen. Beispielsweise sollen die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur um fünf Milliarden Euro erhöht werden.

Und die Bundesländer sollen um sechs Milliarden Euro entlastet werden, damit die mehr für Kinderbetreuung, Schulen und Hochschulen tun können. Und schließlich soll der gesetzliche Mindestlohn dazu beitragen, dass die deutschen Verbraucher noch mehr kaufen können.

Die Rolle rückwärts bei der Rente werde langfristig dazu führen, dass die Bürger aufgrund steigender Rentenbeiträge eher weniger als mehr Geld in der Tasche haben, ist hingegen Familienunternehmer Goebel überzeugt. Zudem würden die höheren Lohnabschlüsse, die sich nicht durch gesteigerte Produktivität begründen lassen, auf Dauer der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schaden. „Ein vorübergehendes Lohnplus müsste in der Logik der SPD verpflichtend zum Konsum von Gütern aus dem Inland oder aus vorher festgelegten Ländern genutzt werden“, so Goebel. Doch das würden sich die Bürger aber nicht vorschreiben lassen.

„Und deutsche Unternehmer werden sich bei derart wirtschaftsfeindlichen Entwicklungen dreimal überlegen, wo sie ihr Geld investieren - und das wird dann in vielen Fällen nicht der Heimatmarkt sein“, ist sich Goebel sicher. Die Regierung müsste daher vielmehr dafür sorgen, dass die Erweiterungsinvestitionen in Deutschland steigen, fügte der Verbandschef hinzu. „Dann würde auch die Binnennachfrage nachhaltig anziehen.“

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10 Kommentare zu "Stärkung der Binnennachfrage: Familienunternehmer attackieren SPD"

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  • "Die Diskussion über den Handelsbilanzüberschuss verkommt zu einem riesigen Witz. Sollen die bestraft werden die gut sind!? Die Logik dahinter verstehe ich nicht..."
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    Das ist die gleiche, verquaste GrünSozen-Logik (das hat mit dem Parteinamen nichts mehr zu tun, ganz Berlin besteht nur noch aus GrünSozen), mit der hochbegabte Schüler systematisch ausgebremst werden, damit sich die Dummköpfe nicht so minderwertig vorkommen.
    Deutschland soll eben ausgebremst werden, damit die südeuropäischen Nichtskönner Anschluß halten können. Man schiebt Deutschland die Schuld für die eigene Unfähigkeit in die Schuhe. Ist doch sehr praktisch!

    Wie ich schon mal schrieb, solche Ungleichgewichte entstehen nicht dadurch, daß deutsche Waren gut und gefragt sind, sie entstehen dadurch, daß man sich einen Mercedes auf Pump kauft, obwohl man sich nur einen Eselskarren leisten kann.
    Das ganze erinnert mich irgend wie an die Fabel von der Grille und der Ameise:

    »So!« sagt die Omeis hinwiderum; »so bist du gar ein saubrer Gesell! Hast du im Sommer können singen und pfeifen, so tu anjetzo im Winter tanzen und leide darneben gleichwohl Hunger; denn das Faulenzen bringt kein Brot ins Haus.«
    Jean de la Fontaine

    Wer innerhalb der EU resp. Eurozone die Grille und die Ameise repräsentiert, liegt wohl auf der Hand.

  • Die Diskussion über den Handelsbilanzüberschuss verkommt zu einem riesigen Witz. Sollen die bestraft werden die gut sind!? Die Logik dahinter verstehe ich nicht...
    Das wäre so als würde man Usain Bolt vorschreiben er muss langsamer laufen, dass es den anderen mehr Spaß macht.

  • Der deutsche Staat (deutschen Bürger) haben IMMER noch einen Schuldenstand von 2 Billionen Euro. Tendenz weiter stark steigend!
    In dem der Staat (Bundesregierung) also seine Wirtschaft (Export und Handel) kastriert, soll also der Schuldenberg von 2 Billionen Euro abgetragen werden....bin mal gespannt, wie das gehen soll...

  • "....entbehren jeder ökonomischen Vernunft."
    Lieber Verbandsboss, sie scheinen gerade vom mars gekommen zu sein! Wie sonst kaemen sie denn sonst auf die Idee, dass Politik mit Oekonomie was zu tun hat, oder gar mit Vernunft?
    Die Politdarsteller haben absolut nur einen einzigen Auftrag! Das Vermoegen ihrer Auftraggeber zu vermehren und das ist nicht das Volk, welches sie auspluendern, sondern einige wenige Finanzoligarchen, die aber man merke auf, mehrheitlich deutsche Wurzeln haben! Also bleibts doch in der Familie, nur in anderen, allerdings blutverschmierten Haenden!


  • Zitat: Um dem entgegenzuwirken könnte der deutsche Staat mehr für Investitionen im Inland ausgeben, zum Beispiel für Schulen oder neue Straßen. Die deutschen Unternehmen würden dann mehr Aufträge aus dem Inland bekommen und müssten weniger ins Ausland exportieren - der Außenhandel würde sich in Richtung „Gleichgewicht“ bewegen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt deshalb: „Die große Investitionslücke ist der Hauptgrund für die hohen Exportüberschüsse Deutschlands.“

    So so, der "Staat" (also der Steuerzahler) soll mehr Geld ausgeben, sprich mehr Schulden machen. Völlig logisch, das bringt, zusätzlich zum boomenden Export, auch noch mehr Binnenaufträge. Klar, dass das aus Sicht der Wirtschaft das optimale ist.

