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Skyline von Berlin

In Sachen Steuerpolitik ist Deutschland auf den vorletzten Platz zurückgefallen.

(Foto: Reuters)

Standortwettbewerb Schlechter als Portugal – Familienunternehmen finden Deutschland immer unattraktiver

In einem Ranking der attraktivsten Standorte für Familienbetriebe rutscht Deutschland weiter ab. Der größte Kritikpunkt ist das Steuersystem.
3 Kommentare

BerlinOlaf Scholz (SPD) und Selbstzweifel, das passt aktuell nicht zusammen. Deutschland geht in Jahr zehn eines nicht enden wollenden Aufschwungs, deutsche Unternehmen erzielen hohe Gewinne. Steuersenkungen für Firmen hält der Finanzminister daher nicht für nötig. „Wir haben ein modernes Unternehmenssteuerrecht, wie uns immer wieder alle bescheinigen“, sagt er.

Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hält Deutschland hingegen für immer weniger wettbewerbsfähig. Demnach rutscht die Bundesrepublik im Ranking der attraktivsten Standorte für Familienbetriebe im Vergleich zu 2016 um vier Plätze ab.

Nur noch Platz 16 belegt Deutschland unter den 21 untersuchten Staaten – und damit die schlechteste Position in der zwölfjährigen Geschichte des Rankings. Zentraler Grund: der steuerpolitische Stillstand.

„Deutschland hat im internationalen Vergleich insgesamt erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, auch wenn das noch durch die gute Konjunkturlage verdeckt wird“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die Ergebnisse des Länderindex Familienunternehmen müssten ein Weckruf für die Bundesregierung sein, so Kirchdörfer.

So verliert Deutschland laut der Studie immer mehr den Anschluss an die Schweiz, die ihren ersten Platz vor Großbritannien und den USA verteidigen konnte. Aber auch Polen, Belgien, Ungarn und selbst Portugal – das noch vor einigen Jahren vor der Pleite bewahrt werden musste – sind an Deutschland vorbeigezogen.

Führend ist Deutschland demnach nur noch bei den Finanzen. Die stabile Finanzlage des Staates werde von Familienunternehmen inzwischen „als großer Vorteil des deutschen Standorts empfunden“.

Doch in allen anderen Bereichen sind die Standortbedingungen bestenfalls durchschnittlich. So liegt die Bundesrepublik bei der „Infrastruktur“ nur im Mittelfeld. Die Qualität von Straßen, Schienen und Brücken wird von Familienunternehmern „kontinuierlich schlechter“ eingeschätzt, heißt es in der Studie. Deutschland brauche daher mehr Investitionen, etwa den Ausbau der digitalen Infrastruktur auch in ländlichen Gebieten, fordert Kirchdörfer.

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Unterdurchschnittlich schneidet Deutschland in der Kategorie „Energie“ ab, insbesondere wegen der hohen Stromkosten. Auch bei der „Regulierung“ landet Deutschland nur im hinteren Mittelfeld, ebenso wie beim Indikator „Arbeitskosten, Produktivität, Humankapital“. Grund dafür sind die hohen Arbeitskosten, zugleich gibt Deutschland wenig für Bildung aus.

An Boden verloren hat Deutschland aber vor allem wegen der Steuerpolitik. In diesem Teil-Ranking ist Deutschland auf den vorletzten Platz zurückgefallen. „Die Erosion der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit ist sehr deutlich vorangeschritten“ und habe sich „zuletzt beschleunigt“, heißt es in der Studie.

So führe die Erbschaftsteuerreform „zu erheblichen Erschwernissen“. Unternehmer beklagen deren Komplexität sowie unklare Vorgaben bei der Umsetzung. Obwohl angekündigte oder bereits umgesetzte Steuersenkungen wie in Frankreich oder den USA noch nicht in der Studie berücksichtigt sind, schneidet Deutschland im Vergleich schlecht ab.

