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Stratege des Jahres Tesla-Chef Elon Musk spornt die deutschen Autobauer zu mehr Leistung an

Der Tesla-CEO zeigt der deutschen Automobilbranche seit Jahren, was beim Elektroauto möglich ist. Nun dringt er in deren Heimatmarkt ein.
19.12.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Quelle: TODD ANDERSON/The New York Times/Redux/laif; Tesla

(Foto: TODD ANDERSON/The New York Times/Redux/laif; Tesla)

Dieter Zetsche, einst Chef des Autobauers Daimler, sagte vor einigen Wochen über ihn: „Elon hat eine Mission, er will die Probleme der Menschheit lösen.“ Auch Herbert Diess, der Chef von Volkswagen, hatte nur lobende Worte auf der Veranstaltung zum Goldenen Lenkrad in Berlin: „Elon hat gezeigt, dass es geht.“ Alle lieben Elon Musk.

Das war nicht immer so: Seit mehr als zehn Jahren baut Tesla Elektroautos und wurde dafür jahrelang nur belächelt. Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem sein Untergang nicht vorhergesagt wird. Wann geht Tesla das Geld aus? Und was passiert erst, wenn die vielen Elektroautos der etablierten Hersteller auf den Markt kommen und niemand mehr einen Tesla kaufen möchte?

Doch sind das die entscheidenden Fragen? Mitnichten. Elon Musk baut Elektroautos nicht als gleichwertige Alternative zu Verbrennern, sondern aus Überzeugung. Er glaubt fest daran, dass die Menschheit nur mit einer radikalen Abkehr von fossilen Brennstoffen eine Zukunft hat. Aber anders als in vielen aktuellen Diskussionen ist sein Lösungsvorschlag nicht der große Verzicht und die Rückkehr in die Steinzeit. Elon Musk glaubt an Technologie. Er verbreitet Optimismus und packt an, während andere noch reden.

Natürlich hat er es einfacher als seine Kollegen bei BMW oder Mercedes, die Verantwortung für Zehntausende von Mitarbeitern und Milliarden von Investitionen tragen. Er kann alles neu aufbauen und eine radikale Haltung einnehmen. Er muss keine Rücksichten nehmen.

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    Aber seine Überzeugung ist echt, und seine Geschichte zeigt, dass wir zu langsam sind und viel zu viel über die Erhaltung und Wahrung des Status quo reden, anstatt eine großartige und erstrebenswerte Zukunft zu beschreiben und engagiert aufzubauen. 

    Karl-Thomas Neumann kennt die Automobilbranche wie nur wenige. 1999 bis 2003 war er bei Volkswagen für die Elektronikforschung zuständig. 2004 wechselte er zu Continental, dessen Chef er 2008 wurde. 2009 ging er zurück zu Volkswagen. 2013 bis 2017 war er dann Vorstandschef bei Opel. Seit 2018 lebt der 58-Jährige in Los Angeles und war dort am Aufbau des Elektroauto-Start-ups Canoo beteiligt. Heute engagiert er sich bei Start-ups in den USA, Europa und Asien. Quelle: Evelozcity
    Karl-Thomas Neumann

    Karl-Thomas Neumann kennt die Automobilbranche wie nur wenige. 1999 bis 2003 war er bei Volkswagen für die Elektronikforschung zuständig. 2004 wechselte er zu Continental, dessen Chef er 2008 wurde. 2009 ging er zurück zu Volkswagen. 2013 bis 2017 war er dann Vorstandschef bei Opel. Seit 2018 lebt der 58-Jährige in Los Angeles und war dort am Aufbau des Elektroauto-Start-ups Canoo beteiligt. Heute engagiert er sich bei Start-ups in den USA, Europa und Asien.

    (Foto: Evelozcity)

    Im Jahr 2010 war ich im Volkswagen-Konzern für Elektrifizierung zuständig. Wir wollten einen elektrischen Golf machen. Elon war gerade zwei Jahre zuvor mit seinem Roadster auf den Markt gekommen. Die ganze Fachwelt staunte damals über die Batterien dieses Autos.

    Anstatt wie sonst üblich aus großen, flachen, speziell angefertigten und teuren Batteriezellen bestanden die Roadster-Batterien aus exakt den gleichen standardisierten runden Batteriezellen, die zu Millionen in Notebooks, Kameras und Spielzeugen stecken.

