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Start-up des Jahres Die drei Gründer von Celonis zeigen, welches Potenzial innovative IT aus Deutschland hat

Alexander Rinke, Martin Klenk und Bastian Nominacher haben die Prozessoptimierung revolutioniert. Ihr Tech-Start-up hat beste Chancen, sich international zu etablieren.
17.12.2020 - 19:00 Uhr Kommentieren
Die Celonis-Gründer brachten von Anfang an nicht nur das technische Know-how mit, sondern auch großen persönlichen Einsatz. Quelle: Celonis, Bloomberg (Montage: Handelsblatt)
Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk (v.l.)

Die Celonis-Gründer brachten von Anfang an nicht nur das technische Know-how mit, sondern auch großen persönlichen Einsatz.

(Foto: Celonis, Bloomberg (Montage: Handelsblatt))

Aus den Augen eines Techinvestors gleicht die Unternehmensgeschichte von Celonis einem Märchen. Allein der Background der drei Gründer spricht für sich: Alexander Rinke studierte Mathematik, Martin Klenk Informatik und Bastian Nominacher Wirtschaftsinformatik und Finanzmathematik, alle drei an einer der führenden technischen Universitäten Deutschlands, der TU München.

Während ihres Studiums arbeiteten die drei jungen Männer bereits bei der Studentischen Unternehmensberatung der TU München, der Academy Consultant München e.V., wo sie neben ihrem technischen Hintergrundwissen auch Kompetenzen im Business-Bereich aufbauten. Und hier startet bereits die Entstehungsgeschichte von Celonis.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Academy Consultant München sollen die drei Studenten die IT-Prozesse des Bayerischen Rundfunks optimieren. Herkömmliche Optimierungsverfahren decken hierbei nur einen Bruchteil der Möglichkeiten ab, da nur auf KPI’s und stichprobenartige Beobachtungen zurückgegriffen werden kann.

Eine händische Auswertung aller Daten wäre für die drei Studenten unmöglich gewesen. Die vorhandenen Daten nicht auszuwerten fiel ihnen aufgrund ihrer technischen Wurzeln ebenso schwer. Und so entwickelten sie eine Software, zunächst aus eigenem Bedarf heraus, was oftmals die beste Ausgangssituation für ein herausragendes Produkt ist.

Die Idee des sogenannten „Process Mining“ stammt von Computerwissenschaftler Wil van der Aalst, Professor an der RWTH Aachen, der bereits in den frühen 2000er-Jahren erste Forschungen zu dem Thema betreibt. Martin, Alexander und Bastian setzen diesen Ansatz in die Tat um und erschaffen so eine Technologie, die die Art und Weise, wie wir IT-Prozesse analysieren und optimieren, nachhaltig verändern wird.

Persönlicher Einsatz: 1000 von Hand geschriebene Briefe

Dabei sind sie anfangs nicht getrieben von der Idee, ein Unternehmen zu gründen, sondern von der Erkenntnis, dass es in diesem Bereich großes Optimierungspotenzial gibt, das sie zunächst für sich selbst ausschöpfen wollen. Erst nachdem ihr erster Kunde, der Bayerische Rundfunk, die Software weiterempfiehlt, wird den drei Studenten klar, was sie da erschaffen haben.

Das Märchen geht weiter: Martin, Alexander und Bastian bauen Celonis aus eigener Kraft und ohne fremde Mittel auf. Sie sind von Anfang an Cashflow-positiv und somit nicht auf externe Gelder angewiesen.

An dieser Stelle möchte ich noch mal den wirklich idealen Background der drei Gründer hervorheben. Sie bringen von Anfang an nicht nur das technische Know-how, sondern auch das Business-Gen mit.

Zu Beginn der Unternehmensgeschichte verschicken sie etwa 1000 von Hand geschriebene Briefe an potenzielle Kunden, fahren persönlich zu den jeweiligen Firmensitzen, um ihre Software vorzustellen. Sie passen sogar SAP-Mitgründer Hasso Plattner auf dem Golfplatz ab, um ihm eine strategische Partnerschaft anzubieten, die Celonis wenig später zu einem Raketenstart verhelfen sollte.

Der Autor ist ein Seriengründer, Technologie-Investor und TV-Star, bekannt aus der Show „Die Höhle der Löwen“. Seit 1994 gründet und leitet er technologie- und designgetriebene Unternehmen. In seiner Rolle als Gründer und CEO von Freigeist Capital konzentriert er sich auf Investitionen in der Frühphase. 2018 veröffentlichte er mit 42 Jahren seine Autobiografie „Startup-DNA“, 2020 folgte sein zweiter „Spiegel“- Bestseller „10 x DNA“. Quelle: dpa
Frank Thelen

Der Autor ist ein Seriengründer, Technologie-Investor und TV-Star, bekannt aus der Show „Die Höhle der Löwen“. Seit 1994 gründet und leitet er technologie- und designgetriebene Unternehmen. In seiner Rolle als Gründer und CEO von Freigeist Capital konzentriert er sich auf Investitionen in der Frühphase. 2018 veröffentlichte er mit 42 Jahren seine Autobiografie „Startup-DNA“, 2020 folgte sein zweiter „Spiegel“- Bestseller „10 x DNA“.

