Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Stifterverband Wirtschaft gründet Lotterie für Bildung – und lockt mit Millionengewinnen

Die Lotterie fördert Menschen, die im staatlichen System zu kurz kommen. 20 Millionen Euro Startkapital haben Unternehmer vorgestreckt.
Kommentieren
Der Investitionsbedarf im Bildungssektor ist hoch. Quelle: ddp images
Lehrer mit Tablet

Der Investitionsbedarf im Bildungssektor ist hoch.

(Foto: ddp images)

BerlinEs begann im Mai 2013 im Handelsblatt: Der damalige Präsident des Stifterverbandes Arend Oetker fordert eine Bildungslotterie: „Wenn wir den menschlichen Trieb zum Spiel mit dem guten Zweck der Bildung verknüpfen könnten, wäre das wunderbar“, sagte der Unternehmer damals. Nun geht die „Bildungs-Chancen-Lotterie“ an den Start – und lockt mit Gewinnen bis zu zwei Millionen Euro. Hunderte Millionen Euro für Bildung sollen so eingesammelt werden.

Hintergrund sind Unzufriedenheit und Ungeduld mit dem staatlichen System, das die enormen Bildungsaufgaben angesichts der Digitalisierung und dem zunehmenden Anteil von Migranten nicht bewältigt. „Der Staat ist nicht so gut darin, Einzelne so zu fördern, dass sie ihr volles Potenzial entwickeln“, sagt der Generalsekretär des Stifterverbandes, Andreas Schlüter, der die Lotterie erfunden und über Jahre vorangetrieben hat.

Er und seine Mitstreiter aus der Industrie setzen auf Selbsthilfe: „Das kann das staatliche Bildungssystem gar nicht so leisten, wie es erforderlich wäre. Diese Lücke wollen wir helfen zu füllen.“

Das Ziel ist hochgesteckt: Die Bildungslotterie soll spätestens in zehn Jahren jährlich mindestens ein Viertel des Umsatzes von Marktführer Aktion Mensch erzielen – gut 100 Millionen Euro. So würden jährlich rund 30 Millionen Euro in Bildungsprojekte fließen.

Nach dem Glücksspielstaatsvertrag müssen jeweils mindestens 30 Prozent der Einnahmen einer Soziallotterie in Förderung und Gewinnausschüttung fließen. „Im ersten Jahrzehnt wollen wir also auf jeden Fall einen dreistelligen Millionenbetrag für gute Bildungszwecke einsammeln“, hofft Schlüter.

Um die Lotterie anzuschieben, waren 20 Millionen Euro nötig – sie musste der Stifterverband von Privaten einsammeln. Investor der ersten Stunde ist Christian Boehringer: „Ich habe die Chance gesehen – anders als bei der klassischen Spende –, dauerhaft Mittel für Bildungsaktivitäten des Stifterverbandes zu generieren“, sagt der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses von Boehringer Ingelheim.

Er sei „von vornherein fest überzeugt gewesen, dass die Bildungs-Chancen-Lotterie ein Erfolg werden kann“ – auch angesichts der starken Partner: die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung. Mit diesen beiden Organisationen hat der Stifterverband die Gesellschaft gegründet, die die Onlinelotterie betreibt.

„Jetzt drücke ich alle Daumen, dass viele Menschen Lose kaufen, um dadurch auch etwas für Bildungschancen in Deutschland zu tun“, so Boehringer.

Der Markt für Soziallotterien ist ein Milliardenmarkt – die drei großen Player Aktion Mensch, Fernsehlotterie und Glücksspirale setzten 2016 zusammen 861 Millionen Euro um. Onlinelotterien sind in Deutschland erst seit 2012 erlaubt. Vorbild für die Bildungs-Chancen-Lotterie war die in Holland sehr erfolgreiche Postleitzahlenlotterie „postcode“, die dort jährlich allein 700 Millionen Euro umsetzt. Eine Kooperation war zunächst angedacht – „wir haben es am Ende aber doch gelassen, weil wir etwas Eigenes machen und sicherstellen wollten, dass so viel Geld wie möglich ganz unmittelbar der Bildungsförderung zugutekommt“, so Schlüter.

Eine größere Summe hat auch die Vizepräsidentin des Stifterverbandes, Nicola Leibinger-Kammüller, bereitgestellt: „Bildung taucht sage und schreibe 273-mal im Koalitionsvertrag auf – wenn es uns ernst damit ist, müssen wir aber auch selbst handeln und nicht warten, bis andere die Initiative ergreifen“, sagt die Chefin des Maschinenbauers Trumpf.

Weil Bund und Länder die Aufgaben nicht allein bewältigen könnten, „müssen neue Finanzierungsquellen erschlossen werden“. Die Idee der Lotterie sei „ebenso einfach wie überzeugend: Lotteriespieler dürfen vom großen Gewinn träumen – und eröffnen mit ihrem Loskauf zugleich neue Chancen auf Bildung.“

Die neue Initiative will vor allem solchen Projekten helfen, die Menschen individuell fördern – und zwar von der frühkindlichen Erziehung bis zur Erwachsenenbildung. 80 Prozent fließen an die drei Initiatoren Stifterverband, SOS Kinderdörfer und DKJS – um die restlichen 20 Prozent können sich Externe bewerben: „Elternvereine, Kindergärten, Jugend forscht – alles ist möglich“, so Schlüter. An den Details werde noch gefeilt, am 8. Dezember, dem Tag der Bildung, sollen bundesweit die ersten Projekte Geld erhalten.

Das Konzept hat Bettina Würth aufgrund eigener Erfahrungen überzeugt: „Oft habe ich beobachtet, dass junge Menschen zwar bestens ausgebildet sind, im Beruf dann aber Schwierigkeiten haben“, sagt die Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe. Auch ihre eigene Schullaufbahn „war nicht immer gerade, mir hat vor allem gefehlt, Dinge auszuprobieren.“ Daher gefällt ihr der Ansatz der Bildungslotterie: „Alle drei Initiatoren wollen das Beste, das in jedem Menschen angelegt ist, zutage fördern.“

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Stifterverband - Wirtschaft gründet Lotterie für Bildung – und lockt mit Millionengewinnen

0 Kommentare zu "Stifterverband: Wirtschaft gründet Lotterie für Bildung – und lockt mit Millionengewinnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.