    Zusammengefasst: Der Arbeitnehmer hat seit mehr als 10 Jahren auf eine Beteiligung an den Produktivitätsfortschritten verzichtet und aufgrund dieses Lohndumpings die Exportüberschüsse erst ermöglicht. Und jetzt soll er noch, über eine steigende Staatsverschuldung, die Korrektur dieser Überschüsse herbeiführen. Und wird ein zweites mal benachteiligt.

    Für wie blöd soll man eigentlich hier verkauft werden?

    Auf diese Art von Sozialismus können auch nur die Wirtschafts-Lobbyisten kommen. Und hinterher jammert man dann über die nicht mehr vorhandene Schuldentragfähigkeit. Und über die zunehmende Ungleichverteilung der Vermögen in Deutschland.

    Oder ist vielleicht eher das richtig:

    Die Lohnzurückhaltung der deutschen Arbeitnehmer ist der Hauptgrund für die hohen Exportüberschüsse Deutschlands

    Also, Löhne und Gehälter rauf (innere Aufwertung) -> der Exportüberschuss reduziert sich, die Binnenanteil am BIP steigt.

    Alternativ die DM wieder einführen. Dann regelt sich das über den Wechselkurs (äußere Aufwertung). Aber das fürchten die Wirtschaftslobbyisten wie der Teufel das Weihwasser, denn Lohndrücken ist machbar, Wechselkurs drücken eher nicht.

  • Wo werden zum Beispiel gegenwärtig große Investitionen der Automobilindustrie getätigt ?
    Doch wohl hauptsächlich nicht mehr in Deutschland.
    Wer profitiert von der besonderen Exportstärke Deutschlands ? Doch wohl nicht der Durchschnittsverdiener. Aber er und andere Bevölkerungsgruppen tragen die steuerlichen Hauptlasten, währendessen die Wirtschaft zu einseitig und immer wieder nur entlastet wird. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.
    Aber auch die Einführung eines Mindestlohns wird nicht wesentlich dazu führen, dass die Binnenkonjunktur deutlich angekurbelt wird.
    Nein, nötig ist eine grundlegende Reformierung des Steuersystems, zu der vor allem Entlastungen der unteren Einkommensschichten gehören bis hin zum Nachdenken darüber, ob man dann im Zuge steuerlicher Bereinigungen nicht auch über eine Reduzierung der Mehrwertsteuer nachdenken muss. Wenn das reale Nettoeinkommen im Durchschnitt im Jahre 2013 erneut wieder gesunken ist, dann sagt das alles.

  • 200 mrd exportüberschuss und nur 500 mrd target II saldo. Na sowas....

  • Erst mit der Rot Grünen Agenda 2010 sind die massiven Exportüberschüsse angefangen. Mit der Agenda 2010 wurden und werden die Konsumenten entreichert, während die Konzerne und Reichen bereichert wurden. Die Konsumenten können daher weniger Ausgeben, und die Konzerne und Reichen legen die dicken Gewinne im Ausland an. Der Trend zu immer höheren Exportüberschüssen wird auch weiter anhalten, da der Staat den Konsumenten immer mehr durch Gebührenerhöhungen weg nimmt. Damit hat die DE Wirtschaft aber keine Probleme.

  • Die Unternehmen müssen sich bei Merkel und der Union beschweren. Diese haben die SPD zum Partner auserkoren. Die Folgen waren doch absehbar!

  • "Jede Maschine, die zum Beispiel Frankreich in Deutschland kauft, sichert Arbeitsplätze in Deutschland – aber eben nicht in Frankreich. Schon 2010 hatte sich Frankreich beschwert, das exportstarke Deutschland müsse mehr im Ausland einkaufen, um die schwächeren Länder Europa stärker zu unterstützen."
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    Was sollen wir denn im Ausland einkaufen? Schlechte französische oder italienische Autos? Und soviel Schafskäse, Olivenöl, Paprika und Tomaten können wir gar nicht verkonsumieren, daß sich das auf die Handelsbillanz auswirkt.
    Deutsche Produkte werden nachgefragt, weil sie *gut* sind, nicht, weil sie billig sind.
    Wo sind denn bitte die High Tech Waren aus dem Club Med, die man hier kaufen könnte? Solche Güter kommen entweder aus dem eigenen Land oder aus Japan, Taiwan oder Südkorea, vielleicht noch den USA, aber bestimmt nicht aus der Rotweinzone.

    "Um dem entgegenzuwirken könnte der deutsche Staat mehr für Investitionen im Inland ausgeben, zum Beispiel für Schulen oder neue Straßen. Die deutschen Unternehmen würden dann mehr Aufträge aus dem Inland bekommen und müssten weniger ins Ausland exportieren - der Außenhandel würde sich in Richtung „Gleichgewicht“ bewegen."
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    M.E. ist das Blödsinn. Firmen, die solche Aufträge annehmen wie Infrastrukturpflege, arbeiten gewöhnlich auf lokaler Ebene und exportieren ohnehin nichts. Solange Steuergelder ungehemmt in den Euro-Zirkus fließen, ändert sich hierzuland nichts. Da bleibt nämlich nichts für die Pflege und Renovierung der Infrastruktur.

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