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Start-ups Mehr Geld für Gründer – CDU-Wirtschaftsrat beklagt Hürden für Unternehmenswachstum

Der CDU-Wirtschaftsrat fürchtet, dass die deutsche Gründerszene international den Anschluss verliert. Die Förderung von Start-ups müsse verbessert werden.
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Deutschen Gründern mangelt es im internationalen Vergleich noch immer an Zugang zu Kapital. Quelle: Maskot/Getty Images
Arbeit im Start-up

Deutschen Gründern mangelt es im internationalen Vergleich noch immer an Zugang zu Kapital.

(Foto: Maskot/Getty Images)

Berlin Die Sorgen um den Start-up-Standort Deutschland beschäftigen die Berliner Politik. Nach der FDP dringt jetzt auch der Wirtschaftsrat der CDU auf eine Agenda zur Förderung von Unternehmensgründungen. „Das deutsche Start-up-Ökosystem wächst im internationalen Vergleich relativ langsam“, analysieren die Christdemokraten in einem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt. „Zahlreiche Hürden und Hemmnisse“ behinderten das Wachstum junger Firmen, weshalb die besten Start-ups lieber in die USA übersiedelten „anstatt aus Deutschland heraus einen globalen Champion aufzubauen“.

Hinter dem neuen Interesse der Politik an der Gründerszene steht die Sorge, dass die Stärke des deutschen Wirtschaftssystems – die Verfeinerung bestehender Technologien – nicht mehr ausreicht, um in einer Zeit großer technologischer Umbrüche international zu bestehen.

Wagniskapital gesucht

Deutschland wichtigste Konzerne feiern 100-jährige Firmenjubiläen; Familienunternehmen werden von Generation zu Generation weitergereicht. Doch nur wenigen Start-ups, die etwas Unerprobtes wagen und neue Märkte eröffnen, gelingt hierzulande der Durchbruch. Und das, obwohl die Bundesrepublik in der Fraunhofer Gesellschaft über eine Infrastruktur für Innovation verfügt, für die sie der Rest der Welt beneidet.
Um das deutsche Gründerpotenzial besser auszuschöpfen, macht der CDU-Wirtschaftsrat sechs Vorschläge.

Der Zugang zu Wagniskapital soll erleichtert, Bürokratie abgebaut, der Austausch zwischen Industrie, Mittelstand und Start-ups verbessert, die Gründerkultur an Universitäten gestärkt und steuerliche Nachteile bei Firmenbeteiligungen von Mitarbeitern abgeschafft werden.

„Dringenden Handlungsbedarf“ sehen die Unionspolitiker vor allem dabei, institutionelle Investoren wie Versicherer und Pensionskassen dazu zu bringen, sich stärker als Wagniskapitalgeber zu engagieren. Studien belegen, dass es Probleme bei der Finanzierung gibt: Während es Unternehmer in der Frühphase einer Firmengründung inzwischen relativ leicht haben, Geld aufzutreiben, kommt es in der späteren Wachstumsphase oft zu Engpässen.

Um diesen zu begegnen, schlägt der Wirtschaftsrat vor, Anlageregeln zu lockern und einen Dachfonds nach dänischem Vorbild zu gründen. Ein solcher Fonds, so das Kalkül, könnte den enormen Kapitalbedarf schnell wachsender Jungunternehmen stillen, bevor sich die Firmeninhaber in den USA oder China nach Investoren umsehen.

Einen ähnlichen Maßnahmenkatalog hat zu Wochenbeginn die FDP vorgelegt. Damit wächst der Druck auf die Bundesregierung, das Thema Start-up-Förderung wieder stärker in den Fokus ihrer Politik zu rücken. Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats, mahnt: „Deutschland muss sich endlich einmal fragen, warum erfolgreiche Start-ups lieber in die USA übersiedeln, anstatt hierzulande weiterzuwachsen, weshalb der Zugang zu Wagniskapital so hürdenreich ist und warum es hierzulande so gut wie keinen Nachwuchs für technologiebasierte Unternehmen gibt.“

Es sei keine Zeit mehr zu verlieren: „Deutschland liegt bereits zurück und die weltweite Konkurrenz wartet nicht auf uns.“ Dem Eindruck, dass die Regierung die Gründer bisher vernachlässigt habe, tritt das Bundeswirtschaftsministerium entschieden entgegen.

Das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) verweist auf die Neuausrichtung staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Wir haben mit der KfW Capital eine Tochtergesellschaft gegründet, die durch ihre Eigenständigkeit marktnäher agieren und marktgängiger investieren kann“, sagt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

„Bis 2020 soll die KfW Capital das bisherige Venture Capital- und Venture Debt-Investitionsvolumen der KfW auf 200 Millionen Euro pro Jahr steigern.“ Auch einen Dachfonds gebe es schon, dieser werde gemeinsam mit dem Europäischen Investitionsfonds betrieben und solle sich mit 2,7 Milliarden Euro an Wagniskapitalfonds beteiligen, die vor allem in Deutschland investieren.

Altmaier gefordert

Bemühungen, institutionelle Anleger von dem Modell zu überzeugen, seien ebenfalls im Gange. Bundesminister Altmaier habe im vergangenen Herbst „einen Dialog mit Vertretern der deutschen Versicherungswirtschaft gestartet, um auszuloten, wie die Start-up-Finanzierung durch Versicherungsunternehmen und anderen institutionellen Investoren in Deutschland erhöht werden könnte“, betont die Sprecherin.

Doch Wirtschaftsrat-Generalsekretär Steiger reicht der bisherige Einsatz seines Parteifreunds Altmaier nicht aus. „Das Engagement deutscher institutioneller Investoren in Wagniskapital ist im internationalen Vergleich viel zu gering“, kritisiert er. Zudem müsse die Start-up-Kultur verbessert werden, insbesondere an Universitäten. „Alle Maßnahmen verpuffen, wenn kaum jemand eine Unternehmensgründung als Karrierechance versteht. Nachwuchsförderung ist deshalb ein ganz zentraler Punkt einer erfolgreichen Startup-Strategie.“

Mehr: In Deutschland gibt es immer weniger Gründer. Gleichzeitig sterben die Unternehmertypen von früher aus. Das bedroht die Zukunft der Wirtschaft.

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