Steinbrück im Interview „Ich würde im Wahlkampf für höhere Steuern werben“

Steuern senken? Das ist für Peer Steinbrück völlig unrealistisch. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der mögliche Kanzlerkandidat für die SPD vielmehr, warum er sich im Wahlkampf für höhere Steuern einsetzen will.
10 Kommentare
Noch immer profitiert Peer Steinbrück von seinem Ruf als Krisenmanager der Großen Koalition. Als Finanzminister steuerte er das Land durch die beginnende Finanzkrise. Quelle: dpa

Noch immer profitiert Peer Steinbrück von seinem Ruf als Krisenmanager der Großen Koalition. Als Finanzminister steuerte er das Land durch die beginnende Finanzkrise.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Steinbrück, die SPD hat für den Fall eines Sieges bei der Bundestagswahl 2013 Steuererhöhungen angekündigt. Wie wollen Sie damit Wahlkampf machen?
Peer Steinbrück: Ich bin dafür, dass die Sozialdemokratie offensiv den Standpunkt vertritt, in Teilbereichen Steuern zu erhöhen. Nicht, weil es das Ziel ist, die Leute zu quälen, sondern, weil es das Mittel ist, um Einnahmen zu generieren. Die sind erforderlich, um erstens den Staatshaushalt zu konsolidieren, zweitens mehr in die Bildung zu investieren und drittens die Finanzlage der Kommunen zu verbessern. Dafür würde ich in einem Bundestagswahlkampf offensiv werben. Alle Versprechen, die Steuern senken zu wollen, prallen an der Realität ab.

Deutschland zählt ja inzwischen mit der Abgeltungsteuer bei der Kapitalertragsteuer eher zu den Niedrigsteuerländern. Soll dieser Vorteil wieder aufgegeben werden?

Die Kapitalbesteuerung ist sensationell niedrig im internationalen Bereich, gemessen am Durchschnitt der EU. Und sie schafft ein zunehmendes Missverhältnis zwischen der Besteuerung von Kapital und Arbeit. 

Das hat man damals absichtlich so gemacht, um die Kapitalflucht einzudämmen. „Besser 25 Prozent von X als 42 Prozent von gar nix“, sagten Sie damals.

Wir sehen aber in den letzten zehn Jahren eine zunehmende Drift in der Einkommens- und Vermögensverteilung. Wer Kapitaleinkünfte hat, hat deutlich höhere Einkommenszuwächse als diejenigen, die mit ihren Händen oder ihrem Kopf arbeiten: Die haben teilweise Reallohneinbußen. Wir reden auch über einen Verteilungseffekt, und das ist legitim.

Würde eine höhere Abgeltungsteuer verhindern, dass die SPD den Spitzensteuersatz anhebt?

Nein, das würde nicht reichen, um die erhebliche Unterfinanzierung der Bildung und der Kommunen zu beseitigen. Die SPD will den Spitzensteuersatz für Einkünfte oberhalb des heutigen Spitzensteuersatzes anheben, auf 49 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen für Singles von 100 000 Euro beziehungsweise 200 000 Euro für Verheiratete. Das betrifft fünf Prozent der deutschen Steuerzahler.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Nicht die Höhe, die Komplexität der Steuern ist das Problem
Seite 1234567Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Steinbrück im Interview - „Ich würde im Wahlkampf für höhere Steuern werben“

10 Kommentare zu "Steinbrück im Interview: „Ich würde im Wahlkampf für höhere Steuern werben“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Wenn man genug Geld zum Auswandern hat aus Deutschland, sollte man das tun." Ausrede!! Einfach machen!!!
    Habs bis heute nicht bereut und würde zur Zeit nur aus privaten Gründen nach D zurückkommen. Weniger Neid und Wirtschaftsfeindlichkeit würde dem land gut zu Gesicht stehen. :-)

  • Wahrscheinlich werden ihm seine Kompagnons während des ahlkampfs einen Maulkorb verpassen müssen. Wie kann man nur so bl. sein. Glaubt er, die Deutschen damit zu begeistern, daß irgendwelche vor sich hin müffelnden Individuen in irgenwelchen schlecht gelüfteten Amtsstuben ihr sauer verdientes ausgeben, statt sie selbst?

