Steuerzahlergedenktag: Rechnen Sie hier aus, ab wann Sie in die eigene Tasche arbeiten
Ab heute wandert der Lohn allein in die Tasche des Arbeitnehmers - so die Berechnung des Steuerzahlerbundes.
Foto: IMAGO/FotostandBerlin. Am heutigen Mittwoch um 11:28 Uhr ist es so weit: Ab dann arbeiten die Bürger – rein rechnerisch – für das eigene Portemonnaie. Das ist zumindest die Kalkulation des Steuerzahlerbundes, der in diesem Jahr am 13. Juli den Steuerzahlergedenktag ausruft.
Mit der Aktion will die Steuerzahlerlobby auf die aus ihrer Sicht zu hohe Belastung der Bürger hinweisen. Je später der Gedenktag ist, desto höher sind die Abgaben und Steuern. An der Berechnung gibt es allerdings auch Kritik.
Der Steuerzahlerbund berechnet die Belastung auf Basis von repräsentativen Haushaltsumfragen des Statistischen Bundesamtes. Die über 22 Millionen Arbeitnehmerhaushalte (Arbeiter, Angestellte und Beamte) bestehen demnach im Durchschnitt aus 2,2 Personen. Das Gesamteinkommen des repräsentativen Haushalts beträgt nach Kalkulation des Steuerzahlerbundes in diesem Jahr 6.474 Euro pro Monat.
In einem zweiten Schritt berechnet der Verein die Überweisungen an den Staat. Der repräsentative Haushalt zahlt demnach 774 Euro Einkommensteuer sowie insgesamt 2038 Euro als Sozialversicherungsbeiträge. Hinzu kommen noch indirekte Steuern, etwa die Umsatz-, Grund- oder Kraftfahrzeugsteuer. Diese summieren sich auf 624 Euro monatlich.
Damit beträgt die Belastung für den Durchschnittshaushalt insgesamt 3432 Euro. So ergibt sich eine Quote von 53,0 Prozent und rechnerisch ein Steuerzahlergedenktag am 13. Juli.
Singles werden stärker belastet
Der Steuerzahlerbund hat die Belastung auch nach Haushaltstypen unterschieden. Bei den allein lebenden Arbeitnehmern ist die Belastung höher: Im Durchschnitt werden sie mit 53,9 Prozent belastet – ihr Steuerzahlergedenktag fällt erst auf den 16. Juli. Für Mehrpersonenhaushalte war er bereits am 12. Juli – hier liegt die Belastungsquote bei 52,8 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die durchschnittliche Belastung laut Steuerzahlerbund um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Als Grund werden die Preissteigerungen und somit eine höhere Belastung durch die Umsatzsteuer angeführt. Hinzu kommen kleinere Effekte: So ist der Beitragssatz für Kinderlose in der Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Im Vorjahresvergleich sind zudem die CO2-Abgaben auf Kraft- und Heizstoffe erhöht worden.
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Auf der anderen Seite gab es auch Entlastungen. Dazu zählen die Energiepreispauschale, der Abbau der EEG-Umlage sowie die Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrags.
Für Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, zeigen die Berechnungen, dass eine Entlastung der Bürger notwendig ist. „Politisches Ziel muss sein, die Belastungsquote unter die 50-Prozent-Marke zu drücken“, sagte er. Unter anderem fordert er eine Einkommensteuerreform sowie den Abbau der kalten Progression, also der schleichenden Steuererhöhungen durch das Zusammenspiel von Lohnerhöhungen und Inflation.
Kritik an den Kritikern
In der Vergangenheit wurden die Berechnungen zum Steuerzahlergedenktag immer wieder kritisiert. So moniert etwa Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) regelmäßig, dass dabei auch Sozialabgaben berücksichtigt werden. Diesen Zahlungen stehen aber Leistungen gegenüber, etwa in der Rentenversicherung.
Auch Holznagel sagt, dass mit Steuern und Abgaben wichtige Leistungen für die Bürger finanziert würden. „Selbstverständlich haben sie in der ersten Jahreshälfte nicht umsonst gearbeitet – zum Großteil fließen die Steuer- und Beitragszahlungen in Form von staatlichen Leistungen direkt oder indirekt an die Bürgerinnen und Bürger zurück“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes.
Zugleich lege der Steuerzahlergedenktag aber offen, dass immer noch mehr als die Hälfte des von Arbeitnehmern erwirtschafteten Einkommens staatlich umverteilt und verwaltet werde, so Holznagel. Wenn mehr als die Hälfte des persönlichen Einkommens mit Steuern und Abgaben belegt werde, widerspreche dies dem „Fairnessgedanken“. Man wolle mit dem Gedenktag eine Diskussion darüber anstoßen, ob die Belastung der Bürger gerechtfertigt sei und ob die zahlreichen Leistungen sowie die Systeme selbst effizient seien.