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Start-ups FDP-Chef Lindner fordert auf Sommerreise mehr Technologieneutralität

Der FDP-Chef besucht während seiner Sommerreise Start-ups in den neuen Bundesländern – und wirbt für mehr Technologieneutralität.
  • Micha Knodt
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Der FDP-Chef nimmt an einer Tour über das Werksgelände des Start-ups Sunfire teil. Quelle: dpa
Christian Lindner

Der FDP-Chef nimmt an einer Tour über das Werksgelände des Start-ups Sunfire teil.

(Foto: dpa)

Berlin Viele Regionen in Ostdeutschland sind auch nach fast 30 Jahren nach dem Mauerfall wirtschaftlich schlecht aufgestellt. Zwar hat sich der Osten nicht vollständig in die einst von Helmut Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“ verwandelt, dennoch gibt es dort einige innovative Unternehmen und Start-ups.

FDP-Chef Christian Lindner führt seine Sommerreise zu drei innovativen Unternehmen. Bereits auf dem Weg zu seinem ersten Halt erklärt Lindner die Rolle des Staats in der Wirtschaft: Dieser solle den Unternehmen zwar Vorgaben und Rahmbedingungen geben – vor allem zur Einhaltung der Klimaschutzziele – er solle ihnen aber nicht den Weg vorschreiben, auf dem diese Ziele zu erreichen sind. Das Stichwort laute Technologieneutralität, es wird an diesem Tag noch oft fallen. Passend zu Lindners Agenda handelt es sich bei diesen drei Unternehmen um solche, deren Geschäfte sich um Innovationen in den Bereichen Klimaschutz oder Mobilität drehen. 

Das erste Reiseziel ist MotionTag in Potsdam. In Kooperation mit dem Mobilfunkanbieter Telefónica wertet das Start-up unter anderem Standort- und Reisedaten von Smartphones aus. Damit kann MotionTag präzise ablesen, welches Verkehrsmittel ein Kunde für welche Strecke nutzt. Anhand der Daten erstellt das Unternehmen Bewegungsprofile, die es dann an seine Kunden, darunter vor allem Verkehrsunternehmen, verkauft. So können sie Stoßzeiten und Überkapazitäten erkennen.

MotionTag drängt die Politik auch dazu, sogenannte multimodale Tickets durchzusetzen. Wer beispielsweise von Nürnberg nach Hannover reist und dazu Carsharing, Zug und E-Scooter nutzt, soll dies künftig mit einem einzigen Ticket tun können. Vor allem diese Idee hat es Lindner angetan. Er bemängelt eine Gefahr bei Start-ups: ihre Ideen klängen immer gut, viele würden aber eben doch scheitern. „Aber wenn MotionTag mit seiner Software einen Baustein zum All-in-One-Ticket liefert, kann das eine große Sache werden“, so Lindner.

Mit Moos gegen den Feinstaub

Das zweite Start-up auf Lindners Sommerreise nennt sich Green City Solutions. Es liegt auf einem ehemaligen Kasernengelände der Nationalen Volksarmee. Dort arbeitet das Start-up an sogenannten City Trees, die mit Moos die Luft in Städten reinigen sollen. Moos kann Feinstaub aus der Luft filtern, welcher sich in Form von mikroskopisch kleinen Kristallen auf den Pflanzen ablagert. Das Moos wandelt ihn anschließend in Biomasse um.

Die City Trees bestehen aus mehreren Modulen, die beispielsweise auf Parkbänken aufgebaut werden können. Auf den Außenwänden der Module wächst das Moos, im Inneren befinden sich Sensoren, die den Wasserbedarf des Mooses messen, sowie ein Bewässerungssystem. Außen sitzt auch die Belüftung, die dafür sorgt, dass sich der Feinstaub auf dem Moos absetzt.

