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Steuergesetze Wie berechnet sich meine Einkommensteuer?

Was soll an Steuer schon so schwer sein? Man verdient Geld und ein Teil davon schnappt sich der Staat. Doch so einfach ist das leider nicht. Denn in der deutschen Steuerwelt sind 42 Prozent nicht gleich 42 Prozent.
26.04.2017 - 11:35 Uhr Kommentieren
Steuererklärung Deutschland Quelle: dpa
Steuererklärung

Das deutsche Steuersystem ist kompliziert. Wir machen es dir verständlich.

(Foto: dpa)

Dieser Artikel ist am 26. April 2017 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Es gibt Dinge, die sind einfach zu verstehen. Und es gibt das deutsche Steuersystem. „Es ist über die Jahre gewachsen“, sagt Tobias Hentze, Experte für Steuerpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Dabei haben stetige Veränderungen dazu geführt, dass das Steuersystem nicht einfacher sondern eher komplizierter geworden ist.“

Aber hey, dafür sind wir ja da. Wir sind in die Tiefen der Steuerhölle hinabgestiegen, haben gerechnet, recherchiert, Analysen gelesen und Experten angerufen. Nach stundenlanger Malträtierung unserer Gehirne folgte die erlösende Erleuchtung.

Grenzsteuer vs. Durchschnittssteuer

Fangen wir an: Wer Geld verdient, muss eine Einkommensteuer zahlen. Bevor die Einkommensteuer an den Staat abgeführt wird, nennt sich das verdiente Geld Brutto-Einkommen. Sind die Steuern bezahlt, heißt es Netto-Einkommen. Das Netto-Einkommen ist die Summe, die am Ende auf das Konto landet und die man ausgeben kann.

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    Doch wie hoch ist die Einkommensteuer? Das hängt vom Brutto-Einkommen ab. Je höher das ist, desto höher die Einkommensteuer. Bis 8.820 Euro ist das Jahreseinkommen von der Einkommensteuer befreit. Bei 8.821 Euro im Jahr startet die – jetzt bitte schön aufpassen – Grenzsteuer. Bei 14 Prozent.

    Das ist der erste Grenzsteuertarif. Die Tarife sind gesetzlich geregelt. Vier gibt es. Bis 13.769 Euro steigt die Grenzsteuer steil bis auf 24 Prozent an.

    Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 Prozent. Und was ist mit der Reichensteuer?

    Der zweite Tarif geht von 13.770 bis 54.057 Euro. Hier steigt die Grenzsteuer weniger steil bis auf 42 Prozent an.

    Der dritte Tarif beginnt bei einem Jahreseinkommen in Höhe von 54.058 Euro. Die Grenzsteuer liegt hier konstant bei 42 Prozent. Wir sind beim Spitzensteuersatz angekommen.

    In den vierten Tarif gelangt man, wenn man über 256.303 Euro im Jahr verdient. Dann kommt auf den Spitzensteuersatz eine dreiprozentige Reichensteuer obendrauf.

    Jetzt folgt das große ABER, das die schöne Logik durchbricht. Denn wenn man 54.058 Euro im Jahr verdient, muss man noch längst nicht 42 Prozent davon an den Staat abstottern.

    Ausschlaggebend für die tatsächliche Höhe der Einkommensteuer ist nämlich nicht die Grenzsteuer, sondern die Durchschnittssteuer. Sie orientiert sich an den Grenzsteuertarifen.

    Nicht jeder Euro deines Gehalts wird mit gleichem Anteil versteuert

    Wie aus dem Diagramm zu entnehmen, verläuft die Grenzsteuer als Kurve linear. Die Durchschnittssteuer hingegen ist eine gebogene Kurve. Das bedeutet: Der Betrag, der wirklich an den Staat abgeführt werden muss, steigt mit höherem Einkommen weniger steil an, als die Grenzsteuer.

    Warum? Weil die Grenzsteuer lediglich angibt, wie hoch derjenige Betrag versteuert wird, um den das Einkommen gestiegen ist. Die Durchschnittssteuer hingegen gibt an, wie stark das Brutto-Einkommen insgesamt versteuert wird.

    Ein Beispiel: Verdient man 54.057 Euro, liegt der Grenzsteuersatz bei etwas unter 42 Prozent, also unter dem Spitzensteuersatz. Verdient man jedoch einen Euro mehr, sprich 54.058 Euro, wird man dem Spitzensteuersatz zugeordnet. Allerdings wird nur der eine zusätzliche Euro mit 42 Prozent versteuert. Das restliche Einkommen nicht. Nur jeder weitere Euro, der dazu kommt, wird ebenfalls mit 42 Prozent versteuert.

    Erst ab 500.000 Euro Jahresgehalt wird die Spitzensteuer wirklich fällig

    Das Bundesfinanzministerium hat eine Formel festgelegt, mit der man die effektive Steuerbelastung berechnen kann. Wenn ihr in das Feld „zu versteuerndes Einkommen“ das Brutto-Einkommen von 54.058 Euro eingebt, werdet ihr feststellen, dass in Wirklichkeit nicht 42 Prozent Einkommensteuer an den Staat gehen, sondern nur knapp 27,8 Prozent.

    „Die Variablen in der Berechnung der Einkommensteuer werden von der Politik festgelegt“, erklärt Steuerexperte Hentze. „Im Grunde geben sie die Steigung an, mit der die Steuersätze abhängig von der Einkommenshöhe steigen.“

    Die 42 Prozent (plus drei Prozent Reichensteuer) werden erst dann wirklich fällig, wenn das Jahreseinkommen bei 539.000 Euro (!) liegt. Man muss also schon ziemlich viel Kohle verdienen, bis der Spitzensteuersatz auch effektiv greift.

    Mehr: Mit diesen zwölf Tipps gibt es mehr Geld vom Finanzamt zurück

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