Für Kirchdörfer ist daher klar: Eine Steuersenkung für Firmen um mindestens fünf Prozentpunkte sei „überfällig“. Andernfalls drohe die Bundesrepublik im nächsten Ranking sogar von den Schlusslichtern Frankreich, Spanien und Italien eingeholt zu werden.

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3 Kommentare zu "Standortwettbewerb: Schlechter als Portugal – Familienunternehmen finden Deutschland immer unattraktiver"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Herr Michael Müller
    07.01.2019, 14:15 Uhr
    Die Deutsche Erbschaftssteuer zerstört unseren Wohlstandsmotor, den Mittelstand."

    Sie haben auch geerbt, oder?
    Um 14:15 Uhr hier schlaue Reden halten, da müssen andere ARBEITEN!

    Ich bin aber auch gegen die Erbschaftssteuer, da ich auch viel erben werde ;-)

  • Die Deutsche Erbschaftssteuer zerstört unseren Wohlstandsmotor, den Mittelstand.

    Bulgarien, Estland, Griechenland, Irland, Italien, Litauen, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Tschechien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Zypern erheben keine oder minimale Erbschaftssteuern für Ehepartner und Kinder! Sehr viele EU-Netto-Zahlungsempfänger!

    Tatsache ist: Viele Unternehmer verlassen Deutschland aus erbschaftssteuerlichen Gründen. Die "ausreisende" Generation belässt alles beim Alten. Die im Ausland aufgewachsene Erbengeneration hat keine Bindung mehr zu Deutschland und verlegt die Unternehmen endgültig weg aus Deutschland.
    Somit verschwinden Arbeitsplätze und Steuergelder für immer!

    Mit der aktuellen Erbschaftssteuerpolitik für Ehepartner und Kinder verliert Deutschland zunehmend den Mittelstand und vermögende Leistungsträger.

    So lange es in Europa deutlich günstigere Erbschaftssteuergesetze gibt, geht der Millionärsexodus weiter. Deutschland verliert Kapital, Steuern, Unternehmen und Arbeitsplätze!

    Selbst im ursozialistischsten Staat der Erde (Russland) gibt es keine Erbschaftssteuer für Ehepartner und Kinder!

    Österreich erkannte bereits vor einigen Jahren den Nonsens der Erbschaftssteuer für Ehepartner und Kinder und schuf diesen Unsinn ab.

    Was ist besser? Millionen Arbeitsplätze und zig Milliarden Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge verlieren oder den von Ehemann oder Vater erarbeiteten Wohlstand erbschaftssteuerlich freizustellen? Die Antwort ist für jeden logisch denkenden Menschen sehr einfach. Nur vom Neid zerfressene Menschen, die das Geld anderer, erfolgreicher Menschen begehren, tun sich da schwer, denn die denken nur kurzfristig!

  • Dem kann man nur zustimmen. Es ist das Gesamtbild, was Deutschland für familiengeführte Unternehmen - den Mittelstand - immer schlechter dastehen läßt. Die Unternehmenssteuern sind zu hoch, ebenso die Sozialabgaben mittlerweile grenzwertig. Vor allem aber die Bürokratie und die vielen Vorschriften zum Schutz dieser und jener, von Arbeitsrecht bis DSGVO. Alle diese "Segnungen" engen zunehmend die Selbständigkeit ein. Man braucht sich deshalb auch nicht wundern, warum es heute schwerer ist, den Nachwuchs zu motivieren, die Nachfolge im Unternehmen anzutreten.
    Zu guter Letzt ist es aber auch die gesellschaftliche Strömung der Staatsgläubigkeit und die Vollkaskomentalität unserer Bevölkerung, die die Politik verführt immer weiter zu regulieren.
    Aber es sollte doch nicht schon vergessen sein, daß gerade die familiengeführten Unternehmen langfristig denken und geholfen haben, uns einigermaßen unbeschadet durch die Staatsschuldenkrise zu führen. Außerdem bildet nur der Mittelstand reichlich aus, die Konzerne nicht.

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