  • Mit Steinbrück darf demnächst jeder Normalverdiener finanziell den Mist ausbaden den insbesondere die SPD mit ihrem damaligen Kanzler Schröder eingebrockt hat. Griechenland mit in den Euro aufzunehmen. Danke Herr Steinbrück.

  • Spitzensteuersatz für Einkünfte
    auf 49 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen für Singles von 100 000 Euro beziehungsweise 200 000 Euro für Verheiratete.-
    ---------------
    Der hat wirklich einen Knall.
    Wer 100 000 Euro verdient, ist noch nicht reich. Dem geht es gut, aber Reichtum sieht anders aus. Leistung lohnt sich hier wirklich nicht mehr.
    Egal wer die nächste Wahl gewinnnt, wir kommen von einem Desaster zum Nächsten. Alles bleibt wie gehabt, Stümperwerk und Murks an allen Ecken und Enden.
    Aber 2013 wird der glückliche Gewinner erst mal was ganz anderes zu tun bekommen.Da wird dem Sieger erst mal hören und sehen vergehen, das wissen die auch. Da kommt möglicherweise schon die große Stunde der Wahrheit.

  • Steinbrück scheint es zu ahnen, es war sein letztes Gefecht.

    Die Schweizer haben ihn taktisch ausmanövriert, politisch erlegt. Die Kavallerie beklagt einen treuen Weggenossen, der stets aus sicherem Unterstand für seine Vorderleute aufmunternde Wort und klassenkämpferische Parolen fand. Es hat den nächsten Schröerianer dahin gerafft. So sind sie. Heißmacher und ohne Schuld. Andere, kleine Leute müssen es für sie ausbaden.

    Ich bin gespannt, ob er sich besinnt und derart schützend vor seine Spione stellt, dass man sie laufen lässt oder ob er weiterhin Durchhalteparolen aus seinem Bunker singt. An Persönlichkeit ist da wohl nix und wo nix ist, da ist auch nichts zu erwarten.

    Die hier von Steinbrück verbreitete operative Hektik ist als reines Ablenkungsmanöver zu verstehen und darf man nicht beachten. Das ist alles heiße Luft wie früher.

    Halt! Nicht vergessen! Die Pension muss noch einkassiert werden!

  • Halt!

    Bevor man in Deutschland den Spitzensteuersatz erhöht:

    Wie wäre es wenn Portugal, Spanien, Italien und Griechenland ihren Spitzensteuersatz auf das deutsche Niveau anheben und diese Steuern auch tatsächlich einziehen? Vom Renteneintrittsalter ganz zu schweigen!

    Wieso soll Deutschland mehr Hausaufgaben machen, während die PIGS keine Hausaufgaben machen?

  • Er sagt doch nur das, was das bestens informierte Stimmvieh hören will.

    Es ist schon interessant, wenn man sieht, wie über die Medien ein neuer Kanzler aufgebaut wird.


    Früher woltennsienden totalen Krieg
    Heute werden sie den Peer wählen

    Big Brother siegt immer

  • Da kann ich Ihnen nur zustimmen. auch uns werden unsere Enkel fragen: Warum habt ihr damals nichts dagegen gemacht?

  • Wenn man genug Geld zum Auswandern hat aus Deutschland, sollte man das tun.

    Wenn man gute Qualifizierung hat oder zu den Spitzenverdienern gehört, sollte man das auch tun.

    Jedenfalls wer Geld hat oder gutes Einkommen hat, wird abgezockt in Zukunft, dass sich die Balken biegen.

    Soll die Regierung doch das Niedriglohn-Volk / HARTZ4-Gemeinde haben, die sie verdienen und indirekt auch erzeugen und fördern. Alle anderen sind die zahlenden Idioten für Deutschland-ausbeutende Klüngel-Politiker.

  • Na klaro und Ausgangssperre um 18 Uhr für alle. In Deutschland hat es genug Schafe die dumm genug sind, weiter so zu wählen wie zuvor und niemals ein Widerwort zu erheben.

    Wenn mich heute jemand fragen würde, wie Hitler damals hat passieren können, würde ich sagen "Naja, genau wie jetzt!".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%