    Wir suchten – und fanden – damals viele Gründe, warum das nicht funktionieren kann: zu aufwendig, zu gefährlich, schlechte Qualität. Um Volkswagen zu überzeugen, kaufte Elon Musk damals kurzerhand einen Golf, stattete ihn in wenigen Wochen mit seinen Batterien und seinem Elektroantrieb aus und flog damit nach Wolfsburg. Dort fuhr Elon Musk den Wagen persönlich mit Martin Winterkorn Probe. Der damalige VW-Chef war von der Performance dieses E-Golf begeistert. Er hörte jedoch auf die vielen Bedenkenträger aus dem Bereich der Motorenfraktion.

    Als der Tesla S im Jahr 2011 vorgestellt wurde, machten wir uns hauptsächlich über die Bauqualität und die Spaltmaße lustig. Die auf Google Maps basierende Navigation funktionierte meistens nicht richtig, und die 3G-Datenverbindung ließ nur unterbrochenes Musikstreaming und einen langsamen Kartenaufbau zu.

    Alle diese Dinge sind in der Zwischenzeit dramatisch verbessert, und was wir dabei nicht gesehen haben, ist, dass hier der erste wirklich nutzbare und vor allem emotional begehrenswerte Elektrowagen entstanden war. Während wir darüber diskutierten, wie viele Elektroautos man bauen muss, um Compliance mit Abgasbestimmungen zu erreichen, baute Elon Autos, die seine Kunden wirklich haben wollten.

    Nebenbei baute Tesla nicht nur die ersten alltagstauglichen Elektroautos, sondern auch die ersten Autos, die einen leistungsfähigen Zentralcomputer haben und bei denen die Software im Vordergrund steht. Ein Tesla ist „always on“ wie ein iPhone, wird durch Softwareupdates ständig verbessert und bekommt neue Funktionen. Auch hier war Elon Musk ein Visionär und Stratege, und zwar einer, der bis dato keinen wirklichen Wettbewerber in der traditionellen Autoindustrie hat.

    30 Millionen Follower auf Twitter

    Seit den ersten Tesla-Tagen hat sich viel verändert. Volkswagen zum Beispiel geht heute mit einer klaren Strategie für die Transformation zur Elektromobilität voran. Großer Respekt dafür! Aber man darf nicht übersehen, Elon Musk hat mehr als zehn Jahre Vorsprung. Ganz nebenbei hat er im gigantischen Maßstab Daten über die Nutzung seiner Autos und deren Batterien gesammelt. Er hat ein flächendeckendes Netz von Superchargern aufgebaut und unglaublich treue Kunden, die seine Autos und seine Elektro-Marke lieben.

    Elon Musk hat Mut, und er greift an. Er baut Batterien, deren Funktionalität und Sicherheit jahrelang alle infrage stellen, die aber nun über viele Jahre hervorragend im Feld funktionieren. Er baut Autos wie Computer, und er fährt mit seinem Autopilot bereits heute autonom durch Autobahnkreuze.

    Zu dieser Chuzpe passt, dass er den Bau seiner neuen Europäischen Autofabrik während der Entgegennahme des Goldenen Lenkrads für den Tesla 3 in Berlin und damit vor der versammelten Autobranche verkündet. Er zeigt damit erneut und auf beeindruckende Weise, dass er keinerlei Angst hat, sich direkt mit den deutschen Autobauern, den besten der Welt, zu messen. Und auch wenn mir sein gerade in einer vollkommen missglückten martialischen Vorstellung präsentierter Cybertruck überhaupt nicht gefällt, so greift er damit doch das Herz der amerikanischen Autoindustrie direkt an.

    Dabei ist er authentisch und hat ein herausragendes Kommunikationstalent. Mit fast 30 Millionen Followern bei Twitter hat er fast halb so viele wie US-Präsident Donald Trump.

    Elon Musk macht Fehler und verhält sich manchmal auch unglaublich naiv, man könnte auch sagen kindisch, wenn er sich via Twitter mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC anlegt, in einer Talkshow einen Joint raucht oder mit Metallkugeln die Panzerscheiben seines neuen Cybertrucks ruiniert.

    Doch all das macht ihn aus: Elon Musk glaubt an etwas, er steht für etwas und hat eine klare Haltung. Dabei ist er mutig und hat auch keine Angst, Fehler zu machen. Irgendwie hat er im positiven Sinne das Kind in sich erhalten und denkt zuerst an die Möglichkeiten und überhaupt nicht daran, warum es eventuell auch schiefgehen könnte.

    Darum ist Elon ein Vorbild und sicherlich der größte Autopionier unserer Generation.

    Wer sonst noch auffiel: Mit der nötigen Entschlossenheit
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