Statistisches Bundesamt Deutsches Staatsdefizit deutlich gesunken

Dank der guten Wirtschaftsentwicklung hat sich das deutsche Staatsdefizit 2011 deutlich verringert. Damit hält Deutschland nach langer Zeit wieder den EU-Stabilitätspakt ein. Auch für 2012 sind Experten optimistisch.
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Deutschland hat weniger Schulde gemacht. Quelle: dpa

Deutschland hat weniger Schulde gemacht.

(Foto: dpa)

Wiesbaden/BerlinDie gute Konjunktur hat die Kassenlage Deutschlands deutlich verbessert. Das Staatsdefizit belief sich im vergangenen Jahr auf 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit hält Deutschland wieder die Obergrenze des EU-Stabilitätspaktes ein.

Unter dem Strich stand 2011 ein Fehlbetrag von 25,8 Milliarden Euro. In einer ersten Schätzung im Januar waren die Statistiker noch von einem Minus von 26,7 Milliarden Euro ausgegangen. 2010 betrug das Defizit noch 4,3 Prozent, 2009 waren es 3,2 Prozent. Der Bund machte den Angaben zufolge mit 26,3 Milliarden Euro die höchsten Schulden, die Länder nahmen 14,9 Milliarden Euro auf. Die Gemeinden konnten laut Statistik sogar einen leichten Überschuss in Höhe von 0,8 Milliarden Euro erwirtschaften.

Besonders günstig verlief die Entwicklung bei der Sozialversicherung, die aufgrund der guten Beschäftigungs- und Lohnentwicklung den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung erzielen konnte. Er betrug 15,1 Milliarden Euro.

Nach Prognose der Bundesbank wird die Neuverschuldung in diesem Jahr bei etwa einem Prozent verharren. Der fast anderthalb Jahre währende Steuerboom hat im Januar ein vorläufiges Ende gefunden. Wegen der schwächeren Konjunktur gingen die Einnahmen von Bund und Ländern im Januar um 0,4 Prozent zurück - zum ersten Mal seit Sommer 2010. „Der Trend monatlich steigender Einnahmen ist zunächst gebrochen“, schrieb das Bundesfinanzministerium. Steuerschätzer sehen sich in ihrer Warnung bestätigt, dass der Staat nicht mehr automatisch mit konjunkturbedingten Mehreinnahmen rechnen kann und deshalb sparen muss.

Für die kommenden Monate ist Skepsis geboten. Der rasante Aufschwung zum Jahresende 2011 ist erwartet gestoppt. Vor allem wegen des schwächelnden Außenhandels schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit frühere Angaben.

Positive Impulse kamen demnach von den Investitionen im Bausektor. Auch der Staat erhöhte seine Konsumausgaben gegenüber dem Vorquartal leicht, der private Konsum ging hingegen zurück. Für das Gesamtjahr 2011 bekräftigte das Statistische Bundesamt ein BIP-Wachstum von 3,0 Prozent.

  • dpa
  • rtr
  • afp
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  • @ Realist

    Sehr gut gesprochen Realist; Gut beobachten auch db research pdf.datei, interne und externe macroökonomische Ungleichgewicht... °) "Dei Lohnkosten seien in die Zukunft prognostiziert".

  • Diese Meldung ist reine Augenwischerei! Aussagekräftigere Zahlen kann man der aktuellsten Eurostat-Meldung (vom 6.2.2012) mit Zahlen zu den EU-Staatsdefiziten am Ende des 3. Quartals 2011 entnehmen (siehe Eurostat-Webseite).
    Denn daraus wird die erschreckende Erhöhung des Gesamtschuldenstandes im Vergleich zu Ende Q3/2010 ersichtlich:
    Gesamtverschuldung BRD Ende Q3/2010: 1,856 Billionen €
    Gesamtverschuldung BRD Ende Q3/2011: 2,089 Billionen €
    Fazit:
    Die Gesamtschulden wurden auf Jahressicht um 233 Milliarden € erhöht!
    Das ist prozentual gesehen eine Schuldensteigerung von 12,55% gegenüber dem Vorjahresquartal!

  • Hallo,
    Staatsdefizit Deutschland, Tägliche Neuverschuldung und (wegen der kürzeren Zahl) Neuverschuldung je Kopf in EURO:
    August 2011= 25.682 | Okt 2011= 25.726 | Dez 2011 25.794 | Feb 2012=25.861.
    Die Senkung der Staatsverschuldung ist wohl "deutliche zu erkennen", man muss nur die Tatsachen genügend zurecht biegen.

  • Wir gebben nichts

    Herr Scheuble Sie bekommen kein Geld aus der Rentenkasse oder der Gesundheitskasse. Die altersbezogenen Lasten werden vom Econfin-Rat so geschätzt: Implizite Staatsverschuldung ca 250% des BIP

  • Rollt jetzt eine Propagandawelle über uns hinweg?
    Am 20.2. verkündete ein Herr Varnholt im Handelsblatt, daß die Krise dabei sei, sich aufzulösen;
    am 21.2. versucht ein Herr Bindseil von der EZB die Thesen von Prof. Sinn bezüglich TARGET2 zu widerlegen und ruft uns zu einem vollen Bekenntnis zur Währungsunion auf;
    heute erzählt uns Herr Schäuble persönlich, daß das Staatsdefizit gesunken sei, wobei er natürlich die Neuverschuldung meint - aber solche kleinen Ungenauigkeiten sollte man ihm verzeihen.
    Ich schlage vor, man macht aus diesen Jubelmeldungen ein Suchrätsel mit einem hübschen Preis für den Sieger, dann prägt sich das noch viel besser ein.
    Mal im ernst: Für wie blöd halten Politiker und MSM die Deutschen Bürger?

