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Statistisches Bundesamt Ein Fünftel der Bevölkerung ist von Armut bedroht

Gut 16,1 Millionen Menschen sind im Jahr 2015 von Armut bedroht gewesen. Seit 2008 blieb dieser Anteil damit nahezu unverändert. Mit 20 Prozent lag der Anteil armer Menschen unter dem Durchschnitt der EU.
03.11.2016 - 15:24 Uhr
Rund 13,4 Millionen Menschen waren 2015 armutsgefährdet. Quelle: dpa
Armut in Deutschland

Rund 13,4 Millionen Menschen waren 2015 armutsgefährdet.

(Foto: dpa)

Wiesbaden Ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland und damit 16,1 Millionen Menschen sind im Jahr 2015 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht gewesen. Seit 2008 blieb dieser Anteil damit nahezu unverändert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag unter Berufung auf EU-weite Daten mitteilte. Mit 20 Prozent lag der Anteil armer Menschen im vergangenen Jahr unter dem Durchschnitt der Europäischen Union von 23,7 Prozent.

Jemand gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Das Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, der Betroffene verfügt also über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. In den anderen Fällen ist der Haushalt von erheblicher materieller Entbehrung betroffen, oder jemand lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.

Mit 16,7 Prozent der Bevölkerung war jeder sechste Deutsche im Jahr 2015 armutsgefährdet. Das entsprach rund 13,4 Millionen Menschen. 4,4 Prozent mussten ihr Leben aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln einschränken und waren zum Beispiel nicht in der Lage, ihre Rechnungen für Miete oder Hypotheken zu zahlen, ihre Wohnungen angemessen zu beheizen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren. 9,8 Prozent der Bevölkerung unter 60 Jahren lebten zudem in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung.

Zum Vergleich: EU-weit waren 17,3 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht, 8,1 Prozent von erheblicher materieller Entbehrung betroffen, und 10,5 Prozent lebten in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung.

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    Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritisierte, in Deutschland seien nach wie vor zu viele Menschen „abgehängt und ausgeschlossen“. „Die tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen haben in Deutschland immer weniger mit der gesamtwirtschaftlichen Lage zu tun“, erklärte der Sozialverband. Es gebe „eine bedenkliche Entkopplungstendenz“. Die AWO forderte die Politik auf, diese Entwicklung zu stoppen.

    • afp
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