Steinbrück rechnet ab „Ich musste ohne Badehose schwimmen“

In seinem neuen Buch „Vertagte Zukunft“ lässt der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kein gutes Haar an der Geldpolitik der EZB. Und an seiner Partei auch nicht. Kostproben gefällig?
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Er rechnet ab: Ex-Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, lässt am keiner Partei ein gutes Haar – auch nicht an den Sozialdemokraten.
Peer Steinbrück

Er rechnet ab: Ex-Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, lässt am keiner Partei ein gutes Haar – auch nicht an den Sozialdemokraten.

DüsseldorfDa ist er wieder, der Peer Steinbrück, den wir alle kennen. Der die Kavallerie mal eben gegen die Schweiz reiten ließ. Der in Abgründe schaut, wenn er in Bankbilanzen guckt. Der keine Freunde kennt, sondern allenfalls Mitstreiter auf Zeit, die er sich im Handumdrehen zum Gegner macht. Der auf die eigene Partei genauso eindrischt wie auf die eigene Person.

Kostproben gefällig? Hier sind sie: Seine SPD warnt der gescheiterte Kanzlerkandidat in seinem morgen erscheinenden Buch „Vertagte Zukunft“ davor, zum „Gesinnungsverein“ zu werden. Ein Verein, der viele „Rigorose“ beherbergt. „100 Prozent Recht zu haben, ist für die Vertreter des Rigorismus wichtiger, als 50 Prozent durchzusetzen.“ Die Parteifreunde dürften das Buch bereits an dieser Stelle nach ganz hinten auf den Nachttisch legen.

Würden sie weiterlesen, stellten sie fest, dass auch der politische Gegner sein Fett weg bekommt: Die Union sei geradezu „obsessiv von dem Streben bestimmt, die Regierung zu stellen, um das Notariat über die bürgerlich-konservative Interessenwahrung ausüben zu können.“

Das klingt wie Wortgewitter, hat aber aus Steinbrücks Sicht die praktische Konsequenz, dass die Union nicht wie die SPD zwischen programmatischem Anspruch und harter Wirklichkeit wund gerieben wird. Die FDP sieht Steinbrück am Ende: „Mit ihrem Vulgärliberalismus und der antiquierten Vorstellung der Markt regele sich am besten von selbst, scheint die FDP aus der Zeit gefallen zu sein.“

Die Linke hält er für Träumer und warnt die eigene Partei davor, sich mit ihr einzulassen: „Jedes Kokettieren mit der Linken auf Bundesebene läuft auf politische Selbstentleibung der SPD hinaus.“ Hier würde das Buch beim Mainstream-Genossen wahrscheinlich ein zweites Mal in der Ecke landen.

Wer es dann doch nochmal zur Hand nimmt, liest Steinbrücks inhaltliche Abrechnung mit den SPD-Prestigeprojekten der amtierenden großen Koalition. Rente mit 63? „Die heftigen Debatten um ein festes Renteneintrittsalter werden sich noch in diesem Jahrzehnt als Illusion erweisen.“ Eine Lebensarbeitszeit über den 70. Geburtstag hinaus hält Steinbrück für realistisch. Steuerpolitik? Die gesamte Diskussion um die Erbschaftssteuer bezeichnet der Ex-Kandidat als unternehmer-feindlich.

Gegner werden sich das Feixen nicht verkneifen können
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14 Kommentare zu "Steinbrück rechnet ab: „Ich musste ohne Badehose schwimmen“"

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  • „Ich musste ohne Badehose schwimmen“

    Herr Steinbrück, fragen Sie mal die betroffenen Bürger, oder noch Wähler, die durch Ihre Politik incl. Ihrer Partei leiden mussten und noch müssen !
    Durch profitable Deregulierungs-Orgien !

    Durch die ROT/GRÜNE Koalition ist der kranke Lobbyismus sichtbar und fühlbar entstanden !

    Wie viele "Volksvertreter" wurden durch diese "Politik" Millionäre ?

    Was haben diese "Politiker" gemacht, oder nicht gemacht, für diese nicht verdiente, fürstliche "Entlohnung" bezahlt von Lobbyisten ???

    Das wäre mal eine Recherche wert !

  • Steinbrück ohne Badehose muss man (n) sich nicht vorstellen, oder?

  • Keiner fühlt sich angesprochen? Kein Dementi und keine Gegenrede? Hab ich mir gedacht, weil alle Geistesverwandte. Fröhliches Weiter-, Gegen- und Mitschwatzen noch.