Das Marktpotential der City Trees liegt in Anbetracht von hohen Feinstaubwerten und drohenden Fahrverboten auf der Hand. Getestet wurden sie auch schon unter anderem in Oslo und Hamburg. Green City Solutions produziert komplett in Deutschland. Daraus ergeben sich allerdings auch einige Probleme. Beispielsweise liegen die Kosten für einen einzigen City Tree momentan bei rund 65.000 Euro. Unternehmenssprecher Felix Mann beklagt aber noch etwas: „Die Deutschen sind selten die Ersten, die neue Technologien adaptieren.“

Außerdem sei es gerade für Start-ups schwierig, die hohen arbeitsrechtlichen Standards oder Sozialversicherungsbeiträge zu stemmen. Das Unternehmen tue das selbstverständlich, wünsche sich aber, wie in Frankreich, eine fünfjährige Befreiung von den Sozialversicherungen. Bei der FDP rennt das Unternehmen damit offene Türen ein. „Wenn Deutschland wirklich Gründerrepublik sein will, müssen die Rahmenbedingungen verändert werden“, so Lindner. 

Die Rettung des Verbrennungsmotors?

Die letzte Station der Reise ist Sunfire in Dresden. Das Start-up stellt sogenannte E-Fuels her: synthetische Kraftstoffe, die elektrisch aus Wasser und Kohlenstoffdioxid gewonnen werden. Der Herstellungsprozess der E-Fuels an sich ist CO2-neutral. Es entstehen zwar Emissionen bei der Verbrennung des E-Fuels – diese werden jedoch bereits zuvor aus der Atmosphäre entzogen. Somit sind dies keine „zusätzlichen“ Ausstöße.

Genau an dieser Stelle hat Sunfire allerdings ein Problem. Nach momentan geltendem EU-Recht wird der CO2-Ausstoß eines Autos nur an dem Ausstoß des Auspuffes gemessen. Bei dieser Messart ist nicht das E-Fuel-Auto unschlagbar, sondern das normale Elektro-Auto, da es während der Fahrt keine Emissionen ausstößt. Das tut der E-Fuel auch nicht – denn seine Emissionen waren ja bereits in der Umwelt – doch das wird nicht anerkannt.

Die Reise zu Sunfire trat Lindner mit einem Flixbus an. Quelle: dpa
Christian Lindner

Die Reise zu Sunfire trat Lindner mit einem Flixbus an.

(Foto: dpa)

Der kaufmännische Leiter von Sunfire, Nils Aldag, fordert deswegen Technologieneutralität. Im gleichen Atemzug lobt er die FDP: „Wir wissen, dass die FDP für Neutralität kämpft. Wir haben überhaupt nichts gegen Elektromobilität. Aber gerade für lange Strecken sind die E-Fuels besser geeignet.“ Sunfire wünsche sich eine „faire Behandlung der unterschiedlichen Technologien“. Aber es sei einfach zu sehr in den Köpfen verankert, dass ein E-Auto ohne Auspuff die umweltfreundlichste Variante darstelle.

Gemessen am Einsparpotential spricht allerdings einiges für E-Fuels. Die Verbrennungsmotoren müssen nicht umgerüstet und ersetzt werden. Außerdem benötigen sie keine neue Ladeinfrastruktur, da die Tankstellen bereits vorhanden sind. Der große Haken der E-Fuels ist dagegen die energieintensive Herstellung. Um wirklich CO2-neutral zu sein, müsste der verwendete Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen.

Trotzdem arbeitet das Unternehmen effizient, denn der Wirkungsgrad der E-Fuel-Herstellung liegt bei bei 80 Prozent. Aus 100 Prozent Strom werden also 80 Prozent Wasserstoff. Das sei ein absoluter Spitzenwert im Vergleich mit den Mitbewerbern, so Aldag. Auch ohne den Automobilmarkt hat Sunfire Potential. Denn in der Luft- und Schifffahrt stellen Batterien, zumindest auf langen Strecken, noch keine Option dar.

Mehr: Große deutsche Kunden investieren Millionen in das Energie-Start-up. Doch für den ersten großen Betrieb zieht es die Dresdner nach Norwegen.

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