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Stiftungschef Jeremy Farrar im Interview „Berlin wird Drehkreuz für globale Gesundheitspolitik“

Jeremy Farrar, Chef von „Wellcome Trust“, verwaltet ein Milliardenvermögen. Bei der Stärkung der Gesundheitsversorgung in Afrika setzt er auf Deutschland.
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Gesundheitspolitik ist ein Schwerpunkt deutscher Entwicklungsarbeit. Quelle: action press
Dürre in Somalia

Gesundheitspolitik ist ein Schwerpunkt deutscher Entwicklungsarbeit.

(Foto: action press)

Berlin Der „Wellcome Trust“ ist nach der Gates Foundation die zweitgrößte private Stiftung der Welt. Ihr Ziel: durch medizinische Innovation die Gesundheit gerade in Entwicklungsländern verbessern. Stiftungschef Jeremy Farrar sieht Deutschland bei globalen Gesundheitsfragen in der Führungsrolle. „Wenn man auf die vergangenen fünf Jahre zurückblickt und fragt, welches Land sich bei der internationalen Kooperation im Gesundheitsbereich stärker und hörbarer einsetzt, dann ist das Deutschland“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt.

Die in London ansässige Stiftung finanziert unter anderem die Forschung an Impfstoffen gegen Ebola. „Wir möchten unsere Zusammenarbeit mit Deutschland in der globalen Gesundheitspolitik und bei Themen wie Antibiotikaresistenzen oder der Vorbeugung von Pandemien ausbauen“, sagt Farrar. Dazu will er den „Wellcome Trust“ in die Bundesrepublik bringen. „Anfang nächsten Jahres werden wir ein Büro in Berlin eröffnen, unseren ersten Ableger außerhalb Großbritanniens“, sagt er.

Die Bundeshauptstadt könne „zu einem echten Drehkreuz für weltweite Gesundheitspolitik werden“. Deutschland stellte in den vergangenen Jahren globale Gesundheitsfragen in den Mittelpunkt seiner Präsidentschaften der G7 und G20. Derzeit findet in Berlin der Weltgesundheitsgipfel statt. „Vor 20 Jahren hätte man argumentieren können: Großbritannien, die USA und Frankreich sind Antreiber der globalen Gesundheitsagenda“, sagt Farrar. „Ich denke, das ist nicht mehr der Fall.“

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Der „Wellcome Trust“ ist nach der Gates Foundation die zweitgrößte private Stiftung der Welt. Ihr Ziel: durch medizinische Innovation die Gesundheit in Entwicklungsländern verbessern. Die in London ansässige Stiftung finanziert etwa die Forschung an Ebola-Impfstoffen. Stiftungschef Jeremy Farrar sieht Deutschland bei globalen Gesundheitsfragen in der Führungsrolle.

Der Stiftungschef will Anfang 2019 ein Büro in Berlin eröffnen. Quelle: The Francis Crick Institute -  Dave Guttridge
Jeremy Farrar

Der Stiftungschef will Anfang 2019 ein Büro in Berlin eröffnen.

(Foto: The Francis Crick Institute - Dave Guttridge)

Herr Farrar, derzeit findet in Berlin der Weltgesundheitsgipfel statt. Globale Gesundheit ist ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik. Was bewirkt das Engagement?
Wenn man auf die vergangenen fünf Jahre zurückblickt und fragt, welches Land sich bei der internationalen Kooperation im Gesundheitsbereich stärker und hörbarer einsetzt, dann ist das Deutschland. Vor 20 Jahren hätte man argumentieren können: Großbritannien, die USA und Frankreich sind Antreiber der globalen Gesundheitsagenda. Ich denke, das ist nicht mehr der Fall.

Aber wo hat sich denn konkret etwas verändert?
Nehmen Sie zum Beispiel die CEPI-Initiative. Deutschland hat sich hier mit anderen Ländern, dem Wellcome Trust und der Gates-Stiftung zusammengetan, damit Impfstoffe hergestellt werden, für die es keinen wirtschaftlichen Anreiz gibt. Das hilft den ärmsten Ländern der Welt. Ohne die politische Unterstützung hätte es diesen Fortschritt nicht gegeben.

Was bedeutet die deutsche Rolle für Ihre Stiftung?
Anfang nächsten Jahres werden wir ein Büro in Berlin eröffnen, unseren ersten Ableger außerhalb Großbritanniens. Wir möchten unsere Zusammenarbeit mit Deutschland in der globalen Gesundheitspolitik und bei Themen wie Antibiotikaresistenzen oder der Vorbeugung von Pandemien ausbauen. Berlin könnte zu einem echten Drehkreuz für weltweite Gesundheitspolitik werden.

Sie sprechen viel über die Politik. Ist die Pharmaindustrie nicht gefordert?
Doch, die Privatwirtschaft sollte sich bei Initiativen wie CEPI stärker einbringen. Einige Pharmaunternehmen beteiligen sich bereits. Aber wir brauchen Anreize für Investitionen in neue Antibiotika oder Impfstoffe. Firmen könnten mit öffentlichen Geldern animiert werden, sich dort zu engagieren, wo sie keine wirtschaftlichen Interessen haben.

Kann auch Digitalisierung die Gesundheitsversorgung in Afrika verbessern?
Das Potenzial von Digital Health ist enorm, nicht nur für Entwicklungsländer. Algorithmen können zu besseren Entscheidungen von Ärzten führen. Wir können Pandemien mit der Hilfe von Daten im Auge behalten. Noch spüre ich viel Misstrauen mit Blick auf den Datenschutz. Wir wollen eine Debatte führen, wie Gesundheitssysteme weltweit von der Digitalisierung profitieren können.

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