  • Im Rheinland nennt man solche Zeitgenossen SCHWADLAPPEN.
    Dä schwad zu vill.

  • "Mitbürger/innen kauft nicht das Buch ... dieses .... oder anderer Politiker/innen."

    Am besten gar nicht aus erster Hand informieren, sondern den vertrauenswürdigen Leuten von Russia Today TV vertrauen, die Ihnen dann erklären "wie's wirklich ist", oder? ;)

    Information grundsätzlich zu boykottieren ist jedenfalls bestimmt nicht der geschickteste Weg um durchs Leben zu gehen.

  • Mitbürger/innen kauft nicht das Buch ... dieses .... oder anderer Politiker/innen.

    Geht nicht zu den gesponserten Veranstaltungen, die von Sponsoren zu "Werbezwecken"
    "abgedreht" werden.

    Das ist die beste Antwort auf solche "Politiker/innen" und Verlage, die solche "Typen" unterstützen und daran verdienen.

  • "Der deutsche Michel schreibt sich in den Kommentarforen aller Zeitungen die Finger wund. "

    Wie jetzt? Mal soll der deutsche Michel zu dumm zum erkennen sein und jetzt schreibt er sich in Kommentarforen die Finger wund? Klingt - in Anlehnung an Jan Fleischhauers Tsipras Analyse - irgendwie psychopatologisch.

  • Der deutsche Michel schreibt sich in den Kommentarforen aller Zeitungen die Finger wund. Die demokratische Legitimation der Entscheidungen der Politik ist mittlerweile vollkommen dahin. Doch wann ändert sich endlich etwas? Wie können wir alle Einfluss nehmen??? Ich habe keine Idee mehr...

  • "Eine ähnliche Motivation also vermutlich wie bei Alan Greenspan: erst selber Monster-Blasen auf den Finanzmärkten schaffen und nun mit mahnenden Worten herumtingeln. Das sind mir genau die Richtigen... "

    Ich bin im Grunde sehr viel mehr entsetzt darüber, dass die heute in der Verantwortung stehenden - das ist EZB, Bundesbank wie Bundesregierung sich heute lieber weg ducken und den scheinbar bequemen Ausweg nehmen, statt echte Verantwortung für die deutsche und europäische Zukunft zu übernehmen.

    Bundesbank und Bundesregierung sind genauso schuld daran, wenn der Euro scheitert wie Draghi. Die Verantwortung abzuschieben wie während der Finanzkrise wird nicht funktionieren. Die CDU und SPD muss sich dann den Vorwurf der Unfähigkeit zu recht gefallen lassen. Bundesbank wie Bundesregierung unternehmen schlicht zu wenig.

  • Es ist ja schon einmal sehr erfreulich, wenn das HB Steinbrücks Gesicht nur zur Hälfte zeigt. Ach, würde man das nur bei Murksel auch immer tun!
    Bei "Peitschen-Peer" schlägt - wie bei den meisten Vollblut-Sozen - das Herz nur für die Wählerschaft links - wenn es ums persönliche Abkassieren geht, dann nimmt man aber auch gerne Beraterhonorar von ukrainischen Oligarchen respektive einer rechtslastigen Junta entgegen.
    Zum Schenkelklopfen war noch sein lautstarkes Getöne damals, notfalls mit der Kavallerie in der Schweiz einzurücken - dabei wäre die Bundeswehr mit ihrem bedingt abwehrbereiten Schrott-Heer im Ernstfall noch nicht einmal über den Rhein gekommen: die Eidgenossen unterhalten nämlich eine hervorragende und äußerst schlagkräftige Armee.
    Einholen wird ihn aber früher oder später der "Fluch der bösen Tat": als er zusammnen mit Mutti den deutschen Sparern damals die berühmt-berüchtigte "Staatsgarantie" gab, als diese bereits zum Bankensturm ansetzten und begannen, ihre Konten zu räumen.
    Dabei weiß jeder, der sich etwas mit dem Teilreservebankwesen (Fractional Reserve Banking) und seiner Mehrfachbeleihung beschäftigt, dass man auf etwas, was bereits garantiert weg ist, keine Garantie geben kann. ;-)
    Das nächste Mal werden es die Sparer aber vielleicht merken - und womöglich ist der Grund für Steinbrücks scheinheilige Kritik also vor allem, dass er dann nicht auf der falschen Seite stehen möchte.
    Eine ähnliche Motivation also vermutlich wie bei Alan Greenspan: erst selber Monster-Blasen auf den Finanzmärkten schaffen und nun mit mahnenden Worten herumtingeln. Das sind mir genau die Richtigen...

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