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Peter Altmaier

Mit seiner Gründungsoffensive hat sich der CDU-Politiker viel vorgenommen.

(Foto: imago images / photothek)

Start-up-Standort Deutschland Geringer Gründermut – Altmaiers Offensive hat wenig bewirkt

Gründer sind der Mittelstand von morgen, sagt der Bundeswirtschaftsminister. Doch eine neue DIHK-Studie zeigt: Die Risikoscheu nimmt zu.
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Bielefeld Es gibt Apfelschorle und Avocadostullen, als Peter Altmaier die große Bielefeld-Verschwörung lüftet. Er könne jetzt bestätigen, sagt er auf einer Podiumsdiskussion in Bielefeld: „Bielefeld gibt es wirklich.“ Ein paar Lacher hallen durch den Raum. Es dürfte nicht das erste Mal sein, dass das Bielefelder Publikum einen Bielefeld-Witz hört. Anderseits kommt es ja nicht alle Tage vor, dass der Bundeswirtschaftsminister sich die Ehre gibt.

Altmaier ist in die Founders Foundation in der Bielefelder Innenstadt gekommen, ein Gründerzentrum, das Start-ups und etablierte Mittelständler vernetzt. Den jungen Leuten, die hier an ihren Geschäftsideen tüfteln, will der Minister Mut machen. Er habe im vergangenen Herbst ein Projekt gestartet, berichtet er vorn auf dem Podium, die Gründeroffensive „Go“, die mehr Menschen motivieren soll, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Leider habe die Presse nicht besonders ausführlich über Go berichtet, tadelt Altmaier, wobei nicht ganz klar ist, ob das Medienkritik sein soll oder ein weiterer Ministerscherz.

Mit seiner Gründungsoffensive hat sich der CDU-Politiker jedenfalls viel vorgenommen, Altmaier muss einen Negativtrend drehen. Dem Handelsblatt liegt ein neuer Bericht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags vor, der zu einer pessimistischen Einschätzung über den Start-up-Standort Deutschland kommt: Mit mehr Firmengründungen sei „weiterhin nicht zu rechnen“, heißt es darin.

Zwar verzeichneten die Industrie- und Handelskammern „einen stärkeren Zulauf zu ihren Gründungsveranstaltungen und -Seminaren als noch vor einigen Jahren“. Doch die „Zahl derjenigen, die mit der IHK über eine mögliche Unternehmensgründung persönlich Kontakt aufnehmen, ist deutlich rückläufig“.

Kurz: Viele Deutsche finden die Idee, selbstständig zu sein, generell verlockend, scheuen aber das Risiko, wenn es konkret wird.

Für den jährlich erscheinenden Gründerreport wertet der DIHK Erfahrungsberichte der Existenzgründungsberater aus den 79 regionalen Industrie- und Handelskammern aus. „Jeweils neun Prozent weniger Gründungsinteressierte erörterten mit ihrer IHK grundlegende Fragen der unternehmerischen Selbstständigkeit oder besprachen mit einem IHK-Gründungsexperten ihr konkretes Geschäftskonzept“, schreibt der DIHK. „Das sind erneute Negativ-Rekorde in der Historie der IHK-Gründungsstatistik seit dem Jahr 2002.“

Ein Grund für den rückläufigen Trend ist paradoxerweise die gute Konjunktur der vergangenen Jahre. „Der Druck zu Existenzgründungen mangels anderweitiger Erwerbsmöglichkeiten ist gering“, konstatiert der Bericht. „Gerade qualifizierte Fachkräfte können gute Konditionen in abhängiger Beschäftigung aushandeln, was dann für diesen Personenkreis die Attraktivität einer unternehmerischen Selbstständigkeit mindert.“

Sollte die zuletzt schwächelnde deutsche Wirtschaft tatsächlich in die Rezession abrutschen, wäre demnach wieder mit mehr Firmengründungen zu rechnen. Allerdings bremsen auch andere Faktoren die Start-up-Dynamik in Deutschland. Da ist zum einen die Bürokratie: „Nahezu in jeder Beratung der IHKs sind komplizierte Formulare, Genehmigungsverfahren und intransparente Antragswege ein wichtiges Thema“, berichtet der DIHK: 57 Prozent der Existenzgründer bezeichneten die Bürokratie als wichtiges Hemmnis.

46 Prozent forderten einen einfacheren Zugang zu öffentlichen Fördermitteln. Ärger bereite Gründern und jungen Unternehmen zudem die Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Zu den bürokratischen kommen die steuerlichen Lasten. „51 Prozent der Gründerinnen und Gründer beklagen die zu hohe Steuerbelastung“, schreibt der DIHK.

Die Forderung des Wirtschaftsverbands: Steuererleichterungen und eine Reduzierung der Bürokratie, etwa durch die überfällige Digitalisierung der Verwaltung. Altmaier wird das bekannt vorkommen.

Ganz ähnliche Reformvorschläge finden sich nicht nur im Zehn-Punkte-Plan seiner Gründungsoffensive, sondern auch in seiner Mittelstandsstrategie, die er vergangene Woche in Bielefeld und auf anderen Stationen seiner Mittelstandsreise vorgestellt hat. Die Gründer von heute, hebt Altmaier hervor, seien der Mittelstand von morgen. Dafür gibt es viel Lob aus der Wirtschaft, unter anderem auch vom DIHK.

Die positive Resonanz tut dem Minister gut. Doch die Zustimmung kann schnell in Enttäuschung umschlagen: Es ist unwahrscheinlich, dass Altmaier sein Konzept in der Regierungskoalition mit der SPD durchbringen kann. Gegen wichtige Teile seiner Strategie haben die Genossen ihren Widerstand angekündigt.

Mehr: Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen plant eine DIN-Norm für Start-ups. Das Deutsche Institut für Normung ist dazu in Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium. Gründer halten davon wenig.

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