  • Gute Konjunktur? Nein das ist nicht richtig so. Richtig ist, dass die Mineralkonzerne die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl jährlich um mindestens 15-20 Prozent erhöht haben. Da nahezu jeder Deutscher Benzin tanken muss, sind hier zwar nicht die Litermengen gestiegen, dafür aber die Kraftstoffumsätze der Mineralkonzerne. Im Zuge dessen auch die Steuereinnahmen des Staates. Insofern schöpfen hier 5 Mineralkonzerne jeden Monat die Geldmenge der Bürger ab. Andere Unternehmungen gehen leer aus. Das ist die Wahrheit!

  • In den letzten Jahren sind die Steuern für die oberen Schichten gewaltig gesenkt worden. Zu lasten der sozial Schwächeren.
    Spitzensteuersatz minus 10%, Spitzensteuersatz für (leistungslose) Kapitaleinkünfte minus 28% gegenüber der Regierungszeit Kohl, mehrere Senkungen der Erbschaftssteuern, Abschaffung der Vermögenssteuer ...

  • Wir müssen raus aus dem Euro. Denn nur das haben wir in der Hand. Andere Forderungen wirken arrogant.
    Also: Deutschland, raus aus dem Euro!

  • Vollkommen korrekt! Die gesamte Altersversorgung gehört auf den Prüfstand. Die Lobby der Rentner und Pensionäre wird immer stärker und immer wieder wird auf die wohlversorgten Rentner zu Lasten der heute arbeitenden Bevölkerung und ihrer Kinder Rücksicht genommen.

    Ich meine nicht den ein oder anderen Rentner, der wirklich über wenig Einkünfte verfügt. Ich meine die wohlversorgten Rentner, die damit prahlen, dass Sie letztes Jahr 5 Kreuzfahretn gemacht haben, weil sie über Netto-Einkünfte verfügen, von denen viele Arbeitnehmer nur träumen können. Renten von 40.000 € p.a. ohne Steuerbelastung (!!!) sind keine Seltenheit.

    Hier muss gespart werden!

    ----------

    Ansonsten:

    Ja, es ist eine Schande, dass bei der excellenten Konjunktur nicht mindestens 2% Überschuss erwirtschaftet werden. Aber ist immer dasselbe: In schlechten Zeiten lamentiert man, dass nicht gespart werden könne, weil das ja immer zu Lasten der ach so armen sozial Schwachen gehen würde.

    In guten Zeiten wird dann lamentiert, dass man ja jetzt endlich mal den Leistungsträgern was von ihren Steuern zurückgeben müsse.

    Und was Mastricht angeht:

    Die Artikelüberschrift hat mich doch sehr verwundert. Wusste ich doch bislang nicht, dass unser Staatsdefizit so schnell wieder unter 60% des BIP gesunken ist...

    Es gab mal Zeiten, da wäre beim HB eine solche Überschrift nicht veröffentlicht worden. Aber wer verlangt heute noch Niveau...?

  • Euphemismus? Semantische Schönmalerei? Propaganda? Mir bleibt ein wenig die Spucke weg, wenn ich so einen Artikel in dieser Sprache HIER lesen muss. Soso, das Staatsdefizit sinkt, wenn man nur die Neuverschuldung verringert?!
    Muss ich bei einem Wirtschaftsblatt anmerken, dass die Aussage nur de facto Sinn macht, wenn man die Teurungsrate berücksichtigt? Vlt auch noch, wenn man manche Staatsanleigengeschäfte berücksichtig, aber erstmal, rein von den STEIGENDEN Schulden her, war das ein kleiner Aufreger, der mir den 2ten Kaffee sparte. Tatsächlich hat sich in Deutschland kaum was geändert. Ein rigoroser Sparkurs mit Reformen sieht anders aus und teilweise ist die Eurozone daran Schuld (auch die Inflexibilität der Politik, der Borniertheit Schäubles, die Dummheit der Masse, usw....). Mit ihr darf man sich inflationär etwas aufblähen (was sich um so mehr rächen wird). Die Reformen auf EU-Ebene sehen jetzt anders aus und sollen erst woanders vollzogen werden, dabei hätten wir selber Änderungen nötig, nehmen wir uns als Gesellschaft, als Nation ernst. (aber lieber sind wir alle kleine Maschmeyers) Ich bin davon überzeugt, dass wir wirksam das Staatsdefizit nicht nur real, sondern auch in Zahlen senken könnten. Aber wer die HRE verstaatlicht, betreibt im Namen des sozialen Friedens volksverrat und torpediert die Idee des Sparens. Auch muss man klar sagen, dass man im Prinzip den Vorwurf machen muss zum Thema Griechenland. Griechenland MUSS aus dem EURO raus. Die oder wir -ein gemeinsamer Wirtschaftsraum ist Wahnsinn. Wenn man sowas berücksichtigt, dann steigen gerade vehement unsere Lasten, falls sich in der EU-Zone nicht einiges ändert. Dieses und vieles mehr lässt mich fragen, wie das hb so einen Artikel so unkritisch raushauen kann?

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