(Foto: dpa)

Der persönliche Einsatz zahlt sich aus. Wenige Jahre später wird Celonis zu einem von damals vier deutschen und elf europäischen Einhörnern, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden.

Für mich ist Celonis genau die Art von innovativem IT-Unternehmen, von denen wir in Deutschland und Europa dringend mehr brauchen. Die drei Gründer haben das riesige Potenzial im Bereich Process Mining erkannt und haben den Hintergrund, um dieses Potenzial ausschöpfen zu können. Mit immer komplexer werdenden IT-Infrastrukturen wird auch die Nachfrage nach smarten, effizienten und automatisierten Anwendungen zur Optimierung der IT-Prozesse immer größer werden.

Die Menge an Daten, die in diesem Bereich ausgewertet werden müssen, wächst schließlich exponentiell. Mit herkömmlichen Analysemethoden lässt sich die entsprechend notwendige Prozessoptimierung kaum noch abbilden. Celonis ist hier zum führenden Player in einem stark wachsenden Markt geworden.

Ich bin überzeugt, dass wir im Bereich Process Mining noch viele andere spannende Anwendungen sehen werden, aber Celonis hat allein durch seine Erfahrung, die Menge an bisher ausgewerteten Daten und die dadurch weit fortgeschrittenen Algorithmen in meinen Augen einen großen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern.

Gerade im Bereich der Datenanalyse entwickeln sich Anwendungen exponentiell, wodurch dieser Vorsprung hier eine entscheidende Rolle spielt. Deshalb plädiere ich so oft für eine vollumfängliche Digitalisierung Deutschlands. Denn durch Anwendungen wie Process Mining, die sich exponentiell entwickeln, werden Unternehmen, die ihre Prozesse nicht digitalisieren, zukünftig noch schneller den Anschluss verlieren.

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Somit ist Celonis nicht nur ein Paradebeispiel für ein deutsches Tech-Start-up, sondern auch ein Driver für technologischen Fortschritt innerhalb seines Kundenstamms, zu dem unter anderem Unternehmen wie Siemens, Vodafone und Bosch gehören.

Ich hoffe sehr, dass wir in Deutschland und Europa zukünftig noch weitere Erfolgsstorys wie die von Celonis sehen werden. Und es ist ebenso wichtig, dass Celonis sein Standing im Bereich Execution Management Software ausbauen und zu einem der führenden Techkonzerne Europas werden kann – und vielleicht irgendwann auf Augenhöhe mit den Techgiganten aus den USA und China agiert.

Wir müssen uns trauen, groß zu denken

Die Geschichte von Celonis zeigt: Deutschland kann Innovation. Deutschland kann Technologie. Wir müssen uns nur trauen, groß zu denken, die konventionellen Wege auch mal zu verlassen, und die Ambition haben, uns in neu entstehenden Märkten frühzeitig an der Spitze zu positionieren. Es werden sich in den nächsten Jahren noch viele weitere, neue Geschäftsbereiche auftun.

Je mehr wir uns jetzt mit den Technologien und Anwendungen der Zukunft beschäftigen und je früher wir hier technologisch starke Player an den Start bringen, desto größer ist die Chance, dass Europa auch zukünftig eine ernst zu nehmende Wirtschaftsmacht bleibt. Ich hoffe sehr, dass viele junge Gründer dem Beispiel von Alexander, Bastian und Martin folgen und aus Deutschland heraus ein Stück Innovationsgeschichte schreiben.

Es freut mich sehr, dass Celonis vom Handelsblatt zum Start-up des Jahres gekürt wurde und dass ich die Ehre habe, hier über die Gründer und das Unternehmen zu schreiben. Denn ich finde es extrem wichtig, dass wir in Deutschland mehr Erfolgsstorys aus der Start-up-Welt und insbesondere dem Technologiesektor kreieren und so Innovation in Deutschland und Europa fördern.

In den USA haben Unternehmen wie Apple, Amazon und Tesla gezeigt, welches Potenzial in der Techbranche liegt, wenn man sich traut, mutig und konsequent auf die Zukunft zu setzen. In Deutschland und Europa sind solche Paradebeispiele rar, deshalb freue ich mich umso mehr, die Erfolgsgeschichte von Celonis hier teilen und hervorheben zu dürfen.

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