Steuernachzahlungen Der Fiskus verdient kräftig mit

Mit Zuschlägen auf Steuernachforderungen lässt sich viel Geld verdienen. Mehrere hundert Millionen Euro an Zinsen flossen 2016 in die Staatskasse. Für Steuernachforderungen fallen seit Jahren 0,5 Prozent Zinsen an.
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Der Staat verdiente im vergangenen Jahr 670 Millionen Euro Zinsen aus Steuernachzahlungen. Quelle: dpa
Bundesfinanzministerium in Berlin

Der Staat verdiente im vergangenen Jahr 670 Millionen Euro Zinsen aus Steuernachzahlungen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Staat kassiert in der Niedrigzinsphase weiter kräftig aus Zuschlägen auf Steuernachforderungen. Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus unterm Strich und per Saldo gut 670,51 Millionen Euro Zinsen ein, wie das Bundesfinanzministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Schon in den Jahren 2014 und 2015 lag das Kassenaufkommen bei rund 1,92 Milliarden Euro.

Bei dieser Zahl handelt es sich um den Saldo sowohl der Erstattungs- als auch der Nachzahlungszinsen. Denn sowohl für Steuernachforderungen durch den Fiskus als auch für Erstattungen des Finanzamtes fallen Zinsen von 0,5 Prozent pro Monat an. Vom Finanzamt erhaltene Zinsen sind steuerpflichtig, gezahlte Zinsen dagegen können nicht abgesetzt werden. Wegen dieser Ungleichbehandlung ist nach Darstellung des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine auch eine Verfassungsbeschwerde anhängig (Az. 2 BvR 1711/15).

Deutschlands schnellste Finanzämter
Letzter Platz: Eine anonyme Stadt in Mecklenburg-Vorpommern
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86,6 Tage: So lange dauert es im Schnitt, bis das langsamste Finanzamt Deutschlands eine Steuererklärung bearbeitet hat. Das Portal „Lohnsteuer kompakt“ hat die Bearbeitungszeiten deutscher Finanzämter gemessen und verglichen. Der letzte Platz geht dabei an eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die das Portal nicht nennt – wohl, um die betroffenen Mitarbeiter nicht unnötig zu exponieren. Durchschnittlich haben alle deutschen Finanzämter für die Bearbeitung 52,5 Tage benötigt. Bei den schnellsten Beamten ging das allerdings fast doppelt so schnell. Digitalpass-Kunden können sich hier einen Steuer-Ratgeber herunterladen.

Platz 20: Hamburg-Harburg
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Oh du schöne Elbphilharmonie... Milliarden an Steuergeldern benötigt der Stadtstaat Hamburg, um das umstrittene Konzerthaus an der Elbe im Oktober 2016 endlich fertigzustellen. Wohl auch deshalb sind die Beamten dort fix, wenn es darum geht, die Gelder einzusammeln. Im Schnitt benötigte das Finanzamt in Hamburg-Haburg 37 Tage, um eine Steuererklärung zu bearbeiten. Auch die anderen Finanzämter der Hansestadt arbeiten vorbildlich: Im Bundesländervergleich liegt Hamburg mit einer Bearbeitungszeit von durchschnittlich 45 Tagen auf dem ersten Platz.

Platz 19: Bensheim, Außenstelle Fürth (Hessen)
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Leicht schneller geht es in der Fürther Außenstelle des Finanzamts Bensheim. Hier dauerte die Bearbeitung nach Messungen von „Lohnsteuer kompakt“ nur 36,8 Tage. Bensheim ist als einziger hessischer Ort in den Top 20 vertreten – im Ländervergleich landet Hessen mit einer Dauer von 58,1 Tagen auf dem zwölften Platz.

Platz 18: Bad Bentheim (Niedersachsen)
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Bad Bentheim glänzt nicht nur mit der gleichnamigen Burg, sondern auch mit der zügigen Bearbeitung von Steuererklärungen: 36,7 Tage dauerte das im Test. Damit landet das Finanzamt der 15.000-Einwohner-Gemeinde auf dem 18. Platz.

Platz 17: Erkelenz (Nordrhein-Westfalen)
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Am Nordrand der Kölner Bucht, auf halbem Weg zwischen Niederrhein und Niedermaas, liegt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen. Bis in das Jahr 2045 hinein müssen hier wegen des nahegelegenen Braunkohletagebaus mehr als 5000 Menschen aus zehn Ortschaften umgesiedelt werden. Weitaus schneller funktioniert die Bearbeitung von Steuererklärungen – nämlich durchschnittlich schon nach 36,6 Tagen.

Platz 17: Schrobenhausen (Bayern)
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Nicht nur mit dem Spargel klappt’s in Schrobenhausen – sondern auch mit den Finanzbeamten. Im Schnitt benötigen die nämlich nur 36,3 Tage, um eine Steuererklärung zu bearbeiten. Im Ranking gibt es dafür Platz 15. Das gilt auch für das Finanzamt in ...

Platz 15: Hamburg-Nord
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... Hamburg-Nord, das ebenfalls 36,3 Tage benötigt. Im Bundesländervergleich ist übrigens das nahegelegene Bremen das Land, in dem die Finanzbeamten Steuererklärungen am langsamsten bearbeiten – nämlich erst nach 80,1 Tagen.

Der feste Zinssatz ist seit mehr als 50 Jahren unverändert und steht gerade in der Niedrigzinsphase immer wieder in der Kritik. Nach Darstellung des Bundesfinanzministeriums ist er verfassungskonform und habe sich in der Praxis bewährt. Der Zinssatz von 0,5 Prozent könne „nicht mit dem wie auch immer verstandenen „Marktzins“ verglichen werden“. Es bestünden Unterschiede zwischen dem „Marktzins“ und der Verzinsung nach der Abgabenordnung.

Zum Saldo aus Erstattungs- und Nachzahlungszinsen trugen im vergangen Jahr Einnahmen von 228,25 Millionen Euro aus Zinsen zur Einkommen- und Lohnsteuer bei. Die Zinsen zur Körperschaftsteuer betrugen etwa 311,726 Millionen Euro, die zur Umsatzsteuer rund 130,656 Millionen Euro. Demgegenüber schlug ein Minus von 0,115 Millionen Euro aus Zinsen zur Vermögensteuer zu Buche.

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